Eine Publikation der Swissprofessionalmedia AG
Kälte- und Lufttechnik: Ausgabe 06/2015, 15.06.2015

Eine optimale Kühlung ist die halbe Miete

Die Umnutzung des Tiefkühllagers bei Emmi erforderte ein neues Kühlkonzept für die Joghurtproduktion. Ein modernes Hochregallager, ein Kühltunnel und eine Schwebebahn sind das Resultat einer sorgfältigen und auf Nachhaltigkeit fokussierten Planung.

Autor: Redaktion

Bilder: Emmi

Joghurt ist mit seinen nahezu unzähligen Varianten fester Bestandteil einer gesunden Ernährung. Die Schweizer Milchverarbeiterin Emmi gehört nicht nur im Joghurtbereich zu den Marktführern. Das wachsende Sortiment und die Produktevielfalt haben bei Emmi dazu geführt, dass der Standort in Ostermundigen im letzten Jahr eine neue Kühlung und Lagerungsstruktur bekam. «Wir haben unsere Kompetenzen gebündelt und das Tiefkühlsortiment an andere Standorte ausgelagert. Da wir uns in Ostermundigen auf die Produktion von Joghurt und Caffè Latte konzentrieren, haben wir das bestehende Tiefkühl-Hochregallager in ein Plustemperatur-Lager für unsere Frischprodukte umfunktioniert, das vor allem bei unseren Joghurts für exakte und zeitgenaue Abkühlung sorgt», erklärt Hanspeter Riesen, Projektleiter bei Emmi. Für den temperaturgeführten Transport vom Kühltunnel zum neuen Plus-Lager sorgt eine Förderstrecke mit Schwebebahn. Für die Planung der Kälteanlage und des Kühltunnels haben die Verantwortlichen bei Emmi die Experten von SSP Kälteplaner ins Boot geholt. Die jahrelange Erfahrung und die erfolgreiche Marktpräsenz des Planungsunternehmens waren ausschlaggebend für diese Entscheidung. Schliesslich mussten die Umnutzung des Kältelagers sowie der Neubau des Kühltunnels bei laufendem Betrieb stattfinden. Da es sich nicht um einen Neubau auf der grünen Wiese handelte, mussten die Profis die Platzverhältnisse des Standortes berücksichtigen. Das Ergebnis ist ein durchgängiges, auf Nachhaltigkeit gebautes Kühlsystem, das den gewünschten Anforderungen entspricht.

Gerührt oder stichfest?

Obwohl die Joghurtherstellung in vielen Prozessen gleich ist, gibt es dennoch Unterschiede zwischen stichfestem oder gerührtem Joghurt. Abgesehen von der Fruchtzugabe bei gerührtem Joghurt spielt auch die Unterbrechung der Säuerungsaktivitäten, die dem Produkt seinen typischen Geschmack verleiht, eine grosse Rolle. Während stichfester Joghurt möglichst rasch auf rund 5 °C gekühlt werden soll, hat es der gerührte Joghurt nicht ganz so eilig. Da sich jedoch beide Joghurtsorten zur selben Zeit den gleichen Kühltunnel teilen, musste das Unternehmen eine Lösung finden, wie sich ein gemeinsamer Nenner finden lässt.

Exakte Kälte.

Planungsprofis haben sich dazu Gedanken gemacht und ein Konzept entwickelt, das für beide Joghurtvarianten geeignet ist. «Für die Abkühlung des Joghurts haben wir einen 30 m langen Kühltunnel geplant, in dem der bereits abgefüllte und palettierte Joghurt auf die gewünschte Temperatur herunter kühlt», sagt Beat Schmutz, Geschäftsleiter von SSP Kälteplaner. Für die exakte Kühlung haben die Experten den Kühltunnel in vier Temperaturbereiche eingeteilt, die sich über eine zentrale Steuerung einzeln einstellen lassen. Zudem planten die Profis drehzahlgeregelte Lüfter ein, damit der Joghurt optimal von allen Seiten kalte Luft zugeführt bekommt. «Für die exakte Kühlung ist es wichtig, dass die Kälte nicht einseitig auf das Produkt trifft, sondern gleichmässig von allen Seiten. Die drehzahlgeregelten Lüfter und einzeln einstellbaren Sektionen sind dazu optimal geeignet», so der Planungsspezialist. Nach einer detaillierten Evaluation haben die Verantwortlichen bei Emmi den Auftrag an eine französische Spezialfirma vergeben, die über zahlreiche Referenzen verfügte.

