Eine Publikation der Swissprofessionalmedia AG
Verfahrenstechnik: Ausgabe 7-815/2015, 10.08.2015

Sicher geniessen

Unerwünschte Keime lassen sich nur schwer unter Kontrolle halten. Damit bei der Abfüllung nicht doch Mikroorganismen den Weg in den Joghurt finden, setzen Molkereien auf die aseptische Abfüllung.

Autor: Frank Gmach Marktkommunikation

Bilder: Evonik Resource Efficiency Gmbh

Joghurt schmeckt nicht nur gut, sondern ist auch gesund. Er ist eine wichtige Eiweissquelle, versorgt den Körper mit Kalzium und hilft bei der Verdauung. Kein Wunder also, dass die leckere Milchspeise so beliebt ist. Damit Joghurt auch haltbar ist und strengen Hygienestandards entspricht, machen Molkereien die Becher kurz vor der Abfüllung mit Wasserstoffperoxid keimfrei.

Auf der Beliebtheitsskala weit oben.

Schwere Milchsammelwagen rollen auf das Produktionsgelände der Genuss-Molkerei Zott im bayerischen Mertingen. Sie kommen direkt von den Landwirten, ihre Kammern sind gefüllt mit frischer Rohmilch, welche die Fahrer sofort in die grossen Milchtanks der Molkerei pumpen. «Wir verarbeiten im Jahr rund 950 Millionen Kilogramm Milch zu Joghurt und anderen Milchspeisen», erklärt Martin Schweihofer, Leiter Technik & Facility Management bei Zott. Und die Nachfrage steigt, denn Milchprodukte gelten als gesund. In Europa ist Joghurt besonders beliebt. Was den Pro-Kopf-Verbrauch angeht, sind die Franzosen mit 17,8 Kilogramm im Jahr Europameister. Die Deutschen verspeisen rund 13,9 Kilogramm und in Irland liegt der Pro-Kopf-Verbrauch bei rund 11,5 Kilogramm pro Jahr.

Damit die Verbraucher die leckeren Milchspeisen unbeschwert genies-sen können, sind strenge Kontrollen in der Produktion gemäss den hohen Hygienestandards an der Tagesordnung. Denn Milchprodukte sind besonders anfällig für Keime. Auf der letzten Produktionsstufe ist daher die sogenannte «aseptische Abfüllung» Stand der Technik: Unternehmen machen das Verpackungsmaterial kurz vor der Befüllung mit Wasserstoffperoxid keimfrei. Neben der bioziden Wirkung muss das Produkt auch sehr leicht entfernbar sein, um keine Rückstände auf der Verpackung zu hinterlassen. Das von Evonik hierfür entwickelte Wasserstoffperoxid ist hochrein und zerfällt unter Wärmeeinwirkung zu Sauerstoff und Wasser, wodurch es als umweltverträgliches Produkt für den Einsatz in der Lebensmittelindustrie optimal geeignet ist.

Aseptische Abfüllung.

Als einer der grössten Anbieter von Wasserstoffperoxid weltweit beliefert Evonik Lebensmittelproduzenten bereits seit den 1960er-Jahren mit Wasserstoffperoxid. «Die hohe bakterizide Wirkung von Wasserstoffperoxid und die gute Umweltverträglichkeit haben zum durchschlagenden Erfolg der aseptischen Abfüllung beigetragen», sagt Friedhelm Brandner, verantwortlich für den technischen Service der Aktivsauerstoffprodukte. Bei seinen regelmässigen Kundenbesuchen wie in der Molkerei Zott steht immer auch ein Gang durch die Produktionshallen an. Dort überprüft er die Produktions- verfahren und gibt Sicherheitsschul-ungen.

In der Molkerei sind zahlreiche Maschinen im Einsatz, welche die Verpackungsmaterialien mit dem speziell für die Lebensmittelindustrie entwickelten Wasserstoffperoxid OXTERIL 350 behandeln. «Je nach Produkt nutzen Betriebe ein Tauchbad oder Sprühverfahren, um die Becher keimfrei zu machen», erklärt Brandner. In der Produktionshalle sind braun-weiss gemusterte Kunststofffolien auf grosse Rollen aufgewickelt. Wer genau hinschaut, kann erkennen, dass es sich hierbei um die Verpackung der Haselnuss-Schokoladen-Milchcreme-Desserts «Zott Monte» handelt. Zunächst jedoch wird die Kunststofffolie von der Rolle abgewickelt und in eine sogenannte Tiefziehmaschine hineingezogen. Bevor die Maschine die Folie zu Bechern formt, erfolgt die Desinfektion in einem heissen Bad aus OXTERIL BATH. «Rückstände von Wasserstoffperoxid lassen sich dabei vollständig entfernen», erklärt Johann Baur, Quality Management.

In einer anderen Halle stehen Abfüllmaschinen, die verschiedene Sorten Sahne-Joghurt – Amarena-Kirsch, Bourbon-Vanille oder Orange-Mango – im Rekordtempo abfüllen. Hunderte bedruckte, aber noch leere Becher durchlaufen die Maschine, die mit einer Düse die Becher mit Wasserstoffperoxid benetzt. Erst nachdem eine abgeschirmte Abfüllkammer das überschüssige Wasserstoffperoxid mit steriler Heissluft ausgedampft hat, werden die Becher mit Joghurt befüllt und hygienisch verschlossen.

Garantierte Sicherheit.

«Die Sicherheit unserer Lebensmittel ist für uns das oberste Gebot», sagt Baur. «Deswegen sind wir froh, mit Evonik einen Zulieferer zu haben, bei dem wir uns auf die Produktqualität und den Service verlassen können. Die Behandlung mit Wasserstoffperoxid und die sterile Abfüllung sind auch ausschlaggebend für die Haltbarkeit des Joghurts», erklärt Baur.

Nach seinem Kundenbesuch fängt die Arbeit für Friedhelm Brander häufig erst an. Denn führt die Molkerei beispielsweise ein neues Produkt oder eine neue Saisonsorte ein, macht dies meist auch ein neues Becherdesign erforderlich. «Dann überprüfen wir, welche Wechselwirkungen zwischen der neuen Verpackung und dem Wasserstoffperoxid bestehen und geben gegebenenfalls Ratschläge zur Anpassung des Verpackungsmaterials», sagt Brandner. «Wir optimieren unsere OXTERIL 350-Produktreihe kontinuierlich in enger Abstimmung mit den Maschinenherstellern und Abfüllbetrieben, um eine optimale Performance zu gewährleisten.»

So liefern die mit 33 Paletten Joghurt beladenen LKW einwandfreie Produkte. Die Verbraucher können sich darauf verlassen, dass sie die Joghurtvariationen unbeschwert geniessen können.


Weitere Informationen:
Evonik Resource Efficiency GmbH
www.evonik.de/h2o2




Das Peroxidtauchbad macht die Folie keimfrei