Eine Publikation der Swissprofessionalmedia AG
Verfahrenstechnik: Ausgabe 11/2016, 01.11.2016

Sicherheit für jedes individuelle Produkt

Hochwertige Produkte mit entsprechend hohem Preis laufen ständig Gefahr, gefälscht zu werden. Die Serialisierung ist eine Methode, mit der sich, auf Basis verschlüsselter Codierungen, nicht nur Chargen, sondern jedes einzelne Produkt eindeutig kennzeichen lässt.

Autor: Thomas Völcker Marketingmanager

Bilder: Schreiner Group GmbH & Co. KG

Kunstdünger gehört nicht in die Zuckerdose, Kupfersulfat nicht in Oliven, und keines von beiden möchten wir gerne essen. Dennoch fanden Europol und Interpol Beispiele von beidem bei einer konzertierten Durchsuchungsaktion. In nur drei Monaten beschlagnahmten die Behörden 10 000 Tonnen gefälschter Lebensmittel, zusätzlich eine Million Liter Getränke. Doch so gross dieser Erfolg auch scheinen mag: die kriminelle Energie von Fälscherbanden können sie nicht stilllegen. Im Zeitalter des weltweiten Handels sind die Behörden oft nur zu stichprobenartigen Kontrollen in der Lage. Umso wichtiger, dass Produzenten Wege finden, Fälschungen zu stoppen und Verbraucher in die Lage zu versetzen, selber die Echtheit eines Lebensmittels prüfen zu können.

Verschlüsselte Codierung.

Deshalb greift die Industrie zunehmend auf erprobte Systeme und Methoden zurück, um ihre Produkte zu schützen und die Wertschöpfungskette sicherer zu machen. Offene und verborgene Sicherheitsmerkmale bieten einen zuverlässigen Originalitätsschutz.

Unter dem Schlagwort «Serialisierung» verfolgen viele Hersteller nun eine eindeutige Kennzeichnung auf der Basis verschlüsselter Codierungen. Die Serialisierung ist ein wirksames Mittel, um Verbraucher und Marke zu schützen: Sie unterstützt bei der Qualitätssicherung, eine Rückverfolgung über die Distributionskette gestattet die Einbindung des Kunden und bietet in Kombination mit Originalitätsmerkmalen auch Fälschungsschutz. Ihr Einsatz ist zudem finanziell sinnvoll: nicht nur lässt sich der Verlust durch Fälschungen senken, sondern die Gefahr von Lebensmittelskandalen und ihre Folgen für die Marke verringern. Denn verlorenes Vertrauen können Unternehmen nur durch kostspielige Imagearbeit wieder gewinnen.

Für jedes Produkt ein eigener Code.

Ein lückenloses Tracking von Lebensmitteln, vom Ursprung bis zur Ladenkasse, ist essenziell für die Qualitätsüberwachung, die Rückverfolgung und die Reaktion im Krisenfall. Dabei ist der Einsatz von Barcodes und 2D-Codes in der Produktkennzeichnung allgegenwärtig. In der Regel kennzeichnen Hersteller Produkte heute nur mit einer Artikelnummer. Ein weiterer variabler Aufdruck referenziert Herstellungsnummer und Verfallsdatum. Dies erfüllt zwar die gesetzliche Anforderung, erlaubt aber nicht die individuelle Identifikation und Rückverfolgung einzelner Produkte.

Die individuelle Markierung jedes Produktes spielt zukünftig eine immer wichtigere Rolle für Industrie und Endkunden. Bei der Serialisierung lässt sich die klassische Typbezeichnung um eine einzelstückspezifische, offene oder verschlüsselte Nummerierung ergänzen. Produkte eines Auftrages, einer Charge oder eines Batches erhalten nicht mehr den gleichen Code, sondern jeweils eine einzigartige Kennzeichnung.

Die Serialisierung bietet dem Lebens-mittelhandel Chancen und erfüllt vielfältige Aufgaben: von der Steuerung interner Logistikprozesse über die Überwachung von Distributionsketten, bis zum Angebot von produktspezifischen Mehrwertdiensten. Alle relevanten Informationen, wie zum Beispiel die Historie von Qualitätsprüfungen, sind in einer digitalen Akte zusammengefasst. Bestellungen, Lie- ferungen und Reaktionen, beispielsweise im Falle eines Rückrufs, funktionieren sicher und schnell. Gesetzgeber und Branchenverbände unterstützen den Trend zum Einsatz von serialisierten Erkennungszeichen in Form von standardisierten Codes. Standards fördern eine einheitliche Sprachweise und erleichtern die industrieweite Kommunikation und Automation von Prozessen.

