Eine Publikation der Swissprofessionalmedia AG
Branchenfokus: Getränke: Ausgabe 03/2015, 10.03.2015

Pflanzliche «Milch» ist gefragter denn je

Sie gehören zu den Getränkesegmenten, die weltweit hohe Wachstumsraten aufweisen – pflanzenbasierte Getränke als Alternativen zu Milchprodukten. Und dabei ist nicht mehr Soja der Haupttreiber für das Wachstum.

Autor: Heike Thevis, Pressereferentin

Milch ist bei vielen Konsumenten fester Bestandteil der täglichen Ernährung. Ob als Getränk, im Müesli oder als variantenreiche Mischung mit Kaffee – das weisse Gold gehört einfach dazu. Doch pflanzliche Alternativen sind seit einigen Jahren deutlich auf dem Vormarsch, wobei Getränke aus Soja schon lange nicht mehr die einzigen Optionen sind. Innovative Getränke aus Nüssen, Körnern, Samen sowie aus alten Getreidesorten wie Quinoa, Buchweizen oder Hirse sind gefragter denn je. Und auch pflanzliche Proteingetränke aus Kokosnüssen und Hülsenfrüchten stehen bei Verbrauchern hoch im Kurs. Schätzungen zufolge kamen allein 2013 im Bereich der pflanzlichen Milchalternativen über 1000 neue Produkte auf den Markt – rund zweimal so viel wie noch fünf Jahre zuvor.

Die Gründe für das Segmentwachstum

sind vielfältig. Zum einen sind es Unverträglichkeiten gegenüber Laktose. Zum anderen wollen sich immer mehr Verbraucher ganz bewusst gesund ernähren. Aus diesem Grund beschäftigen sie sich intensiv mit den Lebensmitteln, die sie konsumieren. Deren analytische Bestandteile spielen dabei ebenso eine Rolle wie die Herkunft, der Anbau sowie die Verarbeitungsmethode. Pflanzliche Milchalternativen sind von Natur aus laktosefrei und gelten gemeinhin als cholesterin- und fettärmer als Milch von Tieren. Sie bieten jedoch in der Regel einen ähnlichen Gehalt an Prote­inen, Mineralien und Vitaminen. Unter dem Gesundheitsaspekt sind pflanzliche Milchalternativen häufig besser verdaulich als Milchprodukte – das trifft auch für Menschen zu, die nicht unter einer Laktoseintoleranz leiden.

«Immer mehr Verbraucher reagieren sensibel auf bestimmte Lebensmittel und achten entsprechend bewusster darauf, was sie zu sich nehmen. Über ein Drittel aller Verbraucher meidet inzwischen gezielt Produkte aufgrund von Allergien oder Unverträglichkeiten. Soja ist für viele Konsumenten, die etwa wegen einer Laktoseintoleranz auf tierische Produkte verzichten müssen oder aus anderen Gründen verzichten wollen, als Alternative heute nicht mehr zwangsläufig immer die erste Wahl. Auch gegen Soja entwickeln manche Verbraucher Allergien und Unverträglichkeiten. Ein sehr dynamisches Wachstum hingegen verzeichnet beispielsweise Mandelmilch. Und auch Kokos-, Reis- und Haferdrinks stehen hoch oben auf der Beliebtheitsskala von Konsumenten», erklärt Matthias Krusche, Global Market Segment Manager bei SIG Combibloc.

Der Trend

, pflanzenbasierte Getränke als Proteinquelle zu konsumieren, hat seine Wurzeln in Asien. Kühe waren bislang in Asien kulturgeschichtlich weniger verbreitet. Folglich ist die Zahl der Menschen, die an einer Laktose­intoleranz leiden, höher als in den westlichen Ländern. Die Produktions- und Verbrauchsmenge von Milchsubstituten ist in Asien daher traditionell höher als im Westen. Inzwischen macht sich jedoch auch in westlichen Ländern eine Kon­sumwende bemerkbar, was den Verzehr von Milch und Milchalternativen angeht. «Kamen bis vor wenigen Jahren die meisten Markteinführungen pflanzlicher Milchalternativen in Asien in die Verkaufsregale, sind es heute die USA, Brasilien, Südafrika und europäische Länder wie Großbritannien, Belgien oder Spanien, in denen die Wachstumsraten deutlich gestiegen sind und die auch in Zukunft Potenzial haben. Erhebungen verschiedener Marktforschungsinstitute ergeben, dass bis 2018 die weltweite Wachstumsrate der pflanzlichen Milchalternativen pro Jahr bei über 15 Prozent liegen wird», so der Manager.

Keine Laktose, wenig Fett.

Getränke aus Soja sind als Milchalternativen weiterhin beliebt, wenngleich sie nicht mehr der Haupttreiber für das Segmentwachstum sind. Zur Herstellung von Sojamilch werden Sojabohnen geschält, eingeweicht und mit heissem Wasser vermahlen. Sojamilch hat einen hohen Protein- und Vitamingehalt, der vergleichbar mit dem der Kuhmilch ist. Die Menge von 100 ml eines Sojadrinks liefern rund 3  Gramm Protein; Kuhmilch hat rund 3,2  Gramm. Sojamilch ist jedoch deutlich fett- und dadurch auch kalorienärmer als Kuhmilch und frei von Cholesterin und Gluten.

