Eine Publikation der Swissprofessionalmedia AG
Prozessautomatisierung: Ausgabe 07-08/2016, 08.08.2016

Hightech für den Geschmack

Moderne Geräte wie Industrie-PCs müssen bei der Fleischverarbeitung häufig extremen Bedingungen standhalten. So sind hohe Luftfeuchtigkeit, aggressive Reinigungsmedien oder tiefe Temperaturen nur einige Beispiele, mit denen IPCs zu Recht kommen müssen.

Autor: Michael Naumann freier Fachjournalist

Bilder: Noax Technologies AG/Bell AG

Die Bell Gruppe ist seit ihrer Gründung 1869 stetig gewachsen und gehört als eines der wichtigen fleischverarbeitenden Unternehmen der Schweiz zu den ganz Grossen im Food-Sektor. Um mit dem steten Wachstum agil mitzuhalten, hat die Gruppe jüngst damit begonnen, ihre heterogene IT-Landschaft durch die intelligente SAP Business All-in-one-Branchenlösung sopro/MEAT_line zu ersetzen. Diese Lösung entwickelte der noax-Partner Softproviding. Ziel war ein durchgängiges ERP-System, das alle relevanten Geschäftsprozesse einbindet.

Unterstützung auf allen Ebenen.

Für die lebensmittelverarbeitende Industrie konzipiert der Softwarespezialist durchgängige Lösungen auf SAP-Basis. Gemäss dem Grundsatz «from farm to fork» unterstützt die Software sämtliche Prozessstufen. Diese branchenspezifischen Erweiterungen des SAP-Standards umfassen auch eine Komplettlösung für die BDE-Integration sowie die Prozessdatenerfassung. Mit der Wahl einer homogenen Softwarelösung ging als logische Folge auch der Beschluss einher, die Hardware auszutauschen. Nach eingehender Evaluation entschied sich Bell für die Industrie-PCs von noax.

Hygiene hat Priorität.

Der Fleischverarbeiter setzt alles daran, immer und durchgehend hohe Ansprüche an die Güte seiner Produkte zu erfüllen. Die Qualitätsproduktion fängt bereits früh an: Um etwa das Label «Suisse Garantie» zu erhalten, muss der gesamte Produktionsprozess in der Schweiz stattfinden. Daneben sind persönliche Hygiene und hygienische Arbeitsbedingungen oberstes Gebot. Seit 2005 setzt Bell noax-IPCs für die Verarbeitung und den Versand in den Bereichen Geflügel und Spezialfleisch im Werk Zell (Kanton Luzern) sowie bei der Verarbeitung von Schweinefleisch im Hauptwerk Basel ein. In Zell werden täglich 70 000 bis 80 000 Hühnchen geschlachtet, zerlegt und verpackt. Die Gruppe kann solche Mengen nur mithilfe moderner Lebensmittel- und Informationstechnik bewältigen, gerade weil die Anforderungen an Hygiene und Rückverfolgbarkeit, aber auch der Preisdruck auf dem Markt immer grösser werden.

Edelstahl ist Trumpf.

Die besondere Lösung unterstützt die Mitarbeitenden von Bell bei der Verpackung, der Etikettierung, dem Versand sowie bei der Dokumentation der einzelnen Verarbeitungsschritte für die Rückverfolgbarkeit, und zwar über die gesamte Wertschöpfungskette. Alle Funktionen sind direkt am Arbeitsplatz verfügbar, und zwar unter absolut hygienischen Bedingungen. Die Rechner haben ein geschliffenes Gehäuse aus V2A-Edelstahl ohne Rillen und Ritzen, in denen sich Keime sammeln könnten. Das macht die IPCs der Steel-Serie besonders für den Einsatz in der Lebensmittelindustrie geeignet. Durch den IPC-Einsatz in der Produktion gewinnt der Fleischverarbeiter mehr Transparenz und Produktivität.

Ein Beispiel ist die Verpackung: Hier wird das frische Fleisch in Kunststoffschalen gelegt, gewogen und verschweisst. Elektronische Waagen sind über eine serielle Schnittstelle nach dem Standard RS 232 an den IPC angeschlossen. Er verarbeitet die Daten, leitet sie an den Etikettendrucker weiter und stösst den Druck der Labels an. Oder die Kommissionierung: Die IPCs zeigen den Mitarbeitenden, ob die kommissionierte Ware mit der Bestellung übereinstimmt. Da der Computer neben dem Warenaufzug steht, ist er den starken Erschütterungen ausgesetzt, die vom Aufzug und dem Transport der Kisten ausgehen.

