Eine Publikation der Swissprofessionalmedia AG
Wissenschaft und Forschung: Ausgabe 04/2016, 04.04.2016

So bleibt Ihr Betrieb up to date

«Never change a running system» scheint die Devise vieler Unternehmen zu sein, denn oftmals scheuen sie Veränderungen. Doch wer regelmässig seine kompletten Produktionsabläufe hinterfrägt, erkennt schneller, wo es noch Verbesserungspotenzial gibt.

Autor: Rainer Schulz Geschäftsführer

Bilder: sysmat GmbH

Unternehmenserfolge in der Lebensmittelindustrie erfordern neben einem guten Produkt ein hohes Mass an Produktionsplanung. Bestehende Betriebe benötigen Veränderungen, um weiterhin am Puls der Zeit zu agieren. Doch sie stehen vor Hürden: Lebensmittelbetriebe sind dazu verpflichtet, Vorschriften zur Lebensmittelsicherheit einzuhalten. Gerade dadurch ist in der Lebensmittelbranche das Just-in-time-Prinzip enorm wichtig. Im Supply Chain Management muss demnach alles reibungslos funktionieren. Eingebaute Systeme spielen oft eine entscheidende Rolle. Während Betriebe wichtige Punkte der Lebensmittelsicherheit, wie Kühlung oder Mindesthaltbarkeit, über das Enterprise Resource Planning (ERP) oder Warehouse-Management-System (WMS) steuern können, gibt es, gerade beim Materialfluss, noch Chancen zur Optimierung. «Produzierende Unternehmen müssen sich ständig damit beschäftigen, wie sie effizienter arbeiten, um wettbewerbsfähig zu bleiben», sagt auch Rainer Schulz, Geschäftsführer von Sysmat. Seit mehr als 25 Jahren beschäftigt er sich damit, Anlagen und Lager zu modernisieren.

Stetige Optimierung erforderlich.

Im Lebensmittelbetrieb ist nicht nur das Produkt entscheidend für Erfolg – auch eine effiziente Produktion entscheidet darüber, ob ein Unternehmen wirtschaftlich arbeitet. Für eine bessere Wirtschaftlichkeit sorgen daher, neben kreativen und innovativen Produkten, auch neue Techniken und schlanke, effiziente Prozesse. Zudem können Unternehmen durch regelmässige Überprüfung ihrer Vorgänge auf lange Sicht enorme Kosten sparen. Wer regelmässig seine gesamten Abläufe hinterfragt, erkennt, wo es noch Stellschrauben zur Verbesserung gibt. Durch die Entwicklung neuer Techniken ergeben sich gleichzeitig Gelegenheiten für Optimierungen, die bisher nicht vorhanden waren, beispielsweise können sie Einlagerung oder Verpackung von Ware effizienter gestalten.

Doch viele Betriebe scheuen Veränderungen: Bereits im Jahr 2013 stellte eine Studie der Pricewaterhouse Coopers fest, dass deutsche Unternehmen zu wenig in technologische Innovationen investieren und dadurch viel Potenzial verlieren. Wer sich ausschliesslich mit dem Verkauf seiner Produkte beschäftigt, verliert möglicherweise die Kosten für die Produktion aus den Augen. «Sicherlich müssen in erster Linie Produkt und Technik im Vordergrund stehen. Wer aber irgendwann zu hohe Produktionskosten aufwendet, besteht vielleicht trotzdem nicht im Wettbewerb», so Schulz.

Mehr Effizienz – auch durch kleine Massnahmen.

Dabei erfordert ein effizientes Supply Chain Management nur minimale Veränderungen: Beispielsweise existiert die Chance, dass Unternehmer den Materialfluss ihrer Produktion modernisieren. Dafür schalten sie zwischen alle Maschinen, die im Zusammenhang mit der Gewinnung, Be- und Verarbeitung sowie der Verteilung von Produkten stehen, einen grafischen Materialflussrechner. Dieser bildet ein Bindeglied zwischen Anlage und ERP-Software, wie etwa SAP, wodurch der Betrieb einen Überblick über den gesamten Materialfluss erhält. Häufig kommen in der Lebensmittelbranche unterschiedliche IT-Umgebungen einzelner Anlagen zum Einsatz. Um jedoch effizient zu arbeiten, sollten alle vorhandenen und künftigen Systeme perfekt miteinander agieren. Verschiedene Standorte und Anlagen miteinander zu verknüpfen, um hier bessere Strategien für Transport und Produktion zu gestatten, lässt sich durch den Einsatz eines grafischen Materialflussrechners realisieren.

