Eine Publikation der Swissprofessionalmedia AG
13.07.2015

Wollen Schweizer Konsument/innen Insekten essen?

Ab nächstem Jahr dürfen in der Schweiz voraussichtlich Insekten für die menschliche Ernährung verkauft werden. Eine Studie von Konsumforschenden der BFH-HAFL zeigt: Das Interesse von Schweizerinnen und Schweizer an Lebensmitteln aus Insekten ist eher bescheiden.

Es gibt gute Gründe, Insekten statt Fleisch als alternative Proteinquelle zu nutzen: Ihre Produktion gilt als nachhaltig. Zudem liefern Insekten hochwertige Proteine mit einem tiefen Fettgehalt – sind also gesund. Wird die Produktion in industriellem Massstab betreiben, könnte die Alternative auch preislich interessant werden. Und letztlich eröffnen Insekten mit ihrem teilweise nussigen Geschmack auch neue sensorische Welten. «Solche Argumente kommen bei den Konsumentinnen und Konsumenten aber nicht immer an. Und wenn doch, haben sie noch nicht unbedingt einen Einfluss auf ihr Konsumverhalten», erklärt Thomas Brunner, Dozent für Konsumentenverhalten an der Hochschule für Agrar-, Forst- und Lebensmittelwissenschaften HAFL der Berner Fachhochschule. Gemeinsam mit Forschungskolleg/innen hat er eine umfassende Bevölkerungsbefragung in der Deutsch- und Westschweiz durchgeführt. Ziel: die Bereitschaft von Schweizer Konsument/innen, Insekten zu essen und ihre Gründe dafür herauszufinden.

Nachhaltig und gesund, aber...
Die Befragten beurteilten alle vier Argumente bezüglich Nachhaltigkeit, Gesundheit, Preis und Geschmack eher neutral. Sie fanden diese im Schnitt also weder «sehr zutreffend», noch «gar nicht zutreffend». Die Verweise auf die Nachhaltigkeit und die Gesundheit erhielten dabei noch die höchste Zustimmung. Das sind auch am ehesten die Gründe, wieso Insekten in den Speiseplan integrieret würden. Die Bereitschaft dazu ist aber gering. Rund 16 Prozent der Befragten haben bereits einmal Insekten gegessen, die meisten aus Neugierde. Zirka ein Viertel von ihnen gab jedoch an, dass sie nicht öfter Insekten essen, weil ihnen dazu die Gelegenheit fehle. Auch bei den Befragten, die noch nie Insekten probiert haben, gab fast ein Drittel das fehlende Angebot als Grund an. Trotzdem: Hauptgrund, wieso sie lieber die Finger davon lassen, ist Ekel (44 Prozent).

Romandie weniger skeptisch. In der Westschweiz ist die Thematik der Entomophagie, also des Verzehrs von Insekten, nicht nur besser bekannt. Die Bevölkerung in der französischsprachigen Schweiz ist ihr gegenüber auch offener. Interessantes Detail: Der Geschmack hat in der Romandie offenbar eine wichtigere Rolle als in der Deutschschweiz. Jedenfalls stimmten sie dem Argument deutlich stärker zu, dass Insekten auch eine geschmackliche Bereicherung sein könnten.
Egal ob in der Deutsch- oder der Westschweiz: Die Vermarktung von Insekten als Lebensmittel ist in der Schweiz kein leichtes Unterfangen. Nur wenige würden zu solchen Produkten greifen und selbst dann meist nur aus Neugierde.

HAFL
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