Eine Publikation der Swissprofessionalmedia AG
Wissenschaft und Forschung: Ausgabe 06/2016, 13.06.2016

Smartphone wird zum Auswertungstool

Mykotoxine sind immer noch eine häufig unterschätzte Gefahr. Die von Schimmelpilzen produzierten Gifte können bereits in geringen Konzentrationen eine toxische Wirkung zeigen. Ein effektives Mykotoxin-Monitoring ist daher wichtig, um Verbraucher zu schützen.

Autor: Michael Fischer Produktmanager

Bilder: R-Biopharm AG

Mykotoxine sind natürliche, sekundäre Stoffwechselprodukte von Schimmelpilzen. Sie kommen vor allem in Getreidesorten wie Mais, Weizen, Hafer und Roggen vor, aber auch in Reis, Nüssen und Trockenfrüchten können sie enthalten sein. Da sich Mykotoxine nicht beziehungsweise nur unzureichend aus dem Lebensmittel entfernen lassen, müssen Unternehmen Waren entsorgen, wenn sie zu stark kontaminiert sind. Die Food and Agriculture Organization of the United Nations (FAO) schätzt, dass durch Mykotoxine weltweit jedes Jahr rund 1000 Millionen Tonnen Nahrungsmittel verloren gehen.

Problematische Belastung.

Eine der weltweit am häufigsten vorkommenden Schadpilze ist die Schimmelpilzgattung Fusarium. Kontaminationen mit den von ihr produzierten Fusarientoxinen (zum Beispiel Zearalenon, Deoxynivaleonol, Fumonisin, T-2 und HT-2) stellen Experten, auch in der Schweiz, immer wieder fest. In einer Untersuchung der Schweizer Forschungsanstalt Agroscope, an verschiedenen Standorten in der Ost- , West- und Südschweiz, in den Jahren 2005 bis 2007, haben die Forscher Maisproben auf Mykotoxine getestet. Bis zu 50 Prozent der untersuchten Maiskörner wiesen Fusarienbefall auf. Dabei liessen sich in den Proben auch eine Vielzahl an Fusarientoxinen, in teilweise sehr hohen Konzentrationen, feststellen. Insbesondere die Fumonisingehalte überschritten häufig den empfohlenen Richtwert für Futtermittel. In einem anschliessenden Monitoring in den Jahren 2008 bis 2010 wiesen die Experten erneut starke Kontaminationen mit Fusarientoxinen nach. Besonders hoch war die Belastung mit Deoxynivaleonol (DON): Hier wurde im Jahr 2010 der empfohlene Richtwert für Futtermittel bei 70 Prozent der Proben erreicht oder sogar überschritten.

Im Jahr 2013 gab es in Frankreich ein ungewöhnlich hohes Vorkommen von DON, Zearalenon und Fumonisin in Mais. In manchen verarbeiteten Maisproben lag der Mykotoxin-Gehalt bis zu 99 Prozent höher als normal. Die geschätzte Gesamtexposition mit den genannten Toxinen lag für den Verbraucher damals nahe an dem Wert, den Fachleute gerade noch als sicher erachten.

Mykotoxinmonitoring.

Aufgrund der Mykotoxinfunde haben Verantwortliche in der Schweiz im Jahr 2008 in der Fremd- und Inhaltsstoffverordnung (FIV 817.021.23) Richtwerte für die Fusarientoxine DON, Zearalenon und Fumonisin eingeführt. Zuvor hatte ebenfalls die EU offizielle Grenz- und Richtwerte für Mykotoxingehalte eingeführt. Ein regelmässiges Monitoring von Myko-toxingehalten ist daher notwendig.

Für Lebensmittelproduzenten ist es wichtig, dass ein solches Monitoring schnell, sicher und kostengünstig durchzuführen ist. Aus diesem Grund gewinnen seit einigen Jahren, neben ELISA- und HPLC-Tests, zunehmend die sogenannten Lateral Flow Tests an Bedeutung. Der entscheidende Vorteil dieser Streifen-Schnelltests ist die kurze Testdauer und die einfache Handhabung. Lateral Flow Tests vereinen ein komplettes Testsystem auf einem Membranstreifen und reduzieren den Testaufwand auf ein Minimum. Dadurch eignen sie sich optimal für die schnelle, zeitkritische Analyse von Einzelproben.

Auswertung von Mykotoxin-Teststreifen.

Lateral Flow Tests erlauben die qualitative und semiquantitative Analyse von Mykotoxinen. Daneben sind auch Lateral Flow Tests erhältlich, die mit Hilfe eines Auslesegerätes eine quantitative Messung gestatten. Als komfortablere Alternative zu diesen Lesegeräten hat R-Biopharm kürzlich eine Smartphone-App zur Auswertung von Mykotoxin-Schnelltests entwickelt und diese auf den Markt gebracht.

App als Alternative.

Die App, die das Unternehmen unter dem Namen RIDA SMART APP vertreibt, bietet zahlreiche Vorteile gegenüber gängigen LFD-Lesegeräten. So ist sie übersichtlich und intuitiv zu bedienen. Durch das handliche Format des Smartphones sind Analysen an jedem Ort machbar. Die spezifischen Testdaten sind bereits in der App hinterlegt; Proben- und Kundennummer lassen sich manuell oder bequem mittels Barcodescanner eingeben. Nach der Durchführung des Tests scannen Mitarbeiter mit der Smartphone- Kamera den Teststreifen und die App wertet die Daten aus. Die Testergebnisse stehen sofort zur Verfügung und lassen sich direkt per WiFi oder Bluetooth an die Datenbank, einen E-Mail-Empfänger oder einen Drucker senden.

Weitere Mykotoxintests folgen bald.

Derzeit erlaubt die RIDA SMART APP die Auswertung der RIDA QUICK Teststreifen für die Fusarientoxine DON und Zearalenon sowie für Aflatoxin. Weitere Mykotoxintests folgen in Kürze. Die App ist derzeit für zwei verschiedene Smartphone-Modelle verfügbar, für die die Entwickler die App ausgiebig validiert haben. Tests mit natürlich kontaminierten Referenzmaterialien belegen die gute Übereinstimmung der Ergebnisse mit HPLC-Daten und mit den Referenzdaten, die Fachleute mit dem etablierten Auslesegerät RIDA QUICK SCAN generierten.

Die APP ist eine innovative, benutzerfreundliche und schnelle Auswertemethode für Mykotoxin-Streifentests. Durch die Verwendung moderner und leistungsfähiger Smartphones ist sie überall unkompliziert einsetzbar und eine kostengünstige Alternative zu gängigen LFD-Lesegeräten.



Weitere Informationen:
R-Biopharm AG,
www.r-biopharm.com