Eine Publikation der Swissprofessionalmedia AG
Materialfluss und Logistik: Ausgabe 03/2016, 08.03.2016

Chaotische Lagerhaltung spart Platz und Geld

Lagerplätze können für ein Unternehmen ein teures «Vergnügen» sein, noch dazu, wenn der Platz begrenzt ist. Jungunternehmer haben sich dieses Problems angenommen und eine Mobile-App entwickelt, mit der Betriebe Platz und Geld sparen können.

Autor: Oliver Gaede, Verantwortlicher Beschaffung bei Gysi AG Chocolatier Suisse

Bilder: Shelfapp

Dem Bereich der internen Warenflusssteuerung schenken viele KMU heute noch nicht die nötige Beachtung. Das Einsparpotenzial durch eine professionelle Steuerung des Warenflusses und eine optimierte Lagerhaltung ist aber enorm. Problematisch ist jedoch, dass für KMU in diesem Bereich nur beschränkt Angebote für professionelle Softwarelösungen bestehen.

Lagerauslastung optimieren.

Gemäss der Theorie kann eine dynamische Lagerhaltung eine Lagerauslastung von bis zu 99 Prozent erreichen. In der Praxis sind es dann meist zwischen 80 und 90 Prozent. Ein Beispiel zeigt, welches Potenzial schon bei geringen Lagermengen für Unternehmen entsteht: Ein Unternehmen hat 500 Lagerplätze und kann mit einer statischen Lagerhaltung rund 65 Prozent, also 325 Plätze im Schnitt, belegen. Somit stehen immer noch 125 Plätze leer. Dies entspricht, bei durchschnittlich 15 Franken Fixkosten pro Monat, einem jährlichen Verlust von 22 500 Franken. Dies noch ungeachtet der allfälligen Kosten für externe Lagerhaltung. Eine Umstellung auf dynamische Lagerhaltung (auch chaotische Lagerhaltung) ist bei den meisten KMU sowie Grossbetrieben also ein unumgänglicher Schritt, um am Markt durch Effizienzsteigerung konkurrenzfähig zu bleiben. Es gibt diverse Möglichkeiten, eine dynamische Lagerhaltung umzusetzen. Diese reichen von einem Karteisystem, über Exceltabellen oder auch schlicht Mitarbeitererfahrung, bis hin zur modularen Bausatzlösung der gängigen Anbieter und dem allumfänglichen ERP mit integriertem Modul zur Lagerplatzverwaltung.

Viele Angebote ...

Ein Karteisystem ist allerdings fehleranfällig, aufwendig und schwerfällig wobei die Excellösung schlicht nicht praktikabel ist. Der Aufwand ist einfach zu hoch. Die heute am Markt erhältlichen Module zur Lagerplatzverwaltung sind meist zu teuer, falls lediglich ein Tool zur dynamischen Lagerhaltung gefragt ist und die Umstellung oder Anpassung des ERP-Systems ist eine langfristige Entscheidung, die weit mehr kostet als sich durch dynamische Lagerhaltung einsparen lässt.

... eine Lösung.

Dieses Problem war Thema einer Abschlussarbeit an der HAFL, die sich mit dem Beispiel eines bekannten KMU der Schweizer Lebensmittelbranche befasste. In der Arbeit hat der Student die oben genannte Thematik analysiert und schliesslich dem Entscheidungsgremium empfohlen, aufgrund des besten Kosten-Nutzen-Verhältnisses, ein adaptiertes Standardmodul eines kleinen Softwareanbieters einzuführen. In dieser Lösung war zwar für die Firma immer noch eine hohe Ersparnis zu erwarten, jedoch waren die Kosten für die Softwarelösung mit 20 000 bis 30 000 Franken aus Sicht des Studenten deutlich zu hoch.

Mobile-App.

Nach Abschluss des Studiums beschäftigte sich der Student deshalb weiter mit der Thematik und tüftelte mit einer Werbeagentur an einer Mobile-App zur dynamischen Lagerverwaltung. Kurze Zeit später war eine erste Version von Shelf geboren. Die kombinierte Web- und Smartphone-Applikation beherrscht eine Lagerplatzverwaltung zur Unterstützung der Prozesse bei der dynamischen Lagerung. Mit der Applikation lassen sich die internen Warenflüsse durch Aufzeichnung mittels Smartphone abbilden. Somit sind Artikel, Bestände und Chargen jederzeit nachverfolgbar. Zudem können Unternehmen auf der onlinebasierten Desktopversion jederzeit in Echtzeit die relevanten Reports zusammenstellen um die logistischen Kennzahlen zu erfassen.

Die Erfassung mittels Smartphone nutzt Endgeräte, die einerseits in den meisten Betrieben schon vorhanden sind und andererseits in der Beschaffung flexibel und kostengünstig sind. Die Software können Unternehmen einfach über den App Store beziehen. Für die Desktopversion ist keine Software nötigt. Hierdurch, sowie durch die einfache Abbildung von Standardprozessen, kann im besten Fall eine Einführung innert weniger Tage bis Wochen erfolgen. Je nach Anforderungen können Betriebe aber auch von den Standardprozessen abweichen und in kurzer Zeit einen den Anforderungen entsprechenden Prozess abbilden.

Ready to use.

Aktuell stehen die Entwickler mit besagtem KMU in Verhandlung, um die App zur Marktreife zu bringen. Eine ausführliche Testphase ist für dieses Frühjahr in Aussicht. Zudem haben schon Betriebe aus der Elektro- branche ihr Interesse an der Appli- kation angekündigt. Hierzu ist jedoch eine Abwandlung des Prozesses und somit eine eigenständige Applikation geplant, da die Anwendung und die Bedürfnisse stark von der bestehenden Version von Shelf abweichen.


Weitere Informationen:
Shelfapp
www.shelfapp.ch