Eine Publikation der Swissprofessionalmedia AG
Wissenschaft und Forschung: Ausgabe 09/2015, 07.09.2015

Ernährung – ein Thema das uns alle angeht

Essen und Trinken sind Grundbedürfnisse der Menschheit. Doch in unserer modernen Welt geht es dabei nicht einfach nur um Stillen von Hunger und Durst, sondern um eine gesunde Ernährungsweise. Die Fachstelle für Ernährung und Consumer Science befasst sich umfassend mit den Aspekten rund um Ernährung und bietet in diesem Rahmen angewandte Forschungsarbeiten an.

Autor: Prof. Dr. Christine Brombach Leitung Fachstelle Ernährung am ILGI der ZHAW, christine.brombach@zhaw.ch

Bilder: ZHAW, Mara Truog, FACHSTELLE ERNÄHRUNG

Essen und Trinken gehören zu den zentralen Bedürfnissen des Menschen. Jeder von uns muss essen und trinken, um das physische Überleben durch eine ausreichende Zufuhr an Energie und Nährstoffen zu sichern. Die Ernährungsweise ist dabei je nach Alter, Geschlecht und Lebenssituation sehr unterschiedlich. In Privathaushalten, Gemeinschaftsgastronomie, der Ausser-Haus-Verpflegung oder in Institutionen werden Lebensmittel zubereitet und verzehrt. Essen und Trinken sind Teil unserer Kultur und Gesellschaft. Angebot, Herstellung und Verarbeitung von Lebensmitteln müssen den jeweiligen sozialen und biologischen Bedürfnissen der Konsumenten entsprechen. Die Fachstelle Ernährung und Consumer Science befasst sich mit der Ernährung von verschiedenen Bevölkerungsgruppen. Ernährung ist ein klassisches Schnittstellenthema, das sowohl die physiologischen Aspekte als auch die sozialen und psychologischen Aspekte des Essens umfasst. Die Fachstelle Ernährung betrachtet Lebensmittel nicht nur aus ernährungsphysiologischer Sicht, sondern auch im Hinblick darauf, wa-rum Konsumenten bestimmte Lebensmittel auswählen, wie sie damit umgehen, wie viel sie von den jeweiligen Lebensmitteln verzehren und wie sich Lebensmittel auf die Bedürfnisse der Konsumenten anpassen lassen. Die Ergebnisse aus angewandten Forschungsarbeiten fliessen in die Lehraktivitäten der Fachstelle ein, um Studierenden einen breiten Überblick und Zugang zu aktuellen Ernährungsfragen, Ernährungstrends, gesunderhaltender Ernährungsweise, verschiedenen Konsumentengruppen und deren Ernährungsbedürfnissen zu vermitteln. Lehre und Forschung sind die beiden wichtigsten Leistungsaufträge der Fachstelle.

Ernährung in der Lehre.

Im Studiengang Lebensmitteltechnologie ist die Ernährungslehre (Grundlagen der Ernährung, Ernährung entlang des Lebenszyklus, Ernährungserhebungsmethoden, Konsumentenbedürfnisse) ein wichtiger Bestandteil des Curriculums. Nach dem Grundstudium verfügen die Studierenden über Kenntnisse der Ernährung und den ernährungsphysiologischen Wirkungen der Nährstoffe. Aufbauend auf das Grundstudium können Studierende die Vertiefung Ernährung belegen. Sie erhalten in der Vertiefungsrichtung praktische Einblicke in die Themen Ernährungserhebungsmethoden, Erfassung der Konsumentenbedürfnisse, die ernährungsphysiologischen Anforderungen im Lebenszyklus, ernährungsabhängige Krankheiten, Functional Food und die Gesundheitswirkungen der Lebensmittel. Im fünften Semester können die Studierenden die (selbst) hergestellten Lebensmittel nach ernährungsphysiologischen Kriterien bewerten und besitzen das Rüstzeug, Ernährungserhebungen und Konsumentenbefragungen durchzuführen und Lebensmittel nach deren ernährungsphysiologischen Wirkungen zu beurteilen. Darüber hinaus werden in Zusammenarbeit mit Unternehmen aus der Lebensmittelindustrie, Bundesämtern und Vertretern im Bereich Public Health ernährungsbezogene Fragestellungen im Rahmen von Semester- und Bachelorarbeiten bearbeitet.

