Eine Publikation der Swissprofessionalmedia AG
Verpacken: Ausgabe 05/2015, 11.05.2015

Moderner Snack – herausfordernde Schale

Die Verpackung ist für viele Konsumenten ein lästiges Übel, das jedoch für die Lebensmittelsicherheit und Haltbarkeit unerlässlich ist. Eine originelle Schweizer Snack-Idee und Verpackungs-Know-how aus Deutschland führten zu einem erfolgreichen Projekt.

Autor: Claudia Diedrichsen, Journalistin

Ganz gleich, auf welcher Messe oder Zusammenkunft der Lebensmittelindustrie – Snacking heisst der ungebrochene Trend, der die Branche bewegt. Zahlreiche Studien belegen es: Immer mehr Single-Haushalte, vor allem in den Städten, lassen die Nachfrage nach kleineren Portionsverpackungen steigen. Dies geht einher mit wachsendem Gesundheitsbewusstsein der Konsumenten: Die Menschen achten zunehmend darauf, was sie zu sich nehmen und ziehen Produkte mit weniger Kalorien vor. Auch traditionelle Essgewohnheiten verändern sich: Statt der drei Hauptmahlzeiten zur festgelegten Zeit treten bei mobilen Berufstätigen im schnelllebigen und hektischen Alltag mehrere kleine Mahlzeiten an deren Stelle – bei der Arbeit, unterwegs, zum Beispiel auf der Autofahrt, und zwischendurch. Gleichzeitig ist Bequemlichkeit gefragt: Snacks müssen praktisch und schnell verfügbar sein – am besten in einer Verpackung, die sich leicht und ohne Hilfsmittel öffnen lässt.

Snack-Idee und Verpackung vereinen aktuelle Trends.

Auf diese Verbraucherwünsche stellen sich die grossen Lebensmittelproduzenten ein, darunter MICARNA, Teil der M-Industrie-Gruppe, die mit ihren 18 Unternehmen in der Schweiz und 5 im Ausland zur Schweizer Migros-Gruppe gehört.

Nach einer eigenen Marktstudie entwickelten Experten im Hause Micar­na zusammen mit dem Migros Genossenschaftsbund (MGB) eine neue Produktidee, die den aktuellen Snacking-Trend aufgreift: herzhafte, hauchdünne Trocken­fleisch-Chips in 5 Geschmacksrichtungen, die sich optimal für eine kleine Zwischenmahlzeit eignen. Das hochwertige, magere und eiweissreiche Fleisch in den Varianten Rind, Geflügel oder Schwein verarbeiten die Fachleute nach traditionellen Rezepten, mild gesalzen, natürlich gewürzt und luftgetrocknet oder geräuchert. Es hat, je nach Sorte, einen Fettanteil von 1,5 bis 3,5 Prozent und hält sich fast unbegrenzt ohne Kühlung. Für den innovativen Snack war eine moderne Verpackung gefragt, die aktuelle Verbraucherwünsche erfüllt, beispielsweise im Hinblick auf Portionsgrösse und Convenience-Grad. «Auch optisch haben wir uns ein echtes Highlight gewünscht, das sich im Lebensmitteleinzelhandel deutlich abhebt, denn das Auge isst mit», unterstreicht Pierre-André Imhof, Leiter des Geschäftsbereichs Charcuterie und Mitglied der Geschäftsleitung.

Für die Umsetzung dieses Projekts zog der Schweizer Lebensmittelproduzent den deutschen Verpackungsspezialisten SEALPAC hinzu. Das Unternehmen hat sich neben seiner Kompetenz als Maschinenbauer von modernen Traysealern und Thermoformern ebenfalls einen guten Namen in der Entwicklung moderner Verpackungssysteme gemacht.

Grenzen des Machbaren ausge­lotet.

Mit dem Ergebnis sind die Projektpartner sehr zufrieden: Die originelle Snack-Idee kam 2013 auf den Markt. Die taillierte schwarze APET-Verpackungsschale besitzt zwei getrennte Kammern für jeweils eine Portion und enthält insgesamt die ideale Snack-Menge von ungefähr 62 g. Die beiden Kammern sind einzeln unter modifizierter Atmosphäre versiegelt und lassen sich durch eine Perforation leicht trennen. In der Mitte befindet sich ein Extrafach, das sich für eine Gabel oder einen Zahnstocher nutzen lässt. Die Schale ist mit einer transparenten, attraktiv bedruckten Oberfolie verschlossen, die unter Anwendung des von Verpackungsspezialisten entwickelten EasyPeelPoint-Systems leicht zu öffnen ist. Die Ecke der Oberfolie wird in eine Mulde im Schalenrand gedrückt. Sie löst sich dabei vom Siegelrand, lässt sich gut greifen und somit mühelos und unversehrt von der Verpackung abziehen. Migros-Märkte bieten die Trockenfleisch-Chips in der aufmerksamkeitsstarken Verpackung in hängender Präsentation an.

