Eine Publikation der Swissprofessionalmedia AG
Ausgabe 7-815/2015, 11.08.2015

Standardisiert und trotzdem individuell

Komplette Produktionslinien bestehen aus verschiedenen Maschinen und Komponenten, die meist noch von unterschiedlichen Herstellern stammen. Für eine schnelle und individuelle Anlageneinrichtung gibt es ein «Baukastensystem», das keine Wünsche offen lässt.

Autor: Redaktion

Bilder: Omni Ray AG

Moderne Anlagen sind die Basis für eine sichere und schnelle Lebensmittelproduktion. Auch wenn einige Hersteller ähnliche oder gleiche Produkte produzieren, sind ihre Anlagen unterschiedlich aufgebaut. Sie bestehen in der Regel aus einzelnen Maschinen, die je nach Bedürfnis zu einer Produktionslinie zusammengebaut sind. Es versteht sich somit von selbst, dass es solche Produktionsanlagen nicht «von der Stange» zu kaufen gibt, sondern diese immer individuell aufgebaut sind. Zudem haben Produzenten den Anspruch, dass ihre Anlagen einen hohen Automationsgrad aufweisen.

Um jede Maschinen- und Anlagenkomponente einfach in eine Linie inte- grieren zu können, hat Mitsubishi Electric Europa die Softwarelösung Packaging Solution entwickelt, mit der sich neue Verpackungsanlagen einfach automatisieren lassen und einen einheitlichen Standard garantieren. «Jeder Lebensmittelbetrieb hat unterschiedlich aufgebaute Produktlinien, in denen Maschinen von verschiedenen Herstellern integriert sind. Damit am Ende eine Linie aus den verschiedenen Anlagenteilen entsteht, die dann auch exakt funktioniert, ist eine Standardisierung der erste Schritt. Diese bedeutet die eindeutige Definition der verschiedenen Schnittstellen und erlaubt die einfache Integration jeder nötigen Maschine», erklärt Thomas Trüb, Division Manager bei Omni Ray.

Getesteter «Baukasten».

Die Softwarelösung besteht aus verschiedenen Elementen wie dem OMAC PackML-Generator (OMAC: Organization for Machine Automation and Control). Diese Grundsoftware erlaubt eine Anlagenkonfiguration in Excel, die Anlagenbauer für die Automatisierungsplattform nutzen können. Daraus lässt sich eine Statusmaschine generieren, die dem internationalen PackML-Standard entspricht. Dieses Grundgerüst dient als Basis für die Integration verschiedener anderer Komponenten wie etwa einer Dosier- und Befüllstation, Bestückung, Steuerung des Folienzugs, rotierendem Messer, Wicklerapplikationen, Seitenlagerung der Folie, Regelung der Heiztemperatur für Schweissbalken, Etikettierung und weiteres. «Dafür müssen Anlagenbauer nur die entsprechenden Funktionsblöcke aus der Bibliothek der Software nehmen und in das Anlagenprojekt integrieren. So nutzen sie standardisierte und getestete Funktionsbausteine, bei denen die Anlagenbauer sicher sein können, dass sie auch funktionieren. Anwender müssen nicht mehr komplett von vorn mit der Programmierung beginnen, sondern können auf bereits getestete Bausteine zurückgreifen», so der Verkaufsingenieur.

Der nächste Schritt enthält die Projektvorlagen für Bediengeräte an der Maschine, mit denen der Lebensmittelproduzent am Schluss seine individuellen Parametrierungen vornehmen kann. Damit lässt sich genau definieren, wie lang beispielsweise ein Schlauchbeutel sein soll oder wie gross das Etikett wird.

Automatische Programmierung.

Für die individuelle Konfiguration einer Verpackungsanlage legt der Fachmann den Aufbau der Anlage fest. Dabei bestimmen die Produktionsabläufe die Reihenfolge der entsprechenden Maschinen, wie Trüb sagt: «Für die Vorkonfiguration der Anlage muss der Experte wissen, welche Applikationen in welcher Reihenfolge auf der Anlage laufen sollen. Dann nutzt er die Automatisierungssoftware, holt die einzelnen Elemente aus der Funktionsbibliothek und bindet diese in das Programm ein. Die Standardfunktionsblöcke lassen sich dann mit den entsprechenden Daten befüllen. Sind noch andere Anwendungen nötig, die Mitsubishi nicht vorgesehen hat, dann kann der Anlagenbauer diese von Hand weiter programmieren. Als nächstes geht der Spezialist in die Bedienebene der Anlage und nutzt dort die entsprechenden Vorlagen und definiert die zu parametrierenden Daten, die der Endanwender sehen soll und selber definieren darf. Die Feinjustierung übernimmt zum Schluss der Lebensmittelproduzent.»

Eigenes Know-how integrieren.

So praktisch Standardlösungen sind, gibt es dennoch individuelle Anpassungen. Um die vorgegebenen Funktionsbausteine aus der Bibliothek miteinander zu verbinden, können Anlagenbauer ihr eigenes Know-how nutzen. Zudem müssen die Anlagenspezialisten oft noch Zusatzfunktionen für den Endanwender integrieren. Durch die einfache Verbindung von Funktionsbausteinen und individuellen Funktionen lässt sich trotz Standardisierung eine individuelle Anlage realisieren.

Messbarer Vorteil.

Die Softwarelösung Packaging Solution bietet laut dem Manager zwei Vorteile: «Zum einen ist die deutliche Reduktion der Entwicklungszeit für die Anlage zu betonen. Da es kaum zwei identische Anlagen gibt und jeder Endkunde spezifische Anpassungen braucht, kann das unter Umständen zu einer langen Entwicklungszeit führen, die sich jedoch mit der Softwarelösung verkürzen lässt. Zum anderen bieten die Funktionsbausteine eine grosse Sicherheit. Diese sind bereits getestet, womit sich das Risiko – dass am Ende etwas doch nicht wie gewünscht funktioniert – stark reduziert.»

Die momentane Auswahl der Funktionsbausteine hat der Hersteller aufgrund von Kundenanfragen entwickelt und baut diese stetig weiter aus. So können Anwender damit rechnen, dass bei einer genügend grossen Nachfrage, nach weiteren Bausteinen, diese auch in die Funktionsbibliothek integriert werden. Damit lassen sich Anlagen auf künftige Anforderungen automatisieren und standardisieren.


Weitere Informationen:
Omni Ray AG
www.omniray.ch




Je nach Anlage können die Profis aus der Bibliothek die passende Funktion auswählen