Eine Publikation der Swissprofessionalmedia AG
Kälte- und Lufttechnik: Ausgabe 06/2015, 15.06.2015

Raumbelüftungstechnik für Schweizer Molkerei

Milchprodukte verlangen bei der Herstellung und Lagerung eine hohe Luftqualität. Um diese zu gewährleisten, hat die Molkerei Lanz bei ihrem Neubau eine innovative und energieffiziente Klima- und Lüftungstechnik einbauen lassen.

Autor: Tino M. Böhler Redaktionsbüro Dresden

Bilder: Zur Verfügung gestellt

Obergerlafingen liegt im Schweizer Kanton Solothurn. Eingebettet in einer Ebene 10 km südlich von Solothurn gibt es in der Region um Obergerlafingen viele Dörfer, Agrarland und Wälder. Aufgrund der guten Verkehrslage haben sich verschiedene kleinere und mittlere Unternehmen im Kanton niedergelassen. So auch die 1941 gegründete Molkerei Lanz. Das inhabergeführte, mittelständische Familienunternehmen ist eine ISO 9001- und IFS-zertifizierte Privatmolkerei mit 50 Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen. Die Milch stammt von integriert produzierenden Bauernhöfen aus der Nachbarschaft. Generell legt die Molkerei grossen Wert auf eine natürliche Produktionsweise ohne Zusatzstoffe.

Um auch die Qualität der Produkte und die hohen Anforderungen an die Hygiene in der Produktion langfristig sicherzustellen, entschied sich Lanz beim Molkereineubau – mit wesentlich grösserer Produktionsfläche – für die Klima- und Lüftungstechnik Climotion der Bosch Energy and Building Solutions. Lanz nutzt diese Technik zur energieeffizienten, kostenbewussten und vor allem hygienischen Klimatisierung der Molkerei, die nicht nur zu einer erheblichen Verbesserung des Raumklimas führte, sondern auch zu geringeren Investitionen im Vergleich zu konventionellen Lüftungsanlagen sowie zu einem reduziertem Energieverbrauch. «Das Einsparpotenzial liegt vor allem in der geringeren Investition in eine kleinere Lüftungsanlage – im Vergleich zu einer konventionellen Anlage», sagt Gerhard Staubitzer, Geschäftsführer des mit der Planung und Ausführung beauftragten Unternehmens Gygli & Partner. Speziell erwähnenswert beim Neubau der Molkerei Lanz sei das behagliche Klima bei geringerer Luftmenge mit einer hundertprozentigen Durchmischung der Zu- und Raumluft und das ohne Energie-Kurzschluss. Der Nutzen liege wesentlich bei der absoluten Zufriedenheit des Kunden, was bei der Lüftungstechnik oft nicht der Fall sei.

Regelungssteuerung.

Als innovatives Unternehmen setzt der Spezialist bei Lüftungsanlagen auf das patentierte System der Bosch-Regelungssteuerung. Hierbei handelt es sich um ein System, das sowohl Feuchtigkeit, Druck, Temperatur und Luftqualität in Einklang bringt. Empirisch belegte Werte begründen das Zusammenspiel aller Komponenten zu einer regeltechnisch fein abgestimmten Optimierung. Nicht nur der Druck und die gute Durchmischung der Raumluft führen zu einem optimalen Klima, auch die Berücksichtigung aller klimatechnisch wichtigen Aspekte wie Heizen, Kühlen und Mischgas tragen zur Vermeidung von thermischen Auf- und Abtrieben bei.

Nebst klimatechnischen Vorteilen sind die Energieeinsparungen beträchtlich und zahlen sich durch geringere Investitionen sowie tiefere Instandhaltungskosten aus. Dazu Andreas Lanz: «Meine anfängliche Skepsis, ob das Ganze nicht einfach eine ‹De-Luxe-Lösung› sei, konterten die Experten mit dem Hinweis, das bei Einsparungen der Betrieb immer ein Hygiene-Problem haben werde. Entgegen meiner Überzeugung haben wir die geplante Klimatisierung in Auftrag gegeben. Schon kurz nach Inbetriebnahme zeigte sich, dass der Planer absolut Recht hatte.»

