Eine Publikation der Swissprofessionalmedia AG
Wissenschaft und Forschung: Ausgabe 06/2016, 13.06.2016

Moderne Analytik

In den letzten Jahren hat sich die Analytik sprunghaft entwickelt. Die zunehmende Automation hat vieles vereinfacht und verfeinert wie die Präsidentin des FLB unter anderem im Gespräch erläutert.

Autor: Redaktion

Bilder: Zur Verfügung gestellt

Mitte Februar dieses Jahres gab es in Deutschland wieder einmal nega-tive Schlagzeilen – dieses Mal im Zusammenhang mit Bier. So hat das Umweltinstitut München das 500-jährige Jubiläum des deutschen Reinheitsgebots zum Anlass genommen und die 14 beliebtesten Biermarken Deutschlands von einem Labor auf Rückstände des Unkrautvernichters Glyphosat testen lassen. Das Ergebnis ist weithin bekannt: In allen getesteten Bieren liess sich das in Deutschland am häufigsten eingesetzte Ackergift nachweisen. Die gefundenen Werte lagen zwischen 0,46 µg/l und 29,74 µg/l, im Extremfall also 300-fach über dem gesetzlichen Grenzwert für Trinkwasser von 0,1 µg/l. Doch dieses Phänomen beschränkt sich nicht nur auf Deutschland. Auch einige Schweizer Biere enthielten, laut eines Tests des Magazins «Gesundheitstipp», Rückstände von Glyphosat. Die Werte schwankten zwischen 1,3 µg/l und 21,0 µg/l.

Was auf den ersten Blick einem Skandal ähnelt, ist bei genauerer Betrachtung nicht mehr ganz so tragisch, da es für gesundheitliche Schäden, die durch Glyphosat verursacht sind, 1000 l Bier pro Tag bräuchte. Dennoch sollten wir diese Tatsache nicht bagatellisieren, denn die Untersuchung zeigt, dass sich Getränke- und Lebensmittelhersteller in einem sensiblen Umfeld bewegen und schneller in die Schlagzeilen geraten können, als sie ahnen.

Qualitätskontrollen sind das A und O.

Nicht umsonst ist für Produzenten in der Lebensmittel- und Getränkeindustrie die Qualitätskontrolle sowohl beim Eingang der Rohware als auch während des Herstellungsprozesses elementar wichtig. Sowohl hauseigene Laboratorien als auch externe Dienstleister sind daher bedeutende Partner der Food-and-Beverage-Branche. Die Entwicklung in den letzten zehn Jahren hat viele Verbesserungen im Bereich der Analytik gebracht, die sich auch positiv auf die Konsumenten auswirken. «Methoden und Geräte sind immer feiner geworden, wodurch sich beispielsweise Grenzwerte herabsetzen lassen. Die modernen, hochsensiblen Geräte erlauben mittlerweile den Nachweis von geringen Spuren, für die Laborgeräte und Analyseverfahren früher nicht geeignet waren. Die nahezu sprunghafte Entwicklung von Methoden und Geräten empfinde ich daher als einen grossen Vorteil», erklärt Charlotte Rothenbühler, Präsidentin des Fachverbands für Laborberufe (FLB). So ist auch die Thematik der Grenzwerte für die Experten wünschenswert, da Unternehmen gesetzlich verpflichtet sind, sich daran zu halten. «Wir dürfen aber nicht vergessen, dass es manchmal auch ins Extreme gehen kann. Wenn beispielsweise der erlaubte Wert bei 10 ppb liegt und das Labor misst 11 ppb, dann ist hier schon zu überlegen, ob Handlungsbedarf besteht oder nicht», so die Präsidentin.

Entwicklung hin zur Automation.

Die stetige Verfeinerung von Methoden und der entsprechenden Technik haben für Laboratorien immer eine Erleichterung gebracht, wie die Expertin aus eigener Erfahrung weiss: «Meine Karriere habe ich mit der Gaschromatografie begonnen und dann in der Rückstandsanalytik gearbeitet. In diesen Bereichen konnten wir die Automation nicht so gut anwenden wie heute, weil vor allem bei Lebensmitteln noch natürlich bedingte Störstoffe die Auswertung erschwerten. Die zunehmende Automation hat zu exakteren Ergebnissen geführt. Zudem müssen Laboranten vieles nicht mehr mit der Hand machen. Das verhindert methodenbedingte Verfälschungen und führt zu besseren Ergebnissen. Auch die Fehlerquote ist deutlich reduziert.»

Prävention für sichere Lebensmittel.

Trotz innovativer Anlagen kann es immer mal zu unerwünschten Ereignissen kommen. Stichproben und Routine- kontrollen zeigen das meist recht schnell. Doch wenn Analyseergebnisse Fragen aufwerfen, hat jedes Labor ein Referenzlabor, das die gemessenen Werte entweder bestätigt oder Entwarnung gibt. So sind für die Fachfrau Referenzlabore, wie zum Beispiel kantonale Labore, eine gute Absicherung. Bevor Produzenten im Zweifelsfall Chargen für den Verkauf freigeben, ist das Kantonslabor die letzte Instanz. Damit können Betriebe für ihre Produkte die gewünschte Sicherheit gewährleisten.


Weitere Informationen:
FLB, www.laborberuf.ch




Charlotte Rothenbühler ist Präsidentin des Fachverbands für Laborberufe (FLB)

FACHVERBAND FÜR LABORBERUFE FLB

Der FLB und seine Sektionen koordinieren zusammen mit Berufsleuten und Ämtern die Aus- und Weiterbildung für die Berufe Biologie-, Chemie-, Textil-, Farb- und Lacklaboranten. Der Schwerpunkt der Verbandstätigkeit liegt auf der Aus- und Weiterbildung sowie der Interessenwahrung beziehungsweise Mitgliederunterstützung.