Eine Publikation der Swissprofessionalmedia AG
Branchenfokus: Ausgabe 12/2016, 06.12.2016

Die Welt verändert sich, die Schweiz auch?

Das Jahr 2016 hatte einige Überraschungen für die Wirtschaft parat, die es in sich haben. Darum haben wir namhafte Geschäftsführer nach ihrer Meinung gefragt. Doch lediglich Thomas Amstutz, CEO von Feldschlösschen, erwies sich als mutig und weitblickend.

Autor: Redaktion LT

Bilder: Feldschlösschen Getränke AG

Die letzten Monate waren von vielen Ereignissen geprägt, deren Auswirkungen sich erst noch zeigen werden. Auch wenn die Schweiz kein Mitglied der EU ist, ist sie dennoch nicht von allem los- gelöst. Daher haben wir Thomas Amstutz, CEO von Feldschlösschen, als Branchenleader nach seiner Meinung gefragt.

Herr Amstutz: Die vergangenen Monate, waren von Ereignissen wie zum Beispiel dem Brexit geprägt. Welche Herausforderungen galt es für Ihr Unternehmen zu bewältigen?

Das Jahr 2016 war ein Übergangsjahr. Nach dem Frankenschock 2015 war die Wirtschaft sehr alarmiert und die Konsumentenstimmung verunsichert. Im 2016 hat sich dies wieder etwas gelegt. Die Verunsicherung ist nicht verschwunden aber etwas verblasst. Ein grosses Thema ist nach wie vor der Einkaufstourismus und der Rückgang im Tourismus, der sich auch auf unser Geschäft auswirkt. Als Unternehmen, das in der Schweiz produziert, haben wir die permanente Aufgabe, an unserer Effizienz zu arbeiten. Wir müssen ständig beweisen, dass wir Meister in punkto Qualität und Flexibilität sind. Wir haben in diesem Sommer ein Zusatzvolumen Bier für unsere Schwestergesellschaft, die Brasserie Kronenbourg im Elsass, produziert, die aufgrund der erhöhten Nachfrage für die Fussball-Europameisterschaft einen Engpass hatte. Wir sind überzeugt, das dies der Weg ist, den Unternehmen wie wir gehen müssen: Wir müssen auf unsere Tugenden Zuverlässigkeit, Qualität und Flexibilität setzen und uns so auch für Aufträge attraktiv halten.

Die Annahme der Masseneinwanderungsinitiative hat die Politik im Moment mit der Inländervorrang-Regelung «umgesetzt». Was bedeutet das für Sie?

Die zusätzliche Dokumentationspflicht wird unseren administrativen Aufwand erhöhen. Und wir sind benachteiligt was globale Projekte betrifft. Für gruppenweite Projekte wird die Schweiz weniger attraktiv sein, wenn wir Arbeitsbewilligungen nicht in nützlicher Frist erhalten. Dieser Umstand schwächt den Standort Schweiz sicherlich. Es ist zu hoffen, dass eine möglichst unbürokratische Umsetzung folgt, denn Flexibilität ist eine Stärke der Schweizer Wirtschaft.

Am 1. Januar 2017 tritt die Swissness-Vorlage in Kraft. Mit welchen Auswirkungen rechnen Sie?

Die Swissness-Diskussion hat die Brauereibranche lange und intensiv beschäftigt. Im Verordnungsrecht zur Swissness-Vorlage wurde aber bereits 2015 klargestellt, dass das Brauwasser beim Bier wesensbestimmend ist und somit an dessen Swissness angerechnet werden darf. Dieser Lösungsansatz war richtig und wichtig für die Branche.

Die beiden letzten Jahre waren bei vielen Unternehmen von Vorsicht und Zurückhaltung bei Investitionen geprägt, wie sehen Sie die Situation für 2017?

Wir haben in den letzten Jahren immer in den Standort investiert und gerade auch in Jahren in denen die Wirtschaft von Unsicherheitstendenzen geprägt war, haben wir in neue Techniken investiert, um uns für die Zukunft zu rüsten und um auch innerhalb unserer Unternehmensgruppe wegweisende Projekte übernehmen zu können. Auch für 2017 sind Investitionen geplant.

Was erwarten Sie im nächsten Jahr für Ihre Branche?

Der Markt ist sehr kompetitiv und die Anzahl Brauereien nimmt enorm zu. Wir erwarten einen Biermarkt, der stagniert respektive leicht rückläufig ist. Der Trend zu regionalen und internationalen Spezialitäten wird anhalten. Als Marktführer ist es unsere Aufgabe, das breiteste und wettbewerbsfähigste Bierportfolio der Schweiz anzubieten. Mit 40 verschiedenen Bieren und laufend neuen Innovationen sind wir ein starker Partner für Gastronomie und Detailhandel. Diese Stärke werden wir weiter ausbauen und Innovationen vorantreiben.




Thomas Amstutz, CEO von Feldschlösschen will Innovationen weiter ausbauen

Diese Fragen haben wir auch folgenden Unternehmen geschickt, die es jedoch vorzogen haben dazu zu schweigen: Abacus, Barry Callebaut, Beneo, Bühler Group, Coca Cola, DSM, Multivac