Für die Zukunft geplant.

An die 7 Millionen Liter Kuhmilch verarbeitet Lanz im Jahr. Qualität, Milch aus der Region, natürliche Zutaten und schonende Verarbeitung  – nach diesen Grundsätzen produziert die Privatmolkerei Lanz im modernen Neubau in Obergerlafingen ihre Milchprodukte wie Milchdrinks, Joghurt, Schlagrahm und weitere milchbasierte Spezialitäten. An sechs Tagen pro Woche beliefert die Molkerei über 300 Stammkunden aus dem Einzel- und Grosshandel. Für die zukunftsgerichtete Geschäftsphilosophie bekam die Molkerei den Solothurner Unternehmerpreis.

Zukunftsgerichtet ist zweifelsohne auch die In­stallation der Bosch-Klima- und -Lüftungstechnik. Die Experten installierten eine zentrale Lüftungsanlage auf dem Dach (Ausseneinheit), die ausschliesslich den Produktionsraum versorgt. Die Anlage ist mit Wärmerückgewinnung, Kühlung und Heizung (Entfeuchtung) auf Basis des Bosch-Systems ausgestattet. Die Zuluftmenge liegt bei einem Maximum von 10 000 m³/h, was einem stündlichen, siebenfachen Luftwechsel entspricht. Im Weiteren lässt sich die Anlage mittels Umluft fahren, was unmittelbar zu einer Energieeinsparung führt. Das Kühlregister wird mit dem Kältemittel R404a und zwei Verdampfer-Kreisen – mittels Direktverdampfung – betrieben. Die Verdampfungstemperatur liegt bei 2 °C. Dies erlaubt Zulufttemperaturen von etwa 10 bis 12 °C. «Die Herausforderung bei der Installation lag darin», so Staubitzer, «die Luft möglichst zugfrei in den Aufenthaltsbereich einzubringen. Bei einer Zulufttemperatur von 10 °C ist dies mit einem konventionellen System undenkbar. Die Luft wird bei der Anlage jetzt einfach an vier Stellen über Lochbleche eingebracht.» Mit einer herkömmlichen Lüftungsanlage und konventioneller Lufteinführung liesse sich die Zulufttemperatur auf lediglich 16 bis 18 °C minimieren, was dann etwa einer Verdoppelung der Installation gleichkommen würde. Lanz resümiert: «Nach kurzer Einregulierungs- und Optimierungszeit hatten wir ein angenehmes Raumklima ohne Zugluft. Die bakteriologische Luftqualität ist seit der Installation vorzüglich – sie ist so gut, dass wir die eingebaute Sterilluftanlage für die Überflutung der Joghurt-Reifetanks nicht in Betrieb genommen haben. Zudem konnten wir den Energiehaushalt mit der Abstimmung auf die Betriebszeiten der Produktion stark verbessern.»

Aus Fehler lernen.

Für Unternehmen mit ähnlichen Herausforderungen hat Lanz abschliessend eine Anekdote und noch einen Tipp parat: «Mit etwa einem Jahr Vorsprung zu unserem Betrieb ist in der Schweiz eine ähnliche Molkerei entstanden. Dort haben die Verantwortlichen das Thema ‹Klimatisierung› nicht gelöst, was genau zu den bekannten Problemen rund um die bakteriologische Luftqualität führte.» Es sei im Nachhinein sehr viel schwieriger, Versäumtes nachzuholen und neu zu installieren. «Deshalb lohnt es sich unbedingt, dem Thema genügend Rechnung zu tragen und auf die Karte von Spezialisten zu setzen.» P.S. Besagte Molkerei, die das Thema «Klimatisierung» nicht löste, wurde schliesslich von einem grossen Konzern geschluckt.


Weitere Informationen:
Bosch Energy and Building Solutions GmbH
www.bosch-energy.de




In der Produktionshalle von Lanz sorgt moderne Kühltechnik für optimale Bedingungen