Vor allem Mandelmilch sorgt für das globale Wachstum im Bereich der pflanzlichen Milchalternativen. Zur Herstellung von Mandelmilch werden geröstete und dann gemahlene Mandeln mit Wasser gemischt. Mandelmilch ist fett- und zuckerarm und hat entsprechend wenige Kalorien – gerade einmal 20 pro 100 ml. Allerdings ist der Proteingehalt mit 0,5 Gramm pro 100 ml vergleichsweise niedrig. Genauso wie Sojadrinks ist auch Mandelmilch cholesterin- und glutenfrei.

Auch Kokosnussmilch hat im Segment der milchfreien Proteinquellen viel Potenzial. Die Drinks, hergestellt aus fein gemahlenem Kokosfleisch und Wasser, haben je nach Hersteller bis zu 2 Gramm Protein pro 100 ml. Diese Produkte sind ebenfalls cholesterinfrei, haben wenig Zucker und Fett und kommen bei Verbrauchern vor allem wegen ihrer cremigen Textur gut an.

Milchalternativen aus Körnern oder Samen wie Reis, Hafer, Hanf oder Quinoa erinnern optisch an Kuhmilch, haben jedoch einen geringeren Protein- und einen höheren Kohlenhydrat- und Ballaststoffgehalt. Auch Getränke aus Körnern und Samen enthalten keine Laktose und haben nur wenig Fett.

Reisdrinks sind beliebt wegen ihrer Cremigkeit. Sie haben im Bereich der pflanzlichen Milchalternativen den höchsten Zuckergehalt. Zur Herstellung der Drinks wird Reis gemahlen, mit Wasser gegart und vermaischt. Nach dem Sieben und Filtrieren versetzen Hersteller das Filtrat mit Distel- oder Sonnenblumenöl und lassen es so emulgieren und geschmacklich abrunden. Der Reis an sich ist nahezu fettfrei. Der Proteingehalt in Reisdrinks liegt bei 0,1 Gramm pro 100 ml und ist damit im Vergleich zu anderen pflanzlichen Milchalternativen gering.

Zur Herstellung von Haferdrinks, die in der Beliebtheitsskala der Verbraucher steigen, entspelzen und schroten Produzenten den Hafer, versetzen diesen mit Wasser und kochen ihn. Anschliessend muss die Flüssigkeit mehrere Stunden fermentieren, dann sieben und filtrieren Mitarbeiter das Getränk. Auch in diesem Fall emulgieren die Fachleute das Filtrat mit Sonnenblumen- oder Rapsöl, damit es eine für Milch typische weis­se Farbe bekommt. Ein Haferdrink liefert rund 1 Prozent Eiweiss pro 100 ml und gleichermassen Beta-Glukan. Dabei handelt es sich um einen Stoff, der im menschlichen Körper dazu beiträgt, den Cholesterinspiegel zu senken.

Weniger Wasser, ein Plus für die Umwelt.

Das wachsende Umweltbewusstsein der Konsumenten trägt ebenfalls zur Beliebtheit von pflanzlichen Drinks bei. Laut Herstellerinformation ist zur Produktion von einem Liter Soja-, Mandel- oder Kokosnussmilch, abgefüllt in eine Kartonpackung, rund 70 Prozent weniger Wasser als für die Herstellung der entsprechenden Menge Kuhmilch nötig.

Kartonpackungen haben sich als besonders geeignete Verpackung für pflanzenbasierte Drinks etabliert, denn sie passen zur Philosophie der meisten Lebensmittelhersteller, bei denen Natürlichkeit und der verantwortungsvolle Umgang mit Ressourcen wichtige Aspekte sind. Kartonpackungen stellen sicher, dass die Produkte optimal geschützt sind. Zudem bestehen sie zu rund 75 Prozent aus Zellstofffasern, die aus dem nachwachsenden Rohstoff Holz gewonnen werden. «Bei der Auswahl der Materialien achten wir besonders auf die Schonung von Ressourcen. Deshalb arbeiten wir nur mit Vorlieferanten, die das Holz zur Herstellung des Rohkartons nachweislich aus verantwortungsvoll bewirtschafteten Wäldern und anderen kontrollierten Quellen beziehen. Unsere Kartonpackungen haben im Vergleich zu anderen Verpackungslösungen für haltbare Getränke den nachweislich kleinsten CO2-Fussabdruck und sie sind garantiert frei von Bisphenol A. Alle Komponenten der Verpackung lassen sich nach dem Entleeren der Packung recyclen», so der Fachmann


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Pflanzliche Milchalternativen wie beispielsweise Mandeldrinks sind von Natur aus laktosefrei und fettärmer als Milch von Tieren


Reisdrinks sind nicht nur in asiatischen Ländern beliebt