Eine Publikation der Swissprofessionalmedia AG
Materialfluss und Logistik: Ausgabe 05/2015, 11.05.2015

Stetig frische Ware – im Kühlschrank

Frisches Fleisch stellt hohe Anforderungen an die gesamte Wertschöpfungskette. Die richtige Lagertechnik unterstützt Betreiber von fleischverarbeitenden Betrieben und von Verteilzentren dabei, dass die Ware immer frisch an die Ladentheke gelangt.

Autor: Silvia Feder, Gesamtleitung Marketing

Laut des Fleischatlas 2013 verzehrt ein deutscher Konsument im Laufe seines Lebens durchschnittlich 1097 Tiere. Demnach essen 85 Prozent der Deutschen täglich oder nahezu täglich Fleisch und Aufschnitt. Insgesamt sind das rund 60 Kilogramm pro Jahr und Kopf. Der Metzger, der im Hinterraum seines Ladens fachgerecht Rinder und Schweine zerlegt und vorn das frische Fleisch und die Wurst an seine Kunden verkauft, ist in den Industrieländern selten geworden. Heute werden diese verderblichen Lebensmittel bei vier bis null Grad Celsius gekühlt und vom Grosshändler oder gleich vom Schlachthof in die Supermärkte geliefert. Dort legen die Verkäufer das Fleisch nur noch hinter die Scheiben des Verkaufstresens oder die Kunden holen sich die verpackte Ware direkt aus dem Kühlregal. Bis dahin darf die Kühlkette nicht unterbrochen werden, denn selbst bei kühler Lagerung von zwei bis sieben Grad verdirbt das Fleisch innerhalb weniger Tage.

Energiekosten senken.

Durch den steigenden Fleischverbrauch in Deutschland benötigen immer mehr Lebensmittelproduzenten und Logistik-Dienstleister Kühl- und Tiefkühllager. Doch diese können zu enormen Energiefressern werden, wenn Betreiber sie nicht sorgfältig planen und bewirtschaften. Eine Herausforderung liegt beispielsweise beim Ein- und Auslagern der gefrorenen Produkte – vor allem bei manuell bedienten Lagern. Wichtigstes Ziel der Verlader und Dienstleister ist immer der geringste Energieeinsatz, ohne die Kühlkette zu unterbrechen. Denn der Energiekostenanteil der Lagerbetriebskosten beträgt rund 25 Prozent. Die Bito-Lagertechnik bietet Lösungen, mit denen Unternehmen diese Kosten deutlich reduzieren können – zum Beispiel mit kompakten Regalanlagen. Denn je platzsparender die Lagerung erfolgt, desto weniger Raum muss auch gekühlt werden. Mit seinen verfahrbaren Palettenregalen hat der Spezialist für Lager- und Betriebseinrichtungen Lösungen im Programm, die sich optimal für den Einsatz im Tiefkühllager eignen. Durch den Wegfall mehrerer Staplergänge lässt sich die vorhandene Lagerfläche optimal nutzen. So ist eine Steigerung der Lagerkapazität um bis zu 200 Prozent realisierbar oder die Reduzierung der Lagerfläche um 50 Prozent. Das Verfahren erlaubt jederzeit den Zugriff auf alle Paletten.

Mindesthaltbarkeitsdatum beachten.

Alle Fleischsorten sollten in rohem Zustand neutral bis leicht säuerlich riechen. Wenn Fleisch verdirbt, zersetzt sich das Fleischeiweiss und es kommt sehr rasch zu einem unangenehm muffligen bis faulen Geruch. Frisches Rindfleisch ist an einer dunkelroten Färbung zu erkennen, Lammfleisch ist hellrot bis rot mit leichter Fettmarmorierung, Schweinefleisch ist im Idealfall rosa bis hell glänzend. Auf Fertigpackungen zeigt das Mindesthaltbarkeitsdatum (MHD) an, bis zu welchem Termin Lebensmittel bei sachgerechter Aufbewahrung auf jeden Fall ohne wesentliche Geschmacks- und Qualitätseinbussen sowie gesundheitliche Risiken zu konsumieren sind. Die Grösse dieses Zeitfensters hängt in erster Linie vom logistischen Handling der Waren entlang der Wertschöpfungskette ab. Um in den Distributionszentren Haltbarkeitsdaten zu überwachen, Chargen oder Produktionsserien zusammenzustellen, sollten Mitarbeiter die zuerst eingelagerte Ware auch zuerst entnehmen. Unterstützen lässt sich das mit einer kontrollierten und verfolgbaren Ein- und Auslagerung nach dem FiFo-Prinzip.

FiFo-Prinzip optimal umsetzen.

Um dieses Prinzip einfach umsetzen zu können, hat der Spezialist unter dem Namen PROflow Durchlauf für Palettenregale im Programm. Nach dem Baukastenprinzip lässt sich dieses auf individuelle Anforderungen im Lager einfach anpassen. Der Zusatz flow lässt sich mit «fliessen», «im Fluss sein» und «Durchlauf» assoziieren. Bei jedem Regalblock befüllen Fachkräfte die einzelnen Kanäle auf der Beschickungsseite mit den entsprechenden Paletten. Die Entnahme erfolgt auf der gegenüberliegenden Seite. So kann das Personal die Ware, die es zuerst eingelagert habt, auch zuerst wieder entnehmen. Jede Palette läuft selbstständig nach. Eine permanente Bereitstellung ist durch ausreichende Reserve garantiert. Damit hat der Betreiber bei Bedarf immer Ware als Nachschub zur Verfügung und kann direkt darauf zugreifen. Durch die Übersichtlichkeit des Systems werden zudem Prozesszeiten kürzer und voraussagbar.