Nahtlose Integration von SAP und anderer vorhandener Software.

Für solche Modernisierungsmassnahmen eignen sich besonders grafische Materialflussrechner, die sich nahtlos in die vorhandenen ERP und WMS, wie SAP integrieren lassen. Im Idealfall ergänzen diese neuen Programme SAP und fügen spezielle Funktionen, die den Materialfluss betreffen, hinzu. Der Materialflussrechner übernimmt die Anlagensteuerung und stellt wichtige Zusatzfunktionen für die Optimierung des Materialflusses bereit. So können Unternehmen unter anderem befüllte Produktpaletten in Regalen zwischenlagern, um sie später auszulagern oder zu kommissionieren. Diese neue Zwischenpufferung dient auch als zusätzliche Staustrecke. Durch eine Puffersteuerung ist es für Lebensmittelbetriebe in der Fördertechnik möglich, die Ware nach Touren und Kunden zu sortieren.

Ein grafischer Materialflussrechner bietet ausserdem die Funktion, Etiketten auf die Paletten oder Behälter der Ware zu drucken. Innerhalb des Materialflussrechners kann der Anwender auf Transportdaten zugreifen. Dadurch nimmt ihm die Software einige Tätigkeiten ab. Sie erlaubt einen Überblick über anstehende Transporte und erleichtert somit die Entscheidungsfindung hinsichtlich der richtigen Transportstrategie. Dennoch bleiben die Standardfunktionen von SAP erhalten. So bedient zum Beispiel in der Praxis die Bestandsverwaltung weiterhin SAP. Ein Bestandsabgleich wird damit hinfällig. Die automatisierte Anlage erhält die Aufträge künftig direkt und meldet erledigte Aufträge unmittelbar zurück, wobei die Rückverfolgbarkeit durchgängig verfügbar ist. Konfigurierbare Schnittstellen reduzieren Entwicklungszeiten auf ein Minimum. Zudem bietet die Software bei der Verwaltung von Einlagertransporten, die SAP als Avis sendet, einen Mehrwert: Meldet sich später die Palette über den Scanner am Einlagerungsplatz, hat der Materialflussrechner bereits den Auftrag mit dem Zielfach erhalten und kann die Palette nach Prüfung des Gewichts direkt einlagern. Eine zusätzliche Funktion ist die Verteilung der Paletten für die Kommissionierung – je nach Anforderung von SAP auch auf mehrere Kommissionierplätze. Diese werden in Gruppen zusammengefasst, so kann der Materialflussrechner die Verteilung aufgrund des Füllstands in der Anlage entscheiden.

Weiter Kosten sparen durch Inhouse-Inbetriebnahme.

Für Unternehmen, die trotzdem zu hohe Kosten bei der Modernisierung fürchten, ist eine sogenannte Inhouse-Inbetriebnahme interessant: Dabei wird der Materialflussrechner bei laufendem Betrieb eingearbeitet. So dient die Inbetriebnahme gleichzeitig als Schulung für die Mitarbeiter. Während der Konfiguration für die Testphase erfolgt die Einarbeitung der Mitarbeiter. Das spart dem Unternehmen Kosten, da weder für die Konfiguration der Anlage noch für die Unterweisung der Mitarbeiter gesondert Zeit aufzuwenden ist.

Wichtige Testphasen für die neue Software finden am Wochenende statt. Dafür benötigt der Lebensmittelbetrieb maximal drei Wochenenden. Wenn er dabei nur ein Wochenende einsparen, ist das ein enormer Posten für den Unternehmer. Mit einer Vor-Ort-Inbetriebnahme lässt sich eine 70-Prozent-Zeitersparnis erreichen. Derartig hohe Zeiteinsparungen zeigen sich letztendlich auch in der gesamten Bilanz.




Weitere Informationen:
sysmat GmbH
www.sysmat.de