Eine Publikation der Swissprofessionalmedia AG
Branchenfokus: Ausgabe 06/2016, 13.06.2016

Genussvolle Knospe

Manche Gemüsesorten machen ihren Genuss nicht ganz so leicht wie beispielsweise Karotten, Blumenkohl oder Brokkoli. Aber ihr Geschmack lohnt die Mühe des etwas ungewöhnlichen Verzehrs.

Autor: Redaktion

Bilder: Fotolia

Dass Gemüse gesund ist hat sich nicht erst seit der Initiative «5 am Tag» verschiedener Ernährungsgesellschaften in der Bevölkerung herum gesprochen, sondern ist schon seit Langem bekannt. Dass Gemüse aber auch schön und damit eine echte Augenweide sein kann, zeigt ein besonderer Vertreter der Pflanzengattung Cynara cardunculus – besser bekannt als Artischocke. Diese distelartige, kräftige Kulturpflanze aus der Familie der Korbblütler, bauen Landwirte wegen ihrer essbaren knospigen Blütenstände an, die Konsumenten dann als Blüten-gemüse geniessen. Von Anfang August bis Mitte Oktober ist die Haupterntezeit, doch dank Globalisierung gibt es Artischocken auch schon im Frühjahr zu kaufen.

Nicht nur fein im Geschmack, sondern auch gesund.

Bereits im Altertum schätzten die Menschen die wohlschmeckende Artischocke. Den Weg zu uns fand die diestelartige Pflanze im 15. Jahrhundert über Frankreich und England, wo sich vor allem der Adel die Delikatesse schmecken liess. In der heutigen Zeit ist die Artischocke nicht nur eine Kulturpflanze, sondern auch als Arzneipflanze anerkannt. Der interdisziplinäre Studienkreis Entwicklungsgeschichte der Arzneipflanzenkunde am Institut für Geschichte der Medizin der Universität Würzburg, hat 2003 die Artischocke zur Arzneipflanze des Jahres gekürt. Ihr wird eine appetitanregende, verdauungsfördernde und cholesterinsenkende Wirkung zugeschrieben. Die medizinische und diätetische Wirkung der Artischocken führen Experten auf den Gehalt an Polyphenolen sowie speziellen Flavonoiden und Chinasäurederivaten zurück. Abgesehen von den positiven Auswirkungen der Pflanze auf die Gesundheit, ist vor allem ihr Geschmack der Grund für den Konsum.

Ein heimischer Ausländer.

Die frostempfindliche Pflanze stammt ursprünglich aus dem Mittelmeerraum. Hauptanbaugebiete sind Italien, Spanien, Frankreich sowie USA, Ägypten und Argentinien. Doch auch in der Schweiz gibt es – wenn auch nur selten – Arti-schockenanbau, wie zum Beispiel im Raum Zürich. Aufgrund der Wetterbedingungen kommen im Inland die ersten Setzlinge erst Mitte April aufs Feld. Bis Mitte Mai folgen noch weitere Pflanzungen. Damit lässt sich die Erntesaison um mehrere Wochen verlängern.

Nicht alles ist essbar.

Wie bei vielen Gemüsesorten, ist bei der Artischocke nicht alles essbar. Gourmets schätzen die Artischockenböden als besondere Delikatesse, doch auch der fleischige, untere Teil der Blätter ist ein Genuss. Dazu werden die Blätter von der gekochten Pflanze abgezupft, in einen Dip getaucht und mit den Zähnen abgezogen. Was sich etwas mühsam anhört, ist jedoch ein gemütliches Essen, was – ähnlich wie Fondue oder Raclette – besonders in geselliger Runde schmeckt.

Enge Verwandtschaft.

Ein enger Verwandter der Artischocke ist das Stielgemüse Cardy, das botanisch ebenfalls zu der Familie der Korbblütler zählt. Fachleute vermuten, bei der einer zierlichen Artischocke ähnelnden Pflanze, sogar die Stammform der Artischocke. Wie beim Staudensellerie entwickelt sich eine Rosette von langen Blättern, deren fleischige Stiele von einer silbrig-grau-grünen, fasrigen Haut überzogen sind. Die essbaren Pflanzenteile sind jedoch keine Knospen, wie bei der Artischocke, sondern die inneren Blattstiele, die zuvor jedoch von der stacheligen Haut befreit werden müssen. Bis Ende des 19. Jahrhunderts war Cardy ein bekanntes und beliebtes Gemüse, doch heute spielt der Anbau nur noch in warmfeuchten Gebieten wie beispielsweise Spanien, der französischen Provence und Norditalien eine Rolle.

Gebleicht auf dem Markt.

Die Saison fängt etwa Ende September an und geht bis Ende Dezember. Händler bieten die Pflanze gebleicht an. Dazu schneiden Landwirte Ende August die Blattspitzen ab und umwickeln die Stängel etwa 1 bis 1,5 m hoch mit Stroh, schwarzer Folie oder Pappe. Nach zwei bis drei Wochen sind die ersten Pflanzen zur Ernte bereit. Der Geschmack von Cardy ist leicht bitter und artischockenähnlich und ebenso ein Genuss wie die Knospen der Artischocke.