Eine Publikation der Swissprofessionalmedia AG
Ausgabe 04/2016, 04.04.2016

Rostfreier Stahl bringt Sie weiter

Abrasive Medien und aggressive Reinigungsmittel sind für Anlagen und Maschinen eine echte Herausforderung. Um diese sicher zu bewältigen, sind spezielle Werkstoffe nötig. Gehärteter, rostfreier Stahl vereint Vorteile in sich, die das Ausgangsmaterial nicht hat.

Autor: Robin Senn Key Account Manager

Bilder: Härterei Gerster AG

Über den Tellerrand blicken und auch mal in andere Industriebranchen schielen, kann für die Entwicklung von innovativen Maschinen und Anlagen einen deutlichen Wettbewerbsvorteil bringen. Beispielsweise ist das Härten von rostfreiem Stahl, das unter anderem in der Automobil- oder Medizintechnik schon lange Einzug gehalten hat, auch für die Lebensmittelindustrie interessant. Denn mit dem sogenannten Hard-Inox Verfahren lassen sich Diffusionsschichten erzeugen, die eine neue Struktur in Oberflächen bringen. Diese weisen eine verbesserte Korrosionsbeständigkeit und eine erhöhte Oberflächenhärte auf, was besonders im Umgang mit aggressiven Reinigungsmitteln und abrasiven Lebensmitteln von Vorteil ist.

Dienstleister für metallische Werk-stoffe.

Ein Unternehmen, das sich mit Härten von Stählen einen Namen gemacht hat, ist die Firma Gerster in Egerkingen. Das 1950 als Sondermaschinenbauer gegründete Familienunternehmen bringt den reichhaltigen Erfahrungsschatz von 65 Jahren Härterei- und Wärmebehandlungstechnik mit und ist damit in der Lage, seinen Kunden die optimale Unterstützung zu geben. Der heute in dritter Generation geführte Betrieb bietet in seinem vielfältigen Dienstleistungsportfolio, neben der Wärmebehandlung metallischer Werkstoffe als Lohnhärter, auch Beratung und Contracting an. Gemeinsam mit den Kunden erarbeiten die Gerster-Spezialisten Lösungen, um das Endprodukt zielgerichtet zu gestalten. Die Sinnhaftigkeit dieses Angebots zeigt sich in der Tatsache, dass sich viele Firmen zu wenig bewusst sind, dass bei aktiver Abstimmung von Konstruktionen und Härteprozessen, sowohl bessere Resultate als auch Preisvorteile anfallen können. Darum lohnt es sich schon in der Entwicklungsphase, bei Kundenprojekten eine Beratung in Anspruch zu nehmen. Damit lassen sich Fertigungsabläufe optimieren, respektive Produktlebenszyklen verlängern. Typi- sche Resultate solcher Beratungsdienstleistungen sind Kostenreduktion, Durchlaufzeitverkürzung oder Standzeiterhöhung. Eine Spezialität der Härterei Gerster ist die breite Verfahrenspalette mit 13 Härteverfahren – darunter drei unterschiedliche Verfahren zum Härten von rostfreiem Stahl. Zwei dieser Verfahren hat das Unternehmen selbst entwickelt und positioniert die Firma Gerster als den Wärmebehandler mit einem der breitesten Angebote von Verfahren zum Härten von rostfreien Stählen am Markt.

Vorteile für die Lebensmittelindustrie.

Die Lebensmittelindustrie stellt hohe Ansprüche an Maschinen, Prozesse und Produktion. Zuverlässigkeit, Dauerhaftigkeit, geringe Unterhaltskosten und die restlose Reinigung der Anlagen sind zentral. Die Wahl der richtigen Werkstoffe und der geeigneten Wärmebehandlung, um die gewünschten Eigenschaften wie beispielsweise Korrosions- und Verschleissbeständigkeit zu erlangen, sind ausschlaggebend. Mit dem Hard-Inox Verfahren können in einem Prozessschritt die Härte, und parallel dazu die Korro-sionsbeständigkeit von rostfreien Stählen, erheblich erhöht werden. Zertifiziert unter anderem nach ISO/TS 16949 (Automobil) und ISO 13485 (Medizintechnik), ist die Härterei Gerster auf hohe Ansprüche ausgerichtet. Mit validierten Anlagen und Prozessen wird die Reproduzierbarkeit und somit Sicherheit für die Werkstücke im späteren Einsatz garantiert. Auch die Prüfgeräte sind validiert. Im eigenen Labor führt die Firma Gerster im Zusammenhang mit Qualitätskontrollen, Entwicklungsprojekten oder im Kundenauftrag unter anderem metallografische Untersuchungen, Härte- und Rissprüfungen sowie mechanische Prüfungen durch.


Weitere Informationen:
Härterei Gerster AG
www.gerster.ch



STAHL HÄRTEN

Das Hard-Inox-Verfahren hat zwei Ausprägungen:

Beim Hard-Inox-P-Verfahren können die Spezialisten mit Stickstoff und hohen Temperaturen die Härtewandlung vollziehen. Das Resultat ist eine erhöhte Oberflächenhärte mit einer verbesserten Korrosionsbeständigkeit.

Das Hard-Inox-S-Verfahren ist eine Art des Nitrierens bei niedrigen Temperaturen. Damit lassen sich «weiche» Strukturen härten und Stähle herstellen, deren Härte um das drei- bis sechsfache des Grundmaterials erhöht ist und gleichzeitig eine hohe Korrosionsbeständigkeit aufweist.

Beide Verfahren erzeugen eine Diffusionsschicht, die ein untrennbarer Teil der Oberfläche ist, und damit nicht «abplatzen» kann.

STAHL HÄRTEN

Vorteile des Verfahrens zum Härten der meisten Lebensmittelstähle mit dem Hard-Inox-S Verfahren:

  • Austenitische rostfreie Stähle werden verschleissfest und behalten ihre Korrosionsbeständigkeit
  • Erhalt von polierten Oberflächen und der Keimfreiheit durch hohe Härte von bis zu 1100 HV (keine Kratzer)
  • Ideal gegen Kaltverschweissen und Fressverschleiss
  • Verzugsarm
  • Einsatztemperaturen bis 350 °C
  • Schweissbare Werkstoffe bleiben schweissbar
  • Anwendungen: Armaturen, Ventile, Reibflächen, Federn, Klemmen, Scharniere
  • Optimale Ergebnisse mit molybdänhaltigen Werkstoffen 1.44xx
  • Einhärtungstiefen von bis zu 30 Mikrometern