Eine Publikation der Swissprofessionalmedia AG
09.06.2015

Innovation entsteht durch Vernetzung von Ideen

Mit dem Agro Food Innovation Park schafft der Thurgau ein Zentrum zum Transfer von Wissen und Technik in der Land- und Ernährungswirtschaft. Die Digitalisierung schreitet in allen Bereichen des Lebens voran und eröffnet auch für Nahrungsmittelproduzenten und Landwirte neue Chancen. Um die Vision und Mission des Parks zu diskutieren, waren die Stakeholder am 27. Mai 2015 zu einem Workshop in der Kartause Ittingen geladen.

Der Leiter der Thurgauer Wirtschaftsförderung, Marcel Räpple, eröffnete den Nachmittag und zeichnete zusammen mit dem Projektleiter, Meiert J. Grootes, das Bild des künftigen Agro Food Innovation Parks in Frauenfeld. Als Kanton mit starker Agrarwirtschaft versteht sich der Thurgau als Kompetenzzentrum in Sachen Landwirtschaft und will mit Know-how sowie Partnern aus Industrie und Forschung die wirtschaftliche Entwicklung und nachhaltige Landwirtschaft fördern und nationale Ausstrahlung erlangen.
Braucht es noch einen Start-up Inkubator?
Der Start-up Boom liess Inkubatoren vielerorts wie Pilze aus dem Boden schiessen. Warum soll es eine weitere Initiative fernab von Hochschulen mitten im Grünen brauchen? Weil es trotz Nachfrage keine vergleichbare Institution in der Schweiz gäbe, erklären die Initianten. Zwar existieren das Cluster Food & Nutrition und Swissfood, aber diese würden andere Ziele verfolgen. Die Kernkompetenz des AFIP werde es sein, die richtigen Menschen und Ideen zusammen zu bringen und Projekten konkrete Starthilfe zu geben. Die Megatrends unserer Zeit beeinflussen Geschäftsmodelle und Kundenbedürfnisse enorm. So prägen zwei Strömungen die Landwirtschaft von morgen: Steigender Wohlstand angesichts Ressourcenknappheit und wachsende Nachfrage nach umwelt- und sozialverträglich produzierten Nahrungsmitteln. In diesen und anderen Themenkreisen leben wertvolle Geschäftsideen, denen der AFIP zum Durchbruch verhelfen will.
Von Food und Foodies:
Nach den Impulsreferaten der gedanklichen Väter des Parks, war die Bühne frei für Praktiker, die ihre Projekte skizzierten. Peter Fröhlich stellte seine App „agri circle“ vor, die dem deutschen Bauern hilft seine Felder zu bewirtschaften. Grosse Hürden lagen für die Jungunternehmer darin, Schnittstellen für die Verbindung mit weiteren Geräten und Anwendungen zu programmieren und gleichzeitig das Tool bekannt zu machen. Agri circle als ideales Produkt für das Vehikel AFIP würde von Investitionen und Netzwerken profitieren und grösseren Absatz finden. Gleich zwei Vertreter von Nahrungsmitteln aus Insekten stellten ihre Geschäftsidee vor. Meinrad Koch präsentierte einen von der Zürcher Hochschule für angewandte Wissenschaften ZHAW entwickelten Proteinriegel für den asiatischen Markt – ein Produkt, das ökologisch verträglich und günstig im Preis Mangelernährung bekämpfen soll. Zur selben Zeit treibt die Hochschule St. Gallen die Entwicklung von Lebensmitteln aus wirbellosen Tieren voran, zielt aber auf den wachsenden Markt umwelt- und gesundheitsbewusster Schichten mit hoher Kaufkraft ab. An den Insekten lässt sich zeigen, wie verschieden die sinnvolle Nutzung einer Innovation aussehen kann.
Neben steigendem Wohlstand und dem damit verbundenen Hunger nach Fleisch und Frischprodukten, steht der Mensch vor der Herausforderung immer knapper werdender Anbauflächen im Verhältnis zur Weltbevölkerung. Nicht nur die Schweiz ist nicht in der Lage, den Bedarf mit eigener Landwirtschaft zu decken. Deshalb wird seit Jahren geforscht, wie man in Städten und urbanen Zentren Nahrungsmittel produzieren könnte. Paul Wreford von Aquaponic Gardens teilte seine Erfahrungen als moderner Fischer und Gärtner in einer Person. In einem geschlossenen Kreislauf wird Wasser für die Fischzucht und den Gemüseanbau genutzt, wobei die Beete das Wasser filtern und die Fischexkremente als Dünger weiter verwendet werden. Weil diese Anlagen ortunabhängig aufgebaut werden können, verringern sich Transportwege und CO2-Ausstoss und alles landet frisch auf dem Teller. Grosse Detaillisten haben das Potenzial erkannt und sind auf den Zug aufgesprungen. Die Schlussrunde läutete Christiane Brugger ein und erzählte, wie sie neuartige, biologische Gin-Sorten destilliert, nach einer Finanzierung für ihr Geschäftsmodell suchte und mit Hilfe von Crowdfunding das nötige Kapital bekam. So breit gefächert die Ideen und Konzepte an diesem Workshop waren, so unterschiedlich die Geschäftsideen sein mögen, ein Markteintritt wird zukünftig dank dem AFIP leichter möglich sein.
Der AFIP versteht sich als Brücken bauende Plattform, die in der Schweiz erstmals Start-ups, Forschungsgruppen, Investoren und Konzerne im Agro Food-Bereich zusammenbringt. Wissenstransfer, Innovation, Start-up Förderung und das Bauen von Netzwerken stehen im Fokus, wenn ab Herbst 2015 im Thurgau das Zentrum seine Pforten öffnet.