Track & Trace plus Fälschungsschutz durch variable Codes.

Die Serialisierung allein bietet jedoch kaum Schutz, weil Betrüger sie leicht kopieren und fälschen können. Insbesondere bei Lebensmitteln ist ein Authentifizierungssystem sinnvoll, das auch dem Endverbraucher selbst die Echtheitskontrolle gestattet. Immer mehr Produkte kennzeichnen Hersteller deshalb variabel, um es einem breiten Nutzerkreis zu ermöglichen, sie auf Echtheit zu prüfen und weitere Infor-mationen aufzurufen.

Dank der breit verfügbaren Barcode-Leseranwendungen mittels Smartphone- Apps, bieten modular aufgebaute Tracingsysteme eine schnelle internetbasierte Identifikation. Jedes Produkt erhält dazu einen einzigartigen verschlüsselten Code. Durch Eingabe des Codes auf der Herstellerwebsite oder über das Handy können Konsumenten die Originalität prüfen. Für die mobile Abfrage wird er linear oder als 2D-Code aufgedruckt, beziehungsweise auf einem NFC-Chip gespeichert. Mittels einer Barcode-App liest der Anwender den Code aus und startet die vollautomatische Entschlüsselung der Codeinformation.

Immer öfter verbinden Unternehmen die variable Codeinformation mit einem daneben applizierten Fälschungsschutzmerkmal. Ein «statisches» Merkmal wie zum Beispiel ein Hologramm oder ein Kundenlogo – in Sicherheitsfarbe gedruckt – lässt sich durch einen optischen Vergleich authentifizieren. Variable Fälschungsschutzmerkmale, wie ein Sicherheitspapier mit Melierfasern, einem gedruckten Zufallsmuster, Bildpunkten oder in Kunstharz vergossenen Luftbläschen authentifizieren jeden einzelnen individuellen Code über eine Datenbankabfrage. Diese Abfrage ist als sogenanntes «selbstverifizierendes» System über eine Verschlüsselung ohne Internetanschluss realisierbar, wenn der variable Code individuelle Merkmale des Fälschungsschutzmerkmals referenziert. In der Regel lassen sich jedoch die variablen Informationen online über eine Datenbank prüfen.

Originalitätsprüfung durch Sicherheitsmerkmale.

Je nach Zielgruppe, die die Echtheit prüfen soll, können die Merkmale zum Fälschungsschutz sichtbar, verborgen oder digital sein. Alle Merkmale können individualisiert und nach dem Baukastenprinzip frei miteinander kombinierbar sein. So entstehen hoch komplexe Sicherheitslabel, die Fälschern erfolgreich das Handwerk legen.

Offene Merkmale wie Hologramme oder Sicherheitskippfarben erlauben eine schnelle Echtheitskontrolle ohne Einsatz von Hilfsmitteln. Aufgrund des Imitationsrisikos durch professionelle Fälscher empfehlen Experten eine Kombination mit weiteren verborgenen und digitalen Techniken. Hilfsmittel wie spezielle Lesegeräte oder ein Teststift, machen verborgene Merkmale zum Originalitätsschutz erst sichtbar. Hier kommen vor allem Techniken aus dem Hochsicherheitsdruck zum Einsatz. Möglichkeiten sind hierbei die Einarbeitung von geruchs- und farblosen Taggants in die Druckfarbe, die Integration von mikroskopisch kleinen Mikro-partikeln oder ein synthetisch erzeugter DNA-Code.

Digitale Sicherheitsmerkmale nutzen computergenerierte und hoch verschlüsselte Codierungen als Klarschriftnummer, 2D-Codes (zum Beispiel den QR- oder Datamatrix-Code) oder spe-zielle Rauschmuster, um eine Echtheitsprüfung online über mobile Endgeräte zu ermöglichen. Idealerweise verbindet die jeweilige Kennzeichnung maschinenlesbare Codes und Echtheitsmerkmale. Eine Option hierfür ist die Kopierschutz-technik «BitSecure», die auf einem digitalen Rauschmuster basiert und sich mit Handscannern oder auch über die Kamerafunktion von Smartphones auslesen lässt.

Durch die optimale Verbindung von Identifikations- und Fälschungsschutztechnologien entsteht eine sinnvolle Symbiose, von der alle Beteiligten gleicher- massen profitieren.



Weitere Informationen:
Schreiner Group GmbH & Co. KG
www.schreiner-group.com