Eine Publikation der Swissprofessionalmedia AG
Kälte- und Lufttechnik: Ausgabe 07-08/2016, 08.08.2016

Klimafreundliche – Kälteanlagen fördern

Der vorzeitige Ersatz von Kälteanlagen, die mit einem veralteten Kältemittel funktionieren, kann Ausfallrisiken und Betriebskosten der Kühlung senken. Das Förderprogramm «klimafreundliche Kälte» schafft dafür Erfolg versprechende Anreize.

Autor: Mischa Classen, Leiter Methoden bei der Stiftung KliK

Bilder: Zweiweg GmbH

Ob Fertiggerichte, Fleischverarbeitung, Obst- und Gemüseproduktion, Dauerbackwaren oder die Herstellung von Bier und Frischmilchprodukten – die industrielle Herstellung von Lebensmitteln ist auf eine verlässliche Kältetechnik angewiesen. In der Schweiz gibt es rund 2500 Unternehmen in der Lebensmittelindustrie, die auf die eine oder andere Art in ihren Betrieben kühlen – sei es in der Lagerung oder als Teil von Verarbeitungs- und Herstellungsprozessen.

Hoher Energiebedarf.

Experten schätzen den Elektrizitätsbedarf der Kälteanlagen in der Lebensmittelindustrie auf rund 500 GWh pro Jahr. Das entspricht beinahe 40 Prozent des Strombedarfs aller industriellen Kälteprozesse in der Schweiz und schlägt direkt auf die Betriebskosten. In vielen Kältezentralen stehen zudem ältere Anlagen, die mehr Strom brauchen, als es eigentlich nötig wäre. Ein vorausschauender Anlageersatz ist daher eine zentrale Voraussetzung, um die Weichen für einen sparsameren und sicheren Betrieb für viele Jahre richtig zu stellen, denn industrielle Kälteanlagen halten bis zu 25 Jahre. Ist eine Kälteanlage einmal gebaut, so ist die Basis für die künftigen Energie- und Betriebskosten weitgehend gelegt.

Veraltete Kältemittel gefährden unterbruchfreien Betrieb.

Ältere Kälteanlagen bergen nicht nur ein erhöhtes Ausfallrisiko in sich, sondern verursachen häufig auch hohe Unterhalts- und Energiekosten. Was viele nicht wissen: Solche Anlagen arbeiten oft mit einem veralteten, klimaschädlichen Kältemittel. Kommt es zu einem Kältemittelverlust, dann dürfen Betreiber das Kältemittel nicht mehr nachfüllen. Es bleibt nichts anderes übrig, als die Anlage auf ein moderneres Kältemittel umzurüsten oder sie gänzlich zu ersetzen.

In der Praxis zeigt sich, dass bestehende Anlagen in der Regel nicht ersetzt werden, solange sie nicht komplett abgeschrieben sind und es nicht unbedingt nötig ist, weil sie zum Beispiel den Dienst aufgeben. Finanzielle Anreize können daher einen Beitrag zur rascheren Verbreitung klimafreundlicher Anlagen leisten. Hier setzt die Stiftung Klimaschutz und CO2-Kompensation KliK mit dem Programm «Klimafreundliche Kälte» an. Das Programm gibt es seit 2015 und ist vom Bundesamt für Umwelt BAFU anerkannt. Es fördert den vorzeitigen Ersatz von Anlagen mit einem klimaschädlichen Kältemittel durch Anlagen mit modernen, klimafreundlichen Kältemitteln.

Fortschrittliche Kältetechnik für Frischprodukte.

Ein erfolgreiches Beispiel für einen vorgezogenen Ersatz der Kälteanlage ist die Firma Bianchi, die sich als eines der ersten Unternehmen für das Förderprogramm der Stiftung KliK qualifiziert hat. Das Schweizer Traditionsunternehmen importiert, verarbeitet und verkauft seit über 130 Jahren frische Lebensmittel. Heute beliefert der Betrieb tausende Grossverteiler, kleinere Geschäfte, Restaurants und Hotels vom Verarbeitungsstandort in Zufikon im Kanton Aargau aus, mit Frischprodukten.

