Eine Publikation der Swissprofessionalmedia AG
Materialfluss und Logistik: Ausgabe 09/2015, 07.09.2015

Optimale Warenströme dank innovativer Technik

Pro Stunde 35 Tonnen Kartoffeln, 10 Tonnen Karotten und 5 Tonnen Zwiebeln aufzubereiten ist eine Herausforderung. Mit modernen Anlagen, innovativem IT-Support und drahtloser Verbindung auf allen Ebenen ist das für ein Logistikzentrum kein Problem.

Autor: Walter Landtwing Leiter Vertrieb Systeme

Bilder: Gilgen Logistics AG

Die Fenaco-Tochter Steffen-Ris setzt in Bätterkinden neue Massstäbe in der Verarbeitung von Kartoffeln, Karotten und Zwiebeln. Verteilt über die ganze Schweiz betreibt das Unternehmen 13 Leistungszentren. Um deren Effizienz zu sichern und angesichts des harten Margendrucks die Produktionskosten so tief wie möglich zu halten, modernisieren die Verantwortlichen diese Anlagen laufend. Allein in den letzten fünf Jahren hat die Fenaco einen Gesamtbetrag von rund 100 Millionen Franken in den Aus- und Umbau solcher Lager- und Verarbeitungsbetriebe investiert.

«fresh & cool».

Das Projekt unter dem Namen «fresh & cool» umfasst eine Er-weiterung der Bruttogeschossfläche von bisher 16 000 auf über 24 000 m2. Im Investitionsvolumen von rund 35 Millionen Franken waren der Neubau einer Lagerhalle für insgesamt 8000 Tonnen Kartoffeln und Karotten sowie die Erweiterung der Speditionsinfrastruktur auf 2000 m2 enthalten. Schliesslich hat das Unternehmen auch die Produktionsfläche um 3000 m2 erweitert. Die Erneuerung der Betriebseinrichtungen schloss eine zusätzliche Aufbereitungs- und Packstation mit elektronischer Qualitätssortierung für Kartoffeln sowie eine moderne Karottenverarbeitungslinie ein. Das Gebäude ist so konstruiert, wie es die Produktionsprozesse verlangen, damit sich die Warenströme auf kurzen Wegen optimal umsetzen lassen. Der Bau ist vollständig nach Minergie gebaut.

Innovative Technik.

Den Auftrag für die Lieferung eines Fördersystems, das die benötigten Leergebinde in der richtigen Menge zum richtigen Zeitpunkt vollautomatisch ab der Palette in der Behälterbereitstellungszone an die Kommissionierplätze transportiert, bekam der Intralogistik-Spezialist Gilgen Logistics. Die Hauptziele waren eine rasche Verfügbarkeit der Leergebinde am Verpackungs-standort, eine Leistungssteigerung beim Abfüllen in die Gebinde und ein rasches Abführen und Palettisieren der Gebinde unter Berücksichtigung von ergonomischen Arbeitsplatzeinrichtungen.

Technik im Detail.

Zum Einsatz kommen drei Behältertypen, zwei Sorten von IFCO-Gebinden sowie ein Gebinde der Migros. Die IFCO-Gebinde werden jeweils zusammengeklappt auf Paletten gestapelt angeliefert. Vor der automatischen Zuführung an die Kommissionierplätze in den Produktionsbereichen müssen die Leergebinde depalettiert werden. Die Aufgabe der Paletten auf die Anlage übernimmt ein Gabelstapler. Das Abschieben der Gebindetürme, die Gebindevereinzelung, die Abstapelung und das Aufrichten der zusammengeklappten Gebinde erfolgen vollautomatisch. Die leeren Europaletten werden automatisch gestapelt, mit Gabelstaplern manuell entfernt und im Blocklager zwischen gepuffert. Nach der Abstapelung und Vereinzelung der Gebinde transportieren Elevatoren diese auf eine Förderhöhe von 4,2 m. Die Ausschleusestellen sortieren die Gebinde in die Produktionsbereiche Karotten oder Kartoffeln und führen sie in sogenannte Loops, wo die Gebinde zwischengespeichert werden. Auf den Rundläufen in den Bereichen Kartoffeln und Karotten befinden sich jeweils Behälter jeden Typs.

IT-Support.

Im Automatikbetrieb bedienen Mitarbeiter die Anlage über die Stationspanels an den Arbeitsplätzen in den Produktionsbereichen Kartoffeln und Karotten. Über Eingabe auf einem Touchscreen am Bedienpanel können Mitarbeitende die verschiedenen Leerbehältertypen, sowie die gewünschten Gebindemengen für die Kommissionierung anfordern. Die Behälteranforderung wird erfasst und die entsprechenden Behälter schnell an den entsprechenden Kommissionierplatz gefördert. Die Behälter stehen dann an den Arbeitsplätzen auf ergonomischer Höhe auf Rutschen bereit. Das Steuerungssystem managt die Empfangsprioritäten an den Kommissionierplätzen, die Speicherloops, sowie die Behälterbereitstellungszone. Über eine Statusanzeige ist der Benutzer über den aktuellen Anlagenzustand informiert.

Drahtlose Verbindung auf allen Ebenen.

Da ein grosser Teil des Fördersystems in 4,2 m Höhe installiert ist, haben die Verantwortlichen für den technischen Dienst mobile Bedieneinheiten eingeplant. Sämtliche Förderelemente lassen sich über WLAN mit den mobilen Simatic Mobile Panel bedienen. Bei Störungen oder Optimierungen kann auf das System über Fernzugriff via VPN-Verbindung zugegriffen werden.

Die grösste Herausforderung bei der Umsetzung des Projektes bestand in der Integration der Anlage bei laufendem Betrieb. Die Leistungsdaten des Neu-baus in Bätterkinden sind eindrücklich: Die Lagerkapazität beläuft sich jetzt auf 24 000 Tonnen. Pro Stunde bereiten 80 Mitarbeiter auf modernen Anlagen 35 Tonnen Kartoffeln, 10 Tonnen Karotten und 5 Tonnen Zwiebeln auf. Mit neuer Technologie und weitgehend automatisierten Prozessen liessen sich bezüglich Effizienz und Produktqualität neue Massstäbe setzen. Das Ziel, die Betriebsabläufe zu optimieren und die Kapazitäten auszubauen, ist somit zur Zufriedenheit aller Beteiligter erreicht.



Weitere Informationen:
Gilgen Logistics AG
www.gilgen.com




Über ein Touchscreen am Bedienpanel können die Mitarbeitenden Leerbehältertypen und die Gebindemengen für die Kommissionierung anfordern