Neuer Rechner in altem Rack.

Da die Racks der alten Lösung noch einsatzfähig sind, besteht für Bell eine Herausforderung darin, die neuen IPCs hier einzubauen. Dafür eignet sich die Panel-Serie am besten, allerdings sollte der Neueinbau mit zehn frei konfigurierbaren Bedientasten realisiert werden. Diese Sonderentwicklung für den Schweizer Fleischverarbeiter war kein Problem. Genauso wie die Steel-Serie ist auch die Panel-Serie für den Einsatz unter strengen Hygieneanforderungen konzipiert. Die Front der Panel-PCs besteht aus V2A-Edelstahl. Standardmässig verbaute Gummidichtungen zwischen Frontplatte und TFT-Display sorgen dafür, dass die Geräte leicht zu reinigen und zu desinfizieren sind: Denn nach jeder Schicht schäumt das Reinigungspersonal die IPCs mit einem Desinfektionsmittel ein und spritzt diese danach mit einem Hochdruckreiniger ab. Aufgrund ihrer komplett geschlossenen Bauweise gemäss Schutznorm IP65, kommen die IPCs mit der täglichen Reinigung problemlos zurecht.

Komplett geschlossen bedeutet, dass das Innere des Rechners vollkommen von äusseren Einflüssen abgeschirmt ist. Weder Wasser noch andere Flüssigkeiten können in den Computer eindringen. Dadurch lässt sich nicht nur eine ständige Systemverfügbarkeit garantieren. Ebenso wenig gelangen gefährliche Keime in das Gehäuse. Ein weiteres Plus der komplett geschlossenen Bauweise: Da kein Luftaustausch stattfindet, bildet sich kein Kondenswasser innerhalb des Gehäuses. Dies würde zu Kurzschlüssen und anderen Problemen führen. Ein Punkt, der bei der Wurstproduktion besonders zählt, weil hier eine Luftfeuchtigkeit von über 90 Prozent herrscht.

Eisige Temperaturen.

Die Entwickler haben die Industrie-PCs ohne Lüftungsschlitze oder empfindliche Aussenlüfter konzipiert. Sie verfügen ausschliesslich über einen innen liegenden Lüfter, der die Abwärme vom Prozessor über das Gehäuse nach aussen leitet. Das Klimamanagement übernimmt ein Micro-Controller. Er sorgt dafür, dass sich die optionale Heizung ein- und vor allem auch wieder ausschaltet, sobald die entsprechenden Werte erreicht sind. Bei Bell kommen die IPCs in Temperaturbereichen zwischen minus 20 Grad und plus 40 Grad zum Einsatz. Darum war es wichtig, dass der Rechner gerade bei strengen Minusgraden tadellos seinen Dienst leistet. Für den Einsatz bei extremen Minustemperaturen ist in den Geräten optional ein elektronisch geregeltes Heizungssystem eingebaut. Dadurch lassen sie sich innerhalb von fünf Minuten auf Betriebstemperatur bringen.

Ein weiteres Plus ist der analog resistive Touchscreen. Er reagiert genau auf Berührungen und ist auch mit Schutzhandschuhen bequem zu bedienen. Kleine Schaltfelder lassen sich ebenso leicht aktivieren wie grosse. Auf Kundenwunsch stattet noax die Industrie-PCs zudem mit einer speziellen Schutzfolie aus, die das Touchpanel zusätzlich gegen Laugen oder Säuren abschirmt.

Teilziel erreicht.

Bis Mitte des Jahres hat Bell einen Bestand von über 400 IPCs erreicht. Zum Einsatz kommen ausschliesslich Modelle der Panel- und der Steel-Serie mit 15-Zoll-Monitoren. Diese Geräte steuern eine Vielzahl von unterschiedlichen Prozessen: die Kommissionierung, die Abfertigung der LKW, die Dokumentation der Warenflüsse für die Rückverfolgbarkeit der Produkte oder den Druck der Verpackungsetiketten. Seit der Anschaffung der ersten Industrie-PCs gab es keine nennenswerten Ausfälle oder Störungen – ein grosses Plus für ein grosses Unternehmen wie Bell, für das Ausfallsicherheit von essenzieller Bedeutung ist.



Weitere Informationen:
noax Technologies AG
www.noax.com




Bei der Kommissionierung unterstütz der Industrie-PC die Arbeiten der Mitarbeitenden