Um den hohen Qualitätsansprüchen und Kundenanforderungen gerecht zu werden, hat die Firma in den letzten Jahren kontinuierlich in die Kälteinfrastruktur investiert. Mit modernen Kühl- und Tiefkühlhäusern, effizientem Datenmanagement und einer transparenten Lagerhaltung lassen sich schnelle Arbeitsprozesse und Transportwege der Frischwaren zu den Kunden gewährleisten.

Vorzeitigen Anlageersatz finanziell unterstützen.

Vor diesem Hintergrund entschied sich die Firma Bianchi, am Standort Zufikon einen Erweiterungsbau für die Fleischverarbeitung – einschliesslich eines Tiefkühllagers – zu bauen. Damit lassen sich künftig Transportfahrten zwischen Zufikon und dem bisherigen Lager vermeiden. Die Verantwortlichen planten dafür eine neue Kälteanlage, die mit dem umweltverträglichen Kältemittel CO2 funktioniert.

Noch während der Angebotsphase wies die Kältefirma Scheco Bianchi auf eine mögliche Förderung durch die Stiftung KliK hin. Der Vorschlag war, die neue Anlage grösser zu dimensionieren und im Gegenzug die alte, bestehende Kälteanlage zu ersetzen, um von der KliK-Förderung zu profitieren.

Die Verantwortlichen bei Bianchi erkannten das Potenzial für eine Erweiterung des Projekts und entschieden sich, im Sinne einer vorausschauenden Planung, die neue CO2-Kälteanlage grösser ausführen zu lassen. Gleichzeitig hat Bianchi die alte Kältezentrale, die noch mit einem veralteten Kältemittel gelaufen ist, vorzeitig ausser Betrieb gesetzt. Dieser vorgezogene Anlageersatz hat Bianchi 450 000 Franken gekostet. Weil die neue Kälteanlage mit dem klimafreundlichen Kältemittel CO2 arbeitet und die alte Anlage noch nicht vollständig abgeschrieben war, hat die Stiftung KliK den Anlageersatz mit rund 50 000 Franken unterstützt. «Die Anforderung nach umweltbewussten Produktionsabläufen fliesst bei uns stets in unsere Infrastruktur-Investitionsvorhaben ein», sagt Aurelio Trentin, Technischer Leiter bei Bianchi. «Denn für ein Unternehmen, das auf frische Lebensmittel spezialisiert ist, spielt die Schonung der natürlichen Ressourcen eine zentrale Rolle.» Der Entscheid, bei der neuen Kälteanlage «die Extrameile zu gehen», sie etwas grösser auszulegen und dafür die bestehende Anlage zurückzubauen, hat die finanzielle Förderung entschieden erleichtert. Dazu Trentin: «Die neue Kälteanlage ist eine zukunftssichere Lösung für unseren Betrieb – die unbürokratische Unterstützung durch das Programm ‹Klimafreundliche Kälte› hat uns darüber hinaus bereits in der Planungsphase die Sicherheit gegeben, dass wir das Projekt wirtschaftlich umsetzen können.»


Weitere Informationen:
www.effizientekaelte.ch 

Weitere Informationen:
Stiftung KliK
www.kaelteanlagen.klik.ch




Die innovative Kälteleitung sorgt für die optimale Verteilung der Kälte bis in jeden Winkel

Kein Neubau ohne Leistungsgarantie Kälteanlage

Eine Voraussetzung für den Zugang zum Förderprogramm ist die «Leistungsgarantie Kälteanlagen», die das Bundesamt für Energie BFE und der Schweizerischen Verein für Kältetechnik SVK tragen. Die Leistungsgarantie zeigt als Beilage zu jeder Offerte die Kosten der Anlage während der ganzen Lebensdauer auf und fordert unter anderem, dass die aktuellen und künftigen Bedürfnisse sorgfältig abgeklärt werden. Zudem müssen die sinnvolle Nutzung der Abwärme geprüft sowie die Vor- und Nachteile der verschiedenen Kältemittel besprochen werden.