Gekühlte Förderstrecke.

Damit der auf circa 5 °C abgekühlte Joghurt sicher im Kühllager ankommt, hat ein Logistikplaner zudem eine Förderstrecke mit einer Schwebebahn konzipiert. Ein Aufzug bringt die Paletten am Ende des Kühltunnels zu den Schwebebahnen, die dann für den sicheren und weitgehend erschütterungsfreien Transport zum gekühlten Hochregallager sorgen. «Eine durchgehende Kühlkette ist für die Frischprodukte besonders wichtig. Daher befinden sich die Paletten ständig in temperaturgeführter Umgebung. Der Transport vom Kühltunnel zum Aufzug, zur Schwebebahn und letztlich zum Kühllager findet unter kon- trollierten Bedingungen statt. Damit ist die Kühlkette zu keiner Zeit auch nur für eine Sekunde unterbrochen», so Beat Schmutz.

Chaotisch gekühlt.

Das zum Plus-Lager umgenutzte Tiefkühllager ist mit moderner Lagertechnik ausgestattet. In zwei Gassen lagern vier Regalbediengeräte chaotisch nach dem ‹FEFO›-Prinzip (first expiry first out) alle Frischprodukte ein. «Wir haben einen sehr hohen Warenumsatz. Was wir heute einlagern, bleibt höchstens eine Woche im Hochregallager. Dieser hohe Warenumschlag stellt natürlich auch hohe Anforderungen an die Technik», sagt Riesen. Um in dem 28 m hohen Lager eine hohe Effizienz der Kälteerzeugung zu erreichen, haben die Kälteplaner Motoren mit Frequenzumrichter für die Kälteerzeugung eingebaut.

Nachhaltige Kühlung.

Obwohl das ehemalige Tiefkühllager bereits über eine Ammoniakkühlung verfügte, war es den Verantwortlichen wichtig, natürliche Kältemittel zu nutzen. «Wir hatten für den alten Kühltunnel zum Teil noch R22 als Kältemittel im Einsatz, das wir jetzt aber mit einer Glykolkühlung ablösen konnten. Die jetzige Lösung entspricht unserem Nachhaltigkeitsgedanken und ist zudem flexibel und Energieeffizient», so Riesen. Die Glykolkühlung haben die Planer so gestaltet, dass sie zu den bestehenden Räumen bei Bedarf noch weitere hinzu nehmen können, ohne dass das System an seine Grenzen stösst. Damit ist die komplette Kühlung für zukünftige Erweiterungen gewappnet.

Auch für das Kühl-Nebenprodukt Wärme hat die Milchverarbeiterin Verwendung. «Einen Teil der Abwärme nutzen wir zum Heizen von Gebäuden und zur Warmwasserbereitung der Vorreinigung. Doch da die Milchverarbeitung generell viel Wärme produziert, können wir sogar noch ein angrenzendes Wohngebiet mit Wärme versorgen und haben immer noch Abwärme übrig. Doch dafür finden wir auch noch einen ökologischen Verwendungszweck», sagt Riesen.


Weitere Informationen:
SSP Kälteplaner AG
www.kaelteplaner.ch
Emmi
www.emmi.com




Eine Rollbahn bringt den Joghurt in die Kühlanlage


Den Transport aus dem Kühltunnel ins Hochregallager übernimmt die Schwebebahn