Eine Publikation der Swissprofessionalmedia AG
Ausgabe 12/2016, 06.12.2016

Nach den Herausforderungen ist vor den Herausforderungen

Autor: Ihr Marc Lutz SGLWT-Präsident

Bilder: Martin Beltinger, Binkert Medien AG

Das Jahr 2016 neigt sich dem Ende entgegen und wie jedes Jahr wird der Dezember zu wenige Tage haben, um alles zu erledigen. Viele von Ihnen mögen bei der Arbeit damit beschäftigt sein, die letzten Anstrengungen zur Erreichung der Jahresziele zu unternehmen. Privat stehen unter anderem Weihnachtsbesorgungen, Guetsli backen und Glückwunschkarten schreiben auf dem Programm.

Die Schweizer Lebensmittelbranche

war auch im 2016 stark gefordert. Der Kostendruck ist weiterhin hoch: die Bankenkrise 2009, der Eurokurssturz 2011, das Ende des Euro-Mindestkurses 2015 und der Brexit 2016. Sobald die neuen Massnahmen zur Steigerung der Wettbewerbsfähigkeit umgesetzt sind, wartet schon die nächste Herausforderung. Auch verschiedene Bundesämter hatten ein intensives Jahr. Das BLV musste sich durch mehrere Tausend Seiten Kommentare kämpfen, die die Gesetzesrevision Largo mit beinahe 2000 Seiten Verordnungstext – ausgedruckt 5,6 Kilogramm Papier – bei den betroffenen Kreisen auslöste. Die Auswirkungen werden für die Lebensmittelbranche gut verkraftbar sein. Das BLW publizierte im 2016 Leitfäden und FAQs wie die Ende 2015 publizierten Verordnungen, die die Swissness im Gesetz verankern, zu interpretieren sind. Neben dem Produktionsland wird für eine Schweiz-Auslobung von Lebensmitteln die Herkunft der Rohstoffe relevant. Per 1. Januar 2017 müssen nun die Unternehmungen sicherstellen, dass das Schweizerkreuz eine Verpackung nur ziert, wenn die geforderten 80 Prozent der in der Schweiz verfügbaren Rohstoffe darin enthalten sind. Der durchschnittliche Konsument wird kaum verstehen, warum bestimmte Lebensmittel auf der Vorderseite der Verpackung kein Schweizer Kreuz tragen dürfen, aber auf der Rückseite trotzdem als «Hergestellt in der Schweiz» gekennzeichnet sind. Die Lebensmittelhersteller können darauf hoffen, dass Trittbrettfahrer es künftig schwerer haben werden, Produkte ohne Swissness als solche darzustellen. Den Fachpersonen hat die Verordnung interessante Erkenntnisse beschert, wie dass es Wasser gibt, das wesensbestimmend ist oder dass der CH-Selbstversorgungsgrad von Sonnenblumenkernen 6,5 Prozent beträgt. Ebenfalls mit Interesse werde ich die Entwicklung des Selbstversorgungsgrads von Mehlwürmern und den anderen dank Largo neu erlaubten Insektenarten verfolgen, mit denen wir nächstens unseren Hunger stillen werden können.

Um dem Preisdruck

stand halten zu können, braucht es am teuren Werkplatz Schweiz noch mehr Innovation. Die Erkenntnis, dass der wichtigste Rohstoff der Schweiz die Bildung ist, ist schon alt. Dazu braucht es die Bereitschaft der Unternehmen Veränderungen voranzutreiben, ein gesundes Mass an Querdenken zuzulassen und neuen Idee eine Chance zu geben. Für erfolgreiche Innovationen ist die Vernetzung zentral. Die Voraussetzungen in der Schweiz sind mit den verschiedenen Innovationsförderprogrammen und -plattformen, der Nähe der Wirtschaft zu den hochklassigen Hochschulen, gut ausgebildetem Personal und zahlreichen Netzwerkmöglichkeiten einzigartig. Innovation dank Technologie ist in bester Schweizer Tradition, denn bereits vor rund 200 Jahren wurde mit der Erforschung neuer Technologien der Grundstein zur Etablierung der Schokoladeindustrie in der Schweiz geschaffen. Die Voraussetzungen waren auch damals nicht optimal, denn die Rohstoffe Kakao und Zucker mussten teuer aus dem Ausland eingeführt werden. Dass Jahrhunderte später die Schweiz weltweit bekannt ist für ihre exzellente Schokolade, ist alleine den Tüftlern und Pionieren zu verdanken, die neue innovative Technologien entwickelt haben. Lassen Sie uns weiterhin in bester Tradition die Welt mit Innovationen aus der Schweiz überraschen!

Fürs 2017 wünsche ich Ihnen frohe Festtage

sowie gute Gesundheit, viel Energie und Lebensfreude, damit Sie das Vorgenommene erreichen können. Nehmen Sie sich auch genügend Zeit, Ihre privaten und geschäftlichen Kontakte zu pflegen. Warum nicht an der nächsten SGLWT-Generalversammlung am 5. Mai 2017 in Sursee, es würde mich freuen Sie dort zu treffen.

Falls Sie am Jahresende aus irgendeinem Grund das ökologische Gewissen plagen sollte, hier noch der Hinweis auf eine Innovation aus der Schweiz: der Ökobeichtstuhl. Diesen gibt es unter anderem als Smartphone-App, welche Ihnen die Chance bietet, Ihre Umweltsünden zu beichten und dann aus verschiedenen Bussen auszuwählen, die dann Ihre Ökobilanz wieder ins Lot bringen. Die Absolution gibt’s aber nicht günstig, seien Sie deshalb gewarnt, denn der Betrieb einer Lichterkette mit 30 Metern Länge während der ganzen Adventszeit bedeutet 202 Stunden Fernseh-Verzicht!

«Es bleibt die Hoffnung, dass es Trittbrettfahrer schwerer haben werden»