Eine Publikation der Swissprofessionalmedia AG
Materialfluss und Logistik: Ausgabe 12/2016, 06.12.2016

Materialfluss in der Käseproduktion

Hauchdünn aufgeschnittene Käsescheiben lassen nicht erahnen, dass ihre Herstellung echte «Schwerarbeit» ist. Besonders das Handling der bis zu 100 kg schweren Käselaibe verlangt viel Kraft – oder besser gesagt moderne Technik zum mühelosen Transport.

Autor: Arthur Kemény

Bilder: Arthur Kemény

Als innovative Premium-Molkerei ist Emmi einer der führenden Anbieter von Schweizer Käse im In- und Ausland. Seit 1953 lagert die Molkerei in der Kaltbachhöhle nahe Sursee Käselaibe in gleichbleibender Luftfeuchtigkeit von 96 Prozent, bei 10 bis 12 °C. Während der Reifung in der Sandsteinhöhle entwickelt sich der Käse zu einer besonderen Spezialität. Selektion, Pflege sowie das Höhlenklima ergeben schliesslich einen Kaltbachkäse. Neben der Käseveredelung bildet die Käseproduktion das zweite Standbein des Emmi-Betriebs in Kaltbach: Jährlich entstehen hier aus rund 38 Millionen Tonnen Milch etwa 4000 Tonnen Käsespezialitäten. Um die «Schwergewichte» leicht heben und transportieren zu können, braucht es im Zeitalter der Automation zum Glück keine Muskelkraft mehr. Moderne Technik ist dafür verantwortlich, dass sich die Käselaibe per Knopfdruck wie von allein bewegen.

Baden vor dem Ruhen.

Ein wesentlicher Prozess, den nahezu alle Käsearten bei der Herstellung durchlaufen, ist das Salzbad. Weich-, Halbhart- und Hartkäse liegen für mehrere Stunden in diesem Bad, bevor ein bis zu neun Monate dauernder Reifeprozess in der Höhle die Herstellung abschliesst. Vieles erledigen die Käsespezialisten noch manuell, denn der Umfang an Spezialitäten und Varianten ist gross. Doch für einige Aufgaben – insbesondere denTransport der Schwergewichte – nutzt die Käserei einen Laufkran.

Maximal 750 Laibe sind auf einem Transportgitter, der sogenannten Salzbadhurde, aufgeschichtet. Mittels einer speziellen Lastaufnahme hebt ein GIS-Laufkran die bis zu 900 kg schwere Hurde schonend an, um sie dann in ein freies Becken sicher abzusenken. Nach Ablauf der «Badezeit» bringt die Krananlage die Einheit vom Becken auf ein Untergestell zum Weitertransport in die Kaltbachhöhle.

Immun gegen Korrosion.

In den engen Gängen zwischen den Becken des Salzbades bleibt für eine Bedienperson nur wenig Raum. Diese dirigiert an der Funkfernsteuerung jede Bewegung, die der Untergurtlaufkran präzise ausführt. Sämtliche Funktionen erfolgen elek-trisch, frequenzgesteuert, mit Sanftanlauf: Anheben, Absenken sowie Kran- und Katzfahren. Damit das aggressive Salzbad keine negativen Auswirkungen auf die Krananlage hat, sind alle Komponenten, soweit es machbar ist, in Qualität V2A ausgeführt und widerstehen so dem korrosiven Klima.

Hygienegerecht und langlebig.

Der neue Zweiträger-Brückenkran, mit modernem, zwischengebautem Elektrokettenzug, gestattet eine optimale Ausnutzung der verfügbaren Raumhöhe. Beide Kranbahnen sind an Deckenkonsolen solide aufgehängt. Sowohl Fahrwerke, als auch die kundenspezifische Lastaufnahme sind mit Schutzschildern zur Verhinderung von Verunreinigungen ausgerüstet – ebenfalls in Edelstahl. Stromzuführungen in Längs- und Querrichtung erfolgen über Energieketten, womit störende Schleppkabel entfallen.

Krananlagen bewähren sich seit vielen Jahren bei Emmi im harten Praxis-einsatz. Zudem sind die Käsespezialisten mit den Serviceleistungen sehr zufrieden. So führte die partnerschaftliche Zusammenarbeit auch bei diesem Projekt zur erfolgreichen Inbetriebsetzung.


Weitere Informationen:
GIS AG, www.gis-ag.ch




Vor der Reifung in der Höhle nehmen die Weich-, Halbhart- und Hartkäse ein Salzbad


Mit einer speziellen Lastaufnahme hebt der Laufkran die bis zu 900 kg schwere Hurde an, um diese ins Becken abzusetzen und auch wieder herauszuholen