Eine Publikation der Swissprofessionalmedia AG
Materialfluss und Logistik: Ausgabe 06/2016, 13.06.2016

Nachhaltig, hygienisch und kontrolliert

Optimal funktionierende Anlagen sind für jeden Lebensmittel- und Getränkeproduzenten die Grundlage für den Erfolg. Um diesen nicht zu gefährden, kommt es auf vermeintliche Kleinigkeiten an, wie beispielsweise Schmierstoffe. Eine Innovation birgt viele Vorteile.

Autor: Ingo Markmann Sales Manager, Löhrke GmbH, Helga Thomas Market Manager, Klüber Lubrication

Bilder: Klüber Lubrication AG

Nachhaltig, hygienisch und kontrolliert

Der Verbraucherschutz steht in der Getränkeindustrie – ebenso wie in der Lebensmittelindustrie – ganz oben. Für die Hersteller ist es darüber hinaus essentiell, die Betriebs- und Wartungskosten zu reduzieren und Ausfallzeiten zu vermeiden. Eine wesentliche Voraussetzung dafür ist der einwandfreie, störungsfreie Betrieb der Förderbänder zur Befüllung von Füllgütern wie Kartonverpackungen. Dabei ist es nicht nur entscheidend, dass ein passender Spezialschmierstoff zum Einsatz kommt, auch die Art seiner Applikation spielt eine wichtige Rolle. So profitieren Anwender davon, wenn die beiden Elemente Schmierstoff und Applikation aufeinander abgestimmt sind. Ganz neue Wege beschreitet hierbei ein Konzept, bestehend aus einem Spezialschmierstoff – der die Vorteile von Nass- und Trockenschmierung verbindet – und einem neuartigen System von Hochleistungsdüsen. Es erlaubt eine kontrollierte Schmierung der Förderbänder sowie eine gleichmässige Benetzung des Förderbandes über die gesamte Breite. Betreiber von Abfüllanlagen profitieren so von höherer Prozesssicherheit.

Schmierstoffapplikation von Förderbändern.

Bei herkömmlichen Applikationsmethoden wird der Schmierstoff über Kontaktplatten, Bürsten, Sprühdüsen oder manuell, zum Beispiel mittels Pumpspray, aufgetragen. Mit diesen konventionellen Methoden lassen sich keine konstanten, gleichbleibenden Schmierfilme auftragen. Dies beeinflusst die Prozesszuverlässigkeit negativ, denn die Förderbänder sind entweder punktuell über- oder unterschmiert.

Strenge Hygienevorschriften und regelmässige Audits.

Viele Betriebe werden jährlich mehrfach auditiert und müssen nachweisen, dass der verwendete Schmierstoff für die menschliche Gesundheit und die Umwelt unbedenklich ist. Dabei ist es wichtig, dass auch die Förderbänder in einem hygienisch einwandfreien Zustand sind und die Förderbandoberfläche frei von sichtbaren Fremdstoffen ist. Hier spielen die Schmierstoffzusammensetzung und der Schmierstoffverbrauch eine entscheidende Rolle. Um den Anforderungen an Umwelt- und Arbeitsschutz gerecht zu werden, ist zudem eine Schmierstoff-lösung mit nachhaltigen chemischen Eigenschaften gefragt.

Schmierung gestern und heute.

Haben Betriebe bis in die siebziger Jahre des letzten Jahrhunderts, Förderbänder zum Teil noch mit Wasser und Seife geschmiert, hat sich in der Getränkeindustrie in den letzten Jahren im Bereich der Kartonverpackungen die Trockenschmierung von Förderbändern mit Schmierstoffen auf Ölbasis, zum Teil mit Polytetraflourethylen (PTFE) versetzt, etabliert. Das hat nicht nur die Hygiene in den Betrieben verbessert, sondern sorgt ausserdem für eine saubere Arbeitsumgebung mit erhöh- ter Arbeitsplatzsicherheit. Trockenschmierstoffe können allerdings zu teils massiven Ablagerungen zwischen den Kettengliedern führen, welche die Förderbänder sichtbar verschmutzen und mit wässrigen Tensidreinigern nicht oder nur schwer zu entfernen sind.