Das Durchlaufregal hat bei gleicher Fläche mehr Palettenplätze zur Verfügung als ein herkömmliches Palettenregal. In Tiefkühllagern können die Mitarbeitet somit kompakter lagern. Der Anwender spart damit besonders in Kühllägern erheblich Energie ein.

Nachlaufsperre vermeidet Staudruck.

Zu den innovativen Features dieses Regalsystems gehört die Nachlaufsperre FlowStop. Auf der Entnahmeseite angebracht, trennt diese die zweite Palette von der ersten. Flurförderzeuge können die Paletten mühelos und staudruckfrei aus dem Regal auslagern, ohne die Sperre zu beschädigen. Dabei kann der Stapler die Palette komplett aufnehmen, ohne nachgreifen zu müssen. Dies erleichtert das Handling im Lager und mindert die Gefahr, dass beispielsweise Obst- oder Gemüsekisten kippen.

Weil besonders in der Lebensmittel- und Frischebranche Sauberkeit im Unternehmen und somit auch im Lagerbereich eine grosse Rolle spielt, müssen die Betreiber oft sehr strenge hygienische Bestimmungen einhalten. Der Lagerprofi hat deshalb zum Beispiel das Paletten-Durchlaufregal mit hochklappbaren Rollenbahnen ausgestattet. Dadurch können die Mitarbeiter im Lager den Boden einfach und schnell reinigen. Denn selbst bei sorgfältigem und schonendem Umgang mit der gelagerten Ware kann ein Stapler bei der Ein- und Auslagerung versehentlich Packungen aufreissen und mit dem Inhalt den Boden unterhalb der Regalanlage verschmutzen. Die Rollenbahnen stellen somit die geforderte absolute Sauberkeit sicher. Die Rollenbahnsegmente liefert das Unternehmen mit durchgehenden Stahlrollen. Das sorgt nicht nur für einen leiseren Betrieb im Vergleich zu Rollen aus Kunststoff. Sie lassen sich zudem besser reinigen.

Frische Produkte zu jeder Zeit.

Ein Unternehmen, das auf die Lagerlösung des Spezialisten setzt, ist Volg Konsumwaren. Es beliefert rund 550 eigene Dorfläden, 290 freie Detaillisten sowie über 70 Tankstellen-Shops in der Schweiz. In den Dorfläden stehen je nach Ladengrös­se zwischen 2500 bis 5000 Waren – neben Früchten, Gemüse, Brot, Milch- und Molkereiprodukten gehört auch Fleisch aus naturnahen Betrieben zum Sortiment. Volg beliefert seine Kunden an sieben Tagen pro Woche. Wöchentlich verteilt liefert der Händler 750 Rollcontainer auf 22 Lkw-Ladungen aus. Damit die Konsumenten frische Produkte in bester Qualität zu jeder Zeit geliefert bekommen, muss der Lebensmittelproduzent und -händler stets kurze Durchlaufzeiten erreichen, auf saisonale Leistungsspitzen reagieren sowie eine hohe Lieferzuverlässigkeit erreichen.

Das Frischezentrum von Volg ist in verschiedene Kältezonen unterteilt. Die dort installierten Bito-Regale kommen entweder als Lager-, Puffer- oder Kommissionierregale zum Einsatz. Die Palettenregale für Früchte, Gemüse und Blumen dienen ausschliesslich zur Vorratslagerung. In den zwei Frischebereichen für Fleisch und Fisch sowie Eier- und Backwaren nutzt der Händler die Regale nicht nur als Lager- oder Puffer-, sondern auch als Kommissionierregale. Beide Zonen sind mit Steckregalen ausgestattet, die in je zehn Felder aufgeteilt sind, sowie mit einfachtiefen Paletten­regalen mit fünf oder sechs Feldern und mit doppeltiefen Regalen mit je drei Feldern. Um einzelne Artikel zu kommissionieren, sind die doppeltiefen Palettenregale mit Rollenbahnsegmenten mit durchgehenden Stahlrollen ausgerüstet. Diese lassen sich nicht nur besser reinigen als Kunststoffrollen, sie laufen auch leichter und verursachen weniger Lärm im Lager.

Einzelne Kartons stellt Volg in den Kommissionierregalen nach dem FiFo-Prinzip bereit. Um ganze Verpackungseinheiten zu kommissionieren, sind Paletten auf den Bodenplätzen gelagert. Die unterschiedlichen Frischeartikel sind entsprechend ihrer Umschlaghäufig­keit in Paletteneinschubregalen oder in Kombinationen aus Paletten- und Stückgutdurchlaufregalen deponiert. Stückgutware und palettierte Produkte sind in statischen Palettenregalen untergebracht. Benötigt der Mitarbeiter nur einzelne Artikel, um einen Auftrag zusammenzustellen, entnimmt er diese aus den Kartons in den Stückgutdurchlaufkanälen. Ganze Verpackungs­einheiten kommissioniert er direkt von der Palette. Weitere Palettenregale dienen als Pufferregale.

Bito hat diese Lagerlösung so konzipiert, dass die Produkte nie mehr als zwei Tage in den Regalen stehen. Somit ist sichergestellt, dass ausschliesslich frische Ware die verschiedenen Verkaufsstellen erreicht.


Weitere Informationen:
BITO-Lagertechnik, https://ch.bito.com



In Lebensmittellagern herrschen unterschiedliche Temperaturzonen


Einfachtiefe Palettenregale können als Nachschublager für Frischprodukte dienen