Der Masterstudiengang «MSc in Life Sciences» bietet zwei Ernährungsmodule an – «Nutrition and Health» sowie «Global Food Policy». In beiden Modulen bearbeiten die Studierenden aktuelle Forschungsthemen und setzen sich intensiv mit Fragen der Gesundheit und Ernährung, Konsumentenbedürfnissen, Public Health, ernährungsabhängigen Erkrankungen, Ernährungserhebungsmethoden, Ernährungsstrategien und Ernährungspolitik sowie Ernährungsverhalten verschiedener Konsumententypen und Konsumentengruppen auseinander.

Neben der Lehre im Bachelor- und Masterstudiengang an der ZHAW nimmt die Fachstelle Ernährung verschiedene Lehraufträge an nationalen und internationalen Universitäten und Fachhochschulen wahr.

Forschungsschwerpunkte.

Unser Ziel ist es, durch qualitative und quantitative Ernährungserhebungen und -studien die Ernährungsbedürfnisse verschiedener Bevölkerungsgruppen zu untersuchen. Dadurch generiert die Fachstelle Wissen zur Entwicklung von zielgruppenspezifischen Lebensmitteln und Ernährungskonzepten entlang der gesamten Wertschöpfungskette. Wichtig dabei sind auch Lebensmittelbewertungen wie beispielsweise durch Nährwertprofilierungen.

Die Schweiz steht vor vielen zukünftigen Herausforderungen, wie dem demografischen Wandel, den Veränderungen der Konsumentenbedürfnisse oder der Zunahme nicht übertragbarer Erkrankungen, die in engem Zusammenhang mit Ernährungs- und Lebensstil stehen. Daher werden auch Lebensmittel den sich verändernden Bedürfnissen der Konsumenten Rechnung tragen müssen. Derzeit forscht das Team zu Fragen rund um die Themen Nährwertprofilierung, Functional Food sowie Essen und Trinken im höheren Lebensalter. Gemeinsam mit der Fachstelle Sensorik baut die Fachstelle Ernährung ein Seniorenpanel auf, das die Bedürfnisse der älteren Erwachsenen und deren Anforderungen an Lebensmittel untersucht.

Mit Hilfe des Panels erarbeitet die Gruppe Kenntnisse zu Ernährung, Umgang mit Lebensmitteln, Lebenssituation und Ernährungsweisen bei einem immer wichtiger werdenden und marktrelevanten Kundensegment. In einem gemeinsamen Forschungsprojekt mit der Fachstelle Technologie hat das Team qualitative Konsumentenbefragungen zu Lebensmittelverpackungen durchgeführt, um dabei besser zu verstehen, wie sich Lebensmittelverpackungen auf die Bedürfnisse dieser Zielgruppe anpassen lassen.

Mittels qualitativer und quantitativer Konsumentenbefragungen greift die Fachstelle weitere aktuelle Themen auf wie beispielsweise vegetarische und vegane Ernährung, Studien zu Portionsgrössen für verschiedene Altersgruppen oder Fragen zur Nährwertversorgung von verschiedenen Konsumentengruppen. Die Forschungsarbeiten finanzieren unter anderem die Lebensmittelindustrie, das Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen (BLV), Swiss Food Research (SFR), KTI, verschiedene kommunale Träger und Stiftungen.

Weiterbildung.

Neben Forschung und Lehre bilden die berufsbegleitenden Weiterbildungskurse einen weiteren wichtigen Leistungsauftrag der Fachstelle. In dem Programm «Excellence of Food» ist die Fachstelle für das Modul «Soziologie und Kulturgeschichte des Essens» verantwortlich und ist an weiteren Modulen dieses Weiterbildungsprogrammes beteiligt.

Vernetzungen.

Die Fachstelle Ernährung und Consumer Science verfügt über ein breites Netzwerk von verschiedenen nationalen und internationalen Partnern, die in Forschung, Lehre und der Food Branche tätig sind.


Weitere Informationen
http://lsfm.zhaw.ch/de/science/institute-zentren/zle/cse.html
Dieser Artikel ist der siebte von zehn Beiträgen, der die Fachstellen am Institut für Lebensmittel- und Getränkeinnovation, ILGI der ZHAW vorstellt.




Teilnehmende des Wädenswiler Seniorenpanels während einer Bewertung
eines Lebensmittels