Eine Publikation der Swissprofessionalmedia AG
Messtechnik: Ausgabe 04/2015, 06.04.2015

Komplettlieferanten sind Bindeglieder

Schafft es ein Komplettlieferant im Bereich der Prozessinstrumentierung und -automatisierung als Bindeglied zwischen Lebensmittelproduzenten und Anlagenbauern zu fungieren, so setzt das Synergien frei, von denen alle Beteiligten profitieren.

Autor: Tim Schrodt, Branchenmanager Lebensmittel

Für alle Anbieter von Anlagenkomponenten und Systemlösungen ist die Lebensmittelindustrie in Deutschland ein herausfordernder und facettenreicher Markt. Auf der einen Seite finden sich exportstarke Anlagen- und Maschinenbauer, die sich in jahrzehntelanger Aufbauarbeit die Position des Weltmarktführers erarbeitet haben. Auf der anderen stehen Lebensmittel- und Getränkehersteller, die sich in einem wettbewerbsintensiven Markt bei steigenden Rohstoff- und Energiepreisen behaupten müssen. Sie alle verfolgen ein Ziel: dem Verbraucher ein vielfältiges Angebot qualitativ hochwertiger Produkte zu wettbewerbsfähigen Preisen anzubieten. Als Komplettlieferant von Messtechnik- und Automatisierungslösungen für beide Kundengruppen besteht für Endress+Hauser die Herausforderung darin, dass beide Seiten bei der Prozessinstrumentierung an einem Strang ziehen. Gelingt das, profitieren alle in mehrfacher Weise.

Markterfahrung teilen.

Vertrieb und Marketing eines Komplettlieferanten müssen ihren Kunden Branchen-Know-how zur Verfügung stellen. Nur auf die Lebensmittelindustrie ausgerichtete Mitarbeiter können die Prozesse und das Geschäftsumfeld des Kunden verstehen. Bei Endress+Hauser erfolgt über firmen­interne Netzwerktreffen mehrmals im Jahr ein regelmässiger Austausch über die Anforderungen der Kunden und des Marktes und die Multiplikation von Anwendungs-Know-how. Dieses geschieht sowohl auf nationaler wie auf internationaler Ebene. Wichtige Informationen lassen sich bündeln und auswerten, damit Fachleute Produkte, Anwendungen und Kundenbetreuung optimieren können. Zudem betreuen viele Vertriebsingenieure Lebensmittelhersteller und Anlagenbauer gleichzeitig, kennen also die Herausforderungen der Industrie aus verschiedenen Blickwinkeln. Ein vertriebsunterstützendes Branchenmarketing, bestehend beispielsweise aus einem Diplom-Braumeister und einem Lebensmittelingenieur koordiniert die interne und externe Netzwerkarbeit, das Trendscouting und die Weiterbildung des Prozesstechnologie-Know-hows der Vertriebs-Teams. Ferner schafft der Messtechnikspezialist jährliche Austausch-Plattformen für Kunden, wie das Molkereisymposium oder den Energietag, welcher letztes Jahr in der Käserei DMK, Deutsches Milchkontor, in Edewecht stattgefunden hat.

Komplettlieferant – auch für Problemlösungen.

Gemeinsame Lösungen für die unterschiedlichen Herausforderungen zu finden, setzt eine offene und vertrauensvolle Kommunikation voraus. Diese wächst im Falle einer guten Kundenbetreuung erst über die Jahre und ist dann der Lohn, wenn das Unternehmen mehrmals als «Problemlöser» den Kunden von seiner Leistungskompetenz überzeugen konnte. Das kann von der Standardisierung der Messtechnik mit einem schlanken Ersatzteilkonzept reichen, geht über das Instandhaltungsmanagement bis zur Funktionsüberwachung einer Gleitringdichtung in einem Produktionsmischer mittels glasfreiem Trübungssensor. Selbst wenn die Spezialisten die Lösung nicht alleine, sondern mit Partnern realisieren konnten, steigert es die Kundenaufmerksamkeit ungemein. Erst dann fragen Kunden auch Lösungen an, die sie anfangs nicht im Leistungsspektrum des Lieferanten vermutet hätten. Die Erkenntnis, dass dieser die richtigen Partner kennt, erschliesst den Zugang zu komplexeren Projekten, deren Kern aber immer die Prozessinstrumentierung ist.

Komplettlieferant für Hygienic Design.

