Eine Publikation der Swissprofessionalmedia AG
Wissenschaft und Forschung: Ausgabe 09/2015, 07.09.2015

Im Handumdrehen offen

Gläser mit herkömmlichen Deckeln zu öffnen war bisher kräfteraubend und mit hohem Ärgerpotenzial behaftet. Eine Innovation aus England kann hier Abhilfe schaffen, wie das Beispiel von BINA zeigt.

Autor: Redaktion

Bilder: Crown Food Europe, BINA bischofszell AG

Dampfender Kaffee, Butter die auf Toast schmilzt und darauf ein Klecks Marmelade, sind für viele Verbraucher ein gelungener Start in den Tag. Doch der erste Ärger ist schon vorprogrammiert, wenn sich das neue Marmeladenglas einfach nicht öffnen lassen will. Kräftezehrendes Drehen, ungehaltene Bemühungen, das Glas doch noch irgendwie aufzubekommen, führen letztlich zum gewünschten Erfolg. Doch dieser Ärger kehrt immer wieder und ist nicht nur ein Problem von Menschen mit körperlichem Handicap oder der älteren Generation. Wissenschaftler der Hallam University in Sheffield England fanden heraus, dass 22 Prozent der Erwachsenen ein traditionelles Glas nicht öffnen können. Bei Frauen über 50 waren es sogar 40 Prozent. Um diesem Zustand ein Ende zu setzen, hat der Spezialist für innovative Verpackungstechniken Crown einen Orbit Closure Schraubdeckelverschluss entwickelt, der sich leicht öffnen lässt und dennoch das Vakuum hält.

Schweizer Marmelade ohne Widerstand.

Diese Innovation hat sich die Bischofszell Nahrungsmittel AG (BINA) zu Nutze gemacht und verwendet den easy-open Schraubdeckelverschluss seit gut einem Jahr für ihre Marmeladen und Konfitüren. «Unsere Entwicklungsabteilung für Verpackung ist immer auf der Suche nach Innovationen und ist so auf den Hersteller Crown gestossen. Beim näheren Kennenlernen haben wir die Vorteile gesehen und daher unser Konfitürensortiment mit dem Mehrwerteffekt ergänzt und aktualisiert», erklärt Helen Treier, Produkt Managerin bei BINA.

Von Konsumenten für Konsumenten.

In der rund eineinhalb Jahre dauernden Roll-out-Phase hat die Migros-Tochter eng mit Konsumenten zusammen gearbeitet, wie die Expertin erklärt: «Unser Mutterhaus hat eine Marktforschungsabteilung, die Markttests begleitet. Da konnten wir auf eine Vielzahl von Dienstleistungen zugreifen und davon profitieren. Zudem haben wir eng mit der Rheumaliga Schweiz zusammengearbeitet. Uns hat im Vorfeld interessiert, was die Bedürfnisse von Betroffenen sind. Im Rahmen eines Workshops haben uns die Teilnehmenden darauf aufmerksam gemacht, was bei schwer zu öffnenden Produkten wirklich wichtig ist. Darüber hinaus hat eine Ergotherapeutin mit ihren Patienten den Deckel getestet und uns das Ergebnis mitgeteilt. So haben wir direkt von Rheumapatienten ein wertvolles Feedback bekommen». Auch andere Konsumentenreaktionen waren hilfreich, denn dem Schweizer Unternehmen ist die Akzeptanz der Kunden sehr wichtig.

Der Trick mit dem Klick.

Um das knackende Geräusch beim ersten Öffnen eines Glases zu hören und damit das Vakuum zu lösen, bedarf es bei herkömmlichen Standarddeckeln oft eines grossen Kraftaufwands. Dieser ist beim easy-open Deckel um 50 Prozent reduziert. Hinter diesem Phänomen steckt eine zweiteilige Konstruktion: einem lockeren äusseren Ring und einem inneren Ring. Dieses Design reduziert das Drehmoment deutlich, hält aber das Vakuum bis zur Erstöffnung und das Glas auch beim häufigen Benutzen dicht.

Im Zuge der BINA-Konsumententests zeigten sich noch kleinere Aspekte, die zur Optimierung des Verschlusses führten. «Da der äussere Ring locker sitzt und die beiden Deckelkomponenten unabhängig von einander funktionieren, haben wir unter anderem herausgefunden, dass wir den Aussenring mit einer Sicherung fixieren müssen, um beim Kunden nicht den Eindruck zu erwecken, das Vakuum würde nicht bestehen», sagt die Expertin.

Optimierung verlangt Anpassung.

Mit der Entwicklung des easy-open Deckels war es aber noch nicht getan, denn die Innovation verlangt auch die Anpassung der Technik. Um die bestehende Produktionslinie weiter nutzen zu können, mussten die Fachleute die Anlage an die Bedürfnisse des neuen Schraubdeckelverschlusses anpassen. Da der Hersteller des Deckels hier schon Erfahrungen hatte, liessen sich in enger Zusammenarbeit die technischen Herausforderungen gut meistern.

Ein Verschluss viele Anwendungen.

Was sich bei den süssen Brotaufstrichen bewährt hat, lässt sich auch für andere Zwecke nutzen. Das Unternehmen in Bischofszell verwendet den easy-open Deckel hauptsächlich im Konfitürenbereich und stattete zwei Sortimente damit aus. Für weitere Einsätze ist lediglich der Durchmesser ein limitierender Parameter. Der englische Hersteller bietet den Orbit Closure Schraubverschluss derzeit mit 63, 70 und 82 mm Durchmesser an.

Damit ist auch die Verwendung nicht nur auf Marmeladen und Konfitüren beschränkt. Da der Hersteller diese Deckelinnovation nicht exklusiv für BINA entwickelte, können auch andere Lebensmittelproduzenten davon profitieren. Im Vereinten Königreich ist der Deckel seit Mai 2011 erfolgreich auf dem Markt und seit rund einem Jahr auch in der Schweiz.


Weitere Informationen:
Bischofszell Nahrungsmittel AG
www.bina.ch
Crown Food Europe
www.crowncork.com




Der easy-open Deckel reduziert den Kraftaufwand um 50 Prozent