Eine Publikation der Swissprofessionalmedia AG
Messtechnik: Ausgabe 7-815/2015, 10.08.2015

Es besteht grosser Nachholbedarf

Die neue Baunorm DIN EN 1090 stellt hohe Anforderungen an tragende Bauteile aus Stahl und Aluminium. Doch nur wenige Hersteller von Komponenten für den Silo- und Anlagenbau sind sich dieser Thematik und der damit verbundenen Verantwortung bewusst.

Autor: Matthias Hasselmann

Bilder: Sartorius Mechatronics T&H GmbH

Um tragende Bauteile aus Stahl und Aluminium auf dem europäischen Binnenmarkt in Verkehr zu bringen, ist seit Juli 2014 eine CE-Kennzeichnung gemäss DIN EN 1090 zwingend erforderlich. Eine Übergangsfrist, in der die nationale DIN 18800-7 und die neue Norm DIN EN 1090 parallel gegolten hatten, endete zum gleichen Zeitpunkt. Daher können Auftraggeber schon heute Stahl- und Aluminiumprodukte ohne die neue CE-Kennzeichnung als mangelhaft einstufen und reklamieren.

Herausforderungen und Chancen für Hersteller.

Die DIN EN 1090 gilt für alle Hersteller, Zulieferer und Händler von tragenden Bauteilen aus Stahl und Aluminium, natürlich auch für diejenigen, die bisher ohne Nachweis der Herstellerqualifikation gemäss DIN 18800-7 Klasse A im Stahl- und Metallbau tätig waren. Sie müssen sämtliche tragenden Teile im bauaufsichtlichen Bereich konform mit der DIN EN 1090-1 in Verbindung mit DIN EN 1090-2 für Stahl beziehungsweise DIN EN 1090-3 für Aluminium fertigen. Produkte aus Edelstahl sind nicht betroffen.

Die Umsetzung der DIN EN 1090 ist für Hersteller eine besondere Herausforderung. Aktuell verfügen einige europäische Nachbarländer über keine flächendeckenden Qualifizierungsangebote, um alle Metallbaubetriebe zu prüfen. Selbst für die deutsche Wirtschaft ist die DIN EN 1090 nicht problemlos umzusetzen, da nur wenige Zulieferer mit ihren Kompetenzen und Angeboten so breit aufgestellt sind, dass sie allen Anforderungen der Norm genügen.

Hersteller von Komponenten für den Silo- und Anlagenbau, die auf Produkte zurückgreifen, welche die Kriterien der DIN EN 1090 erfüllen, profitieren direkt von mehr Rechtssicherheit und freier Vermarktung innerhalb der Europäischen Union. Zusätzlich reduziert sich ihr administrativer Aufwand, da sie anstelle verschiedener nationaler Normen nur noch eine europäische Norm im Blick haben müssen. Die ersten grossen Unternehmen haben die DIN EN 1090 bereits in ihren Einkaufsspezifikationen verankert, weitere Unternehmen werden diesem Trend folgen.

Dennoch ist die Marktdurchdringung der Norm bei Herstellern von industriellen Anlagen ein Jahr nach deren Inkrafttreten noch gering. Nicht alle Unternehmen sind sich der Thematik und der damit verbundenen Verantwortung bewusst.

Zu den Unternehmen, die hier Vorreiter sind und sich proaktiv mit der DIN EN 1090 beschäftigt haben, gehört Sartorius Intec. Der Betrieb fertigt in Deutschland hochwertige und präzise Lösungen für das Verwiegen von Silo- und Behälteranlagen. Auch Lösungen für hygienische Produktionsumgebungen und den Ex-Bereich gehören zum Produktumfang. Das Unternehmen setzt auf technische Innovation, umfassenden Service und bietet die Einbausätze seiner-Wägezelle PR 6201 mit dem neuen CE-Zertifikat gemäss DIN EN 1090 an.

Mehr Sicherheit für Kunden.

Auch Silo- und Anlagenbauer stehen dafür ein, dass die von ihnen eingekauften und eingesetzten Komponenten den geltenden Normen und Richtlinien entsprechen. Ein Beispiel hierfür ist der Einsatz von Wägetechnik in grossen Siloanlagen. Die Wägezellen übernehmen hier eine statisch tragende Funktion und müssen daher zwingend die Kriterien der DIN EN 1090 erfüllen. Die Verwendung von Komponenten, die einer gültigen Norm nicht entsprechen, kann im Schadensfall zu juristischen Problemen führen.

Darum sollten Silo- und Anlagenbauer bei der Auswahl ihrer Lieferanten unbedingt die DIN EN 1090 im Blick haben und im Zweifel die betreffenden Zertifikate individuell prüfen. So stellen sie sicher, dass die von ihnen eingesetzten Produkte den europäischen Rechtsvorschriften für Bauprodukte entsprechen und profitieren ebenfalls direkt von mehr Rechtssicherheit und freier Vermarktung innerhalb der Europäischen Union.

Ziele und Anforderungen der DIN EN 1090.

Die Ziele der neuen Norm sind im Wesentlichen die Verbesserung der Standsicherheit von Bauwerken und Konstruktionen sowie die europaweite Vereinheitlichung der sicherheitsrelevanten technischen Kriterien.

Eine wesentliche Anforderung der harmonisierten DIN EN 1090-1 ist die Beurteilung und Zertifizierung der werkseigenen Produktionskontrolle des Herstellers durch eine unabhängige Stelle. Mit dem Zertifikat weisen Unternehmen neben der Mitarbeiterqualifikation sowie der Qualifikation der erforderlichen technischen Ausrüstung auch die Einhaltung der festgelegten wesentlichen Produkteigenschaften ihrer Bauteile nach.

Im Zuge der Zertifizierung sind die Anforderungen an die Herstellerqualifikationen zum Schweissen von tragenden Bauteilen auf alle wichtigen Prozesse der Herstellung ausgedehnt. So lassen sich die komplexen Forderungen der Europäischen Norm erfüllen und die Produkte mit einer CE-Kennzeichnung in Verkehr bringen.

Die werkseigene Produktionskontrolle bedeutet eine ständige Überwachung der Produktion durch den Hersteller selbst. Sie muss eingerichtet, dokumentiert und aufrechterhalten werden, um sicherzustellen, dass die in Verkehr gebrachten Produkte die deklarierten Leistungsmerkmale aufweisen.

Im globalen Wettbewerb werden Normen und ihre Einhaltung künftig bei Kaufentscheidungen eine immer wichtigere Rolle spielen. Insbesondere wenn es um Sicherheit geht, trennt sich schnell die Spreu vom Weizen. Unternehmen sind nur dann nachhaltig erfolgreich, wenn sie sich mit der Normenthematik auseinandersetzen und Vorreiter ihrer Branche sind.


Weitere Informationen:
Sartorius Mechatronics T&H GmbH
www.sartorius-intec.com



Die wichtigsten Voraussetzungen für die Erfüllung der DIN EN 1090 im Überblick:

  • zertifizierte werkseigene Produktionskontrolle gemäss DIN EN 1090-1
  • bestehendes Schweisszertifikat nach DIN EN 1090-1
  • Vorhandensein von Schweissanweisungen gemäss EXC2−EXC4
  • Personalqualifikation nach DIN EN 1090-2/-3
  • Erstprüfung von Statik und Qualifizierung der Schweissprozesse
  • 100 Prozent-Sichtprüfung der Schweissnähte
  • zerstörungsfreie Prüfungen (ausser EXC1)
  • Zertifizierung und Überwachung durch ein zertifizierendes Unternehmen