Zur hygienischen Gestaltung von Anlagen muss der Endkunde oder Anlagenbauer auf ein komplett hygienisch zertifiziertes Produktportfolio zurückgreifen können, das alle wichtigen Prozessparameter wie Durchfluss, Druck, Füll-/Grenzstand, Temperatur und Leitfähigkeit abdeckt. Je nach Applikationsanforderungen existieren dabei unterschiedliche Genauigkeits- oder Prozessanforderungen. Einmal braucht ein Kunde eine hochgenaue Druckmessung, ein anderes Mal einen einfachen Druckschalter. Für eine Unterdruckanwendung kommt eine ölfreie Keramikdruckmesszelle zum Einsatz, in Anlagen mit hohen Vibrationen ein Druckmittlersystem. Daher bietet der Messtechnikspezialist als Komplettanbieter eine durchgängige Produktpalette mit über dreissig EHEDG-zertifizierten Geräten an. Diese sind für die wichtigsten marktüblichen und eigenen Prozessanschlüsse validiert. Mithilfe einer nach Leistungsmerkmalen differenzierten Geräteauswahl lassen sich auch Standardisierungskonzepte realisieren, die eine schlanke Ersatzteilbevorratung gestatten und auch den Bereich der Hilfskreisläufe mit erfassen. Die Fachleute von Endress+Hauser fungieren in zahlreichen Neubau- und Modernisierungsprojekten als Bindeglied in Sachen Hygienic Design zwischen Anlagenbau und Endkunde, indem sie mit allen Projektbeteiligten sinnvolle Standard-Gerätetypen definieren.

Neben dem Hygienic Design ergänzt ein Dienstleistungsportfolio zur Kalibrierung von CIP-Anlagen das Produktportfolio. Damit kann der Lebensmittel- oder Getränkehersteller sicherstellen, dass die relevanten Prozessparameter wie Durchflussgeschwindigkeit, Temperatur und Konzentration der Reinigungsmedien immer innerhalb des validierten Bereichs liegen.

Die Prozesse der Kunden begleiten.

Messtechnik und Automatisierungslösungen benötigt der Lebensmittelhersteller vom Rohwareneingang über den hygienischen Prozessbereich bis hin zur Abwasserbehandlung. Auch aus den Hilfskreisläufen wie CIP-Prozess und Dampferzeugung benötigt er verlässliche Prozessdaten. Neben den unterschiedlichen Messprinzipien müssen die Geräte unterschiedliche Anforderungen abdecken wie Kondensatfestigkeit oder Hygienic Design. In vielen Projekten liefern mehrere Anlagen- und Maschinenbauer Anlagenteile. Ist die Prozessinstrumentierung aus einer Hand, erleichtert das wesentlich die Umsetzung des Automatisierungs- und Wartungskonzepts, die zukünftige Ersatzteilbevorratung und die Messstellendokumentation. Letztere gewinnt im Rahmen von Audits immer grös­sere Bedeutung, die intern, der Kunde selber oder unabhängige Stellen durchführen können. Beispielsweise sind in der Mälzerei und der Ölmühle Cargill am Standort Salzgitter über 1200 Messstellen mit dem W@M-Portals dokumentiert. Mithilfe die­ser webbasierten Datenbank stehen alle Informationen auf Knopfdruck zur Verfügung.

Der Anlagen- und Maschinenbau hingegen benötigt globalen Support für seine Dienstleistungen wie die Inbetriebnahme. Aber auch schon in der Planungsphase von Projekten unterstützt ihn die kostenlose Applicator-Software bei der Messstellenauslegung. Lösungen im E-Business beschleunigen den Beschaffungsvorgang und reduzieren die dabei entstehenden Kosten. Durch Verknüpfung der SAP-Systeme bestellt Krones, der Maschinen- und Anlagenspezialist der Getränkeindustrie, über 1700 verschiedene Produkte elektronisch beim Messtechnikprofi. Neben der Zeit- und Kostenersparnis liegt der zweite grosse Vorteil in der Fehlerreduktion bei Bestellvorgängen. Weitere praktische Optionen bietet der Online-Shop. Hieraus können Kunden Angebots- und Auftragsdaten exportieren und in bestehende Beschaffungssysteme importieren. Alle Produkte, Dienstleistungen, Verbrauchsmaterialien und Ersatzteile können Unternehmen gemäss den vereinbarten Konditionen rund um die Uhr bestellen. Zusätzlich können Benutzer auf detaillierte Informationen, wie Produktstatus, Lieferzeiten, Zertifikate und mehr zugreifen.

Schafft es ein Komplettlieferant im Bereich der Prozessinstrumentierung und –automatisierung als Bindeglied zwischen Getränkeproduzenten und Anlagenbauern zu fungieren, so lassen sich zahlreiche Synergien freisetzen. Angefangen von der Messstellenauslegung über die Beschaffung und Inbetriebnahme bis hin zu Betrieb und Wartung lassen sich Kosten- und Zeiteinsparungen realisieren. Ganzheitliche Konzepte zur Gerätestandardisierung und für das Hygienic Design senken die Betriebskosten für Ersatzteilbevorratung und Reinigung der Anlage. Voraussetzung ist jedoch, dass der Spezialist sich das Vertrauen der jeweiligen Kundengruppe durch eine konsequente Betreuung im Vorfeld erarbeitet hat.


Weitere Informationen:
Endress+Hauser Metso AG
www.ch.endress.com



(Bild: E+H)


Massgeschneiderte CIP-Anlage für Mars in Viersen: Mit Partnern realisierten die Spezialisten eine Turn-Key-Lösung (Bild: Gebr. Rieger)