Die aus Marketing-Sicht optimale Verpackungslösung für die Fleisch-Snacks mussten die Experten mit den Anforderungen des Produktionsprozesses in Einklang bringen: «Es reicht nicht, wenn eine Verpackung attraktiv aussieht. Sie muss auch gut abstapelbar, transportierbar, siegelbar und etikettierbar sein. Hier gilt es, einen gesunden Kompromiss zu finden», so Dirk Voss, Leiter Bereich Produktion Charcuterie West bei Micarna. Das stellte alle Beteiligten vor grosse Herausforderungen: Denn die aussergewöhnliche, konische Schalengeometrie, die den auffälligen Look der Verpackung bestimmt, stellt hohe Ansprüche an den Produktionsprozess. Voss erläutert: «Das beginnt bereits beim Material. Wir haben den Anspruch, mit möglichst wenig Materialeinsatz mehr Nachhaltigkeit zu beweisen. Doch wenn die Schale zu dünn ist, zieht sich die Verpackung beim Siegelprozess zusammen. Hier haben wir in vielen Maschinentests gemeinsam mit Schalenanbieter Bachmann die Grenzen ausgelotet und sind mit vergleichsweise geringem Materialeinsatz zu einem stabilen Tray gelangt.» Remo Weder, Geschäftsführer Sealpac Schweiz, ergänzt: «Dies geschieht mit einem kleinen ‹Trick›: Ein u-förmiger Rand verleiht den Schalen trotz des minimierten Materialeinsatzes die nötige Stabilität. Insgesamt ist die sehr leichte Schale mit ihrer Taillierung eine echte Herausforderung für uns als Anbieter der Technik. Das fängt bei der Abstapelung an, geht mit der Maschinengängigkeit weiter und zieht sich durch den gesamten Produktionsprozess.»

Rund zwei Jahre nach ersten Ideen, ging die neue Linie 2013 an den Start. Sie besteht aus einem vollautomatischen Entstapelungsautomaten, einer Bilwinco Mehrkopf-Waage, die exakt die kleinen Mengen von nur rund 62 g pro Zweikammer-Schale portioniert. Ein Traysealer mit Servo-Antrieb und Deckelaufleger versiegelt die Schalen zuverlässig. Auch hier ist Präzision gefragt: Denn durch die taillierte Form der Trays steht prozentual weniger Fläche zum Versiegeln zur Verfügung. Für eine makellose Verpackungsoptik sorgt der vom Verpackungsspezialisten entwickelte, saubere InsideCut-Konturenschnitt, bei dem die Oberfolie innerhalb des Schalenrandes geschnitten wird. So ragt kein Material über den Rand und jede einzelne Ver­packung zeichnet sich durch eine makel­lose Optik aus.

Walking Beam auf ganzer Linie.

Eine besondere Herausforderung bei der Konzeption der Linie bestand darin, die leichten, länglichen Verpackungen sicher durch die Anlage zu führen, dabei eine präzise Befüllung der konisch geformten Schalen sicherzustellen und dennoch die gewünschte Takt-Leistung zu erzielen. Dies haben die Experten durch den Einsatz des Walking-Beam-Transportsystems gelöst. Anstatt eines Förderbandes transportiert dabei ein mitlaufender Linearförderer die Schalen. Auf diese Weise lässt sich eine gleichmässig hohe Geschwindigkeit und ein präzises Abstoppen an der gewünschten Position für die einzelnen Prozessschritte realisieren. Trotz des geringen Schalengewichts ist dabei ein kippsicheres Abbremsen gewährleistet. Nach dem Walking-Beam-Prinzip werden die Verpackungen durch die gesamte Linie bis zur Etikettierung durch einen Pago Spezialetikettierer schliesslich zum Auslaufband transportiert.

Erfolgsprojekt durch Auszeichnung bestätigt.

Die Projektpartner ziehen ein positives Fazit. Remo Weder meint im Rückblick: «Es war ein spannendes Projekt, da wir von Beginn an einbezogen waren und Micarna mit einer unserer Kernkompetenzen, der Verpackungsentwicklung, zur Seite stehen konnten. Dabei waren wir immer wieder gefordert, unter anderem, weil Fachleute die Anforderungen im Laufe der Arbeit nach den unterschiedlichen Tests mehrmals anpassen mussten. Ich bin sicher, für alle Beteiligten war es eine fruchtbare Zusammenarbeit.


Weitere Informationen:
SEALPAC Schweiz GmbH
www.sealpac.ch





Der Traysealer ist mit einem Servo-Antrieb ausgestattet und versiegelt die Schalen zuverlässig im vorgegebenen, schnellen Produktionsrhythmus