Besonders in Staufördersystemen besteht zudem immer das Risiko, dass die abgefüllten Getränkebehälter umkippen und das Band verschmutzen. In diesen Zonen kommt es häufig zu erhöhten Reibwerten zwischen der Förderbandoberfläche und den Produktbehältern, was den Verschleiss erhöht und zu sichtbaren Beschädigungen auf den Behälterböden führen kann. Gewünscht ist also ein Schmiersystem, das nicht nur den Verschleiss reduziert, sondern auch einen geringeren Reinigungsaufwand gestattet.

Punktgenaue Schmierstoffdosierung mittels Düsen.

Das Unternehmen Jürgen Löhrke aus Lübeck entwickelt seit Jahrzehnten Dosiersysteme sowie Reinigungslösungen für die Getränkeindustrie. Zu ihren neuen Entwicklungen gehört ein spezielles Dosiersystem zur Minimalmengenschmierung von Förderbändern – BSA UltraDry. Das System verfügt über spezielle Düsen, die einen extrem feinen, dünnen und genau dosierten Schmierfilm ohne Aerosolbildung erzeugen und den Schmierstoff direkt an der Verbrauchsstelle mit der exakt benötigten Menge aufbringen.

Diese Hochleistungsdüsen benetzen jede einzelne Kette über die gesamte Breite. Je geringer der Schmiermittel-eintrag erfolgen soll, desto wichtiger wird die zielgenaue Applikation. Die Auftragsmenge ist dabei flexibel einstellbar, indem jede Düse einzeln und bedarfsgerecht ansteuerbar ist. Das führt zu einem optimalen Einsatz von Material und Energie und trägt zur allgemeinen Produktionssteigerung bei.

Erhöhte Prozesssicherheit.

In Kooperation mit den Experten von Jürgen Löhrke hat der Schmierstoffhersteller Klüber Lubrication einen neuen Spezialschmierstoff für Kunststoffförderbänder entwickelt, der die Vorteile von Nass- und Trockenschmierung verbindet. Durch sein innovatives Wirkstoffkonzept reduziert das neue Klüberplus C 2-10 A den Reinigungsaufwand deutlich. Im Gegensatz zu gängigen Förderbandschmierstoffen handelt es sich bei Klüberplus um eine homogene Lösung, in der sich die gelösten Stoffe nicht separieren können. Dadurch lassen sich Ablagerungen und Rückstände auf den Förderbändern sowie in den Applika-tionssystemen vermeiden.

Darüber hinaus können die Düsen nicht verstopfen und Rühraggregate sind nicht mehr erforderlich, da sich keine Bestandteile am Boden des Schmierstoffbehälters absetzen können. Das Wirkstoffkonzept enthält keine perfluorierten Inhaltsstoffe (PTFE) und ist biologisch abbaubar, was das Abwasser in der Herstellung deutlich weniger belastet. Die Zusammensetzung des Schmierstoffes vermeidet Kalkablagerungen auf dem Förderband. Das Dosiersystem BSA UltraDry in Kombination mit Klüberplus C 2-10 A erhöht die Prozesssicherheit der Anlagen deutlich. Weitere wichtige Vorteile der neuen Lösung sind trockene Böden, die Vermeidung von Aerosolbildung bei der Schmierstoffapplikation, eine geringere Abwasserbelastung sowie Einsparungen bei den Betriebskosten.

Anwendungsgebiete.

Das Wirkstoffkonzept haben die Fachleute speziell zur Schmierung von Förderbändern aus Kunststoff und den Transport von Kartonverpackungen entwickelt. Der aufgrund der Schmierstoffzusammensetzung reduzierte Reinigungsaufwand der Förderbänder leistet einen Beitrag zur Produktsicherheit in allen Betrieben, wie zum Beispiel Molkereien und Fruchtsaftabfüllbetrieben, in denen Hygiene besonders wichtig ist.

Auch in bestehenden Anlagen ist die Nachrüstung für kritische Stellen, beispielsweise Bandvereinzelung, realisierbar. Dadurch können Betriebe die Leistungsfähigkeit des Transporteurs optimieren.


Weitere Informationen:
Klüber Lubrication AG (Schweiz)
www.klueber.ch