Eine Publikation der Swissprofessionalmedia AG
Materialfluss und Logistik: Ausgabe 05/2015, 11.05.2015

Optimale Platznutzung bringt doppelte Kapazität

Die Intralogistik spielt bei der Lagerung und Verteilung von Waren eine grosse Rolle. In ihr steckt ein grosses Potenzial zur Energie­einsparung und zur Erhöhung von Kapazität. Wie eine gelungene Intralogistik klappt, zeigt ein Beispiel bei Migros-Verteilerzentren.

Autor: Marina Magoley, Kommunikation

Produkte aus dem Bereich Near/Non-Food stehen bei einer Shopping-Tour nicht gerade hoch im Kurs. Dennoch begleiten sie uns durch den ganzen Tag. Und wenn der Vorrat zu Hause mal zu Ende geht, finden wir den Nachschub in einem gut gefüllten Regal im Supermarkt unseres Vertrauens.

Damit die Regale der Supermärkte aber immer gut gefüllt sind, bedarf es eines ausgeklügelten Logistiksystems, das den Weg bereits ab der Produktionsstätte bestimmt. Die Migros ist einer der grössten Detailhändler der Schweiz. Mit den Verteilzentren in Neuendorf und Suhr stellt sie die tägliche Belieferung aller 900 Migros-Verkaufsstellen sicher. Das Wachstum der Schweiz hat direkten Einfluss auf den Detailhandel. Ein Lebensmittelkonzern wie die Migros-Gruppe ist dadurch stetig gefordert, den Detailhandel auf die Bedürfnisse der Einwohner der Schweiz anzupassen. Verantwortliche der Migros-Verteilerbetriebe Neuendorf (MVN) haben deshalb das bestehende manuelle Non-Food-Lager neu konzipiert und als automatisches Lager mit einer Kapazitätserweiterung umgebaut. Der Bereich Near/Non-Food-Logistik verzeichnet täglich Palettenbewegungen von rund 5330 im Wareneingang und circa 6220 im Warenausgang.

Energieeffizienz als wichtiger Zusatzfaktor.

Die Vorplanung begann bereits im August 2010. Dabei haben die Fachleute nicht nur die Kapazitätserweiterung berücksichtigt, sondern auch die Anbindung zwischen dem alten und dem neuen Lagersystem sowie die Energieeffizienz. Nach einer intensiven Planungsphase konnte sich Jungheinrich als Gesamt­anbieter für Intralogistik mit seinem Lager­konzept durchsetzen. Im Bereich der automatischen Lagertechnik kann der Intralogistigspezialist auf eine lange und erfolgreiche Geschichte zurückblicken. Geschwindigkeit und Zuverlässigkeit der Regalbediengeräte beeinflussen die Gesamtleistung und Anlagenverfügbarkeit massgebend. So bietet der Fachbetrieb für jede Anforderung die passende Lösung.

Anfang 2013 startete der Umbau. Innerhalb von 16 Wochen wurden insgesamt 3500 t Stahl in Form der alten Regalanlage und Stahlbühne abgebaut und das Lager für den Neuaufbau vorbereitet. Mit einem modernen Regalsystem, mit einer doppeltiefen Lagerung für Paletten, liess sich die bisherige Anzahl an Regalbediengeräten um 1/3 reduzieren. Hans Kuhn, Geschäftsleiter MVN: «Mit diesem Regalsystem und der doppeltiefen Lagerung verdoppeln wir die Lagerkapazität auf 20 300 Palettenplätze und reduzieren zudem die Anzahl der Regalbediengeräte in einem beachtlichen Umfang. Damit vermindern wir nicht nur die Anschaffungskosten der Geräte, sondern auch die zukünftigen Unterhaltskosten für Wartung und Service.»

Nur so viel Energie wie nötig.

Die im Lager installierten 9 vollautomatischen Regalbediengeräte sind mit Energiesparfunktionen ausgestattet, die sich mit dem Warenfluss bewegen. Ein Materialflussrechner nimmt die Daten des Warenflusses auf und passt die Geschwindigkeit der Regalbediengeräte an.

Kontrolliertes Anfahrverhalten.

Bei den Regalbediengeräten wird das gleichzeitige Anfahren der Fahr- und Hub-Achsen vermieden. Durch das versetzte Anfahren der beiden Antriebsachsen lässt sich die Anlaufstromspitze bis zu 50 Prozent reduzieren, das Versorgungsnetz ist dadurch mit geringeren Stromspitzen belastet. Zusätzlich können die Fachleute die Belastung der Stromschienen an den Übergabepositionen zur Fördertechnik reduzieren. Mit einer merkbaren Reduktion der Spielleistung ist nicht zu rechnen.

Gesteuerte Beschleunigung und Geschwindigkeit.

Die Steuerungsstruktur der Regalbediengeräte verfügt über die Möglichkeit, die maximale Beschleunigung und Geschwindigkeit in einem Bereich von 50 bis 100 Prozent vorzugeben. Die Vorgabe dieser Werte erfolgt über die Kommunikation mit dem übergeordneten (Leit-)System für jeden Transportauftrag einzeln. Ein weiterer Vorteil ist der geringere Verschleiss, dem die Regalbediengeräte bei temporärer Reduktion von Beschleunigung und Geschwindigkeit unterworfen sind.

Time is money.

Nach diesem Vorsatz haben die Spezialisten die bereits um 2 Monate verkürzte Umsetzungsphase noch einmal um weitere 3 Wochen früher abgeschlossen. Damit dies aber gelingen konnte, war eine enge Zusammenarbeit zwischen den Migros-Verteilerbetrieben und den Intralogistikspezialisten erforderlich. Marc Fritschi, Projektleiter bei Jungheinrich Schweiz: «Wir haben den Umbau im laufenden Betrieb vorgenommen. Im direkten Umfeld herrschte reges Treiben mit Ein- und Auslagern der Waren, und das Potenzial von gegenseitiger Behinderung war relativ gross. Durch den Projektleiter bei MVN, Hans Jörg Röthlisberger, erhielten wir die benötigte Unterstützung, um den Umbau speditiv umzusetzen. Die Baustelle war perfekt abgegrenzt.»


Weitere Informationen:
Jungheinrich AG
www.jungheinrich.ch




Die durchdachte Intralogistik ist das Herzstück des neuen Near/Nonfood-Lagers. Die verschiedenen Systeme sind exakt auf die Bedürfnisse angepasst und halten, was sie versprechen