Eine Publikation der Swissprofessionalmedia AG
Prozessautomatisierung: Ausgabe 12/2016, 06.12.2016

Digitale Transformation in Lebensmittelfabriken

Im Rahmen ihrer Automatisierungs- und Digitalisierungsstrategie hat Emmi in ihren sechs grössten Schweizer Produktionsstandorten ein Manufacturing Execution System (MES) eingeführt. Die massive Effizienzsteigerung dürfte Einsparungen in Millionenhöhe bringen.

Autor: Philipp Metzler Senior Editor C-Factor

Bilder: Schneider Electric/Emmi AG

Emmi ist seit ihrem Börsengang vor rund 10 Jahren stark gewachsen und verarbeitet mittlerweile die Milch jeder vierten Schweizer Milchkuh, insgesamt 900 000 Tonnen pro Jahr. Daraus entstehen europaweite Bestseller wie der Milchkaffee «Caffè Latte» sowie immer wieder neue, vielfältige Käse- und Frischprodukte. Diese produziert die Milchverarbeiterin schweizweit an 20 Standorten.

Ein «Zoo an IT-Systemen» vereinheitlicht.

Mit jeder Akquisition kamen jeweils neue Prozessleitsysteme hinzu. Es war ein ganzer «Zoo an IT-Systemen», den Emmi gemäss Projektleiter Reto Stocker hütete. Die Beschaffung von produktionsrelevanten Daten – beispielsweise ungeplante Stillstandszeiten von Maschinen – war extrem aufwändig, da Mitarbeiter alle Daten von Hand erfassen und auswerten mussten. Die Einführung eines konzernweiten ERP-Systems bot die Chance, auch das Produktionsleitsystem (MES) zu vereinheitlichen und zu digitalisieren.

Die Milchspezialisten setzten die Softwarelösung Wonderware von Schneider Electric bereits erfolgreich für Prozessleitsysteme ein. Die Verantwortlichen entschieden sich unter anderem auch deshalb, beim übergreifenden Produktionsleitsystem auf Wonderware zu setzen. Als Systemintegrationsspezialist kam das Team von acs zum Zug. Das 30-köpfige Unternehmen ist spezialisiert auf die Integration von Automations- und Manufacturing-IT-Softwarelösungen.

350 Fertigungsmaschinen integriert.

In der nun abgeschlossenen Projektphase hat Emmi die grössten sechs Schweizer Fabriken digitalisiert. Dank des standardisierten Produktionsprozesses liessen sich die Effizienzpotenziale heute viel rascher orten und umsetzen, erläutert Thomas Arnold, Produktionsleiter des zweitgrössten Schweizer Emmi-Werks in Emmen. Alle Daten stehen zeitnah zur Verfügung – «from shop floor to top floor», wie es heisst, also für den Fabrikarbeiter genauso wie für den Plant Manager. Das Team von acs hat sämtliche Produktionsschritte detailliert abgebildet und innert zwölf Monaten insgesamt 350 Maschinen ins MES integriert. Dies an den Standorten Suhr, Emmen, Langnau, Dagmersellen, Kirchberg und Ostermundigen. Die Technologieplattform Wonderware eignet sich optimal dafür, heterogene Systeme zusammenzuführen und ist bereit für die künftige Entwicklung des Konzerns. Damit hat die Milchverarbeiterin ein wichtiges Ziel erreicht: Die IT unterstützt neue Geschäftsmodelle sowie die rasche Umsetzung neuer Produktideen – wie beispielsweise der kürzlich lancierte Porridge – statt sie zu behindern. Ein weiterer wesentlicher Vorteil für die Lebensmittelproduktion ist die durchgängige Rückverfolgbarkeit: musste das Personal früher ganze Papierberge durchforsten, um ein Problem bei der Produktherstellung zu eruieren, genügt heute ein Knopfdruck dafür.

Die neuen IT-Systeme werden dabei dezentral betrieben und die Daten in einer Private Cloud gespeichert, um die Anfälligkeit von äusseren Ereignissen weitgehend gering zu halten. Dieser Ansatz hat sich im ersten Halbjahr bewährt, läuft das MES doch sehr stabil.

Wertvolle Daten.

Die Produktionsmitarbeite haben die Umstellung von Papier – das aus den Fabriken vollständig verschwunden ist – auf Scanner, Touchscreen und Handheld-Computer gut aufgenommen, wie Projektleiter Stocker versichert. Jeder einzelne Arbeitsschritt ist nun detailliert messbar: von der Anlieferung der täglich rund 300 000 Liter Milch in Emmen bis hin zu Palettierung und Abtransport der Produkte. Insgesamt fallen bis zu 10 000 Systemmeldungen an, die das MES verarbeitet – pro Tag und Standort. «Mit Wonderware haben wir erstmals alle Produktionsdaten zur richtigen Zeit am richtigen Ort. So können wir die Sicherheit und Performance der Produktion laufend optimieren», bilanziert Thomas Arnold. Eine Investition, die sich rechnet. Im besten Fall ist sie bereits nach zwei Jahren amortisiert und bringt Einsparungen in Millionenhöhe.

Per Touchscreen bedienen Mitarbeiter inno-vative Anlagen



Weitere Informationen:
Schneider Electric
www.schneider-electric.ch
Wonderware SA
www.wonderware.ch
acs
www.acs-ag.ch




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