Eine Publikation der Swissprofessionalmedia AG
Weiterbildung: Ausgabe 09/2016, 05.09.2016

«Food Safety and Smart Factory – ein Fall für alle»

Am 2. November 2016 findet bei Endress+Hauser in Reinach das 2. LT-Leserseminar statt. Dieses Mal dreht sich alles um Lebensmittelsicherheit sowie intelligente und automatisierte Prozesse. Namhafte Referenten zeigen in spannenden Vorträgen verschiedene Aspekte auf.

Autor: Redaktion l

Lebensmittelsicherheit ist eng mit der Produktion verbunden. Mehr und mehr automatisieren Unternehmen ihre Prozesse und minimieren damit nicht nur Fehler, sondern verbessern Abläufe und machen damit Prozesse effizienter. In diesem Zusammenhang taucht das Schlagwort «Industrie 4.0» immer häufiger auf. Doch was verbirgt sich dahinter und vor allem, was bedeutet das für die Lebensmittel- und Getränke- industrie? Was noch am Anfang steht, hat seine Auswirkungen noch nicht gezeigt – weder die Vor- noch die Nachteile. Damit Produzenten auf dem Weg zur Smart Factory nicht ins Stolpern geraten und auch die Lebensmittelsicherheit nicht gefährdet ist, geben die Referenten des 2. LT-Leserseminars unter dem Motto «Food Safety and Smart Factory – ein Fall für alle» spannende Einblicke:

Udo Bosch, Produktmanager Durchflussmesstechnik bei E+H befasst sich in seinem Referat mit der Frage «Wie können moderne Messsysteme die Lebensmittelsicherheit (Food Safety) und Qualitätssicherung bereits in der Produktion unterstützen?»

Der Fachmann weiss aus seiner Praxis, dass die in der Lebensmittelproduktion verwendete Messtechnik immer vielseitiger wird. Gesetze und Regularien fordern eine Transparenz der Prozesse, so ist eine kontinuierliche Überwachung von Messparametern wie Dichte, Viskosität, Färbung, Trübung, pH, Leitfähigkeit und der Einsatz des richtigen Messgerätes unerlässlich. Die Qualitätssicherung solcher Messparameter beginnt bei der regelmässigen Verifikation, beziehungsweise Kalibration der Messgeräte. Dies ist die ideale Kombination die eine gute Qualitätssicherung ausmacht.

Corinne Gantenbein-Demarchi, Dozentin und Leiterin des Zentrums für Lebensmittel- und Ernährungsforschung an der ZHAW geht der Frage «Smart Factory – Chance oder Herausforderung für Food Safety?»

nach. Für die ZHAW-Dozentin ist die Herstellung von Lebensmitteln heute herausfordernder denn je. Die Komplexität und Globalisierung der Lebensmittelkette, demographische, ökonomische und umweltrelevante Entwicklungen, aber auch veränderte Konsumgewohnheiten haben eine Erhöhung der lebensmittelbedingten Gesundheitsrisiken zur Folge. Eine Kontamination an einer einzigen Quelle kann zu grossen Schäden mit beträchtlichen gesundheitlichen und ökonomischen Konsequenzen führen. Smart Factory und die damit verbundene zunehmende Digitalisierung der Lebensmittelherstellung ist verbunden mit der Idee einer vollständigen Überwachung des Produktionsablaufs. Dieser Anspruch, jedes Objekt zu jedem Zeitpunkt messen zu können, zwingt die Unternehmen, ihre Produkte und Prozesse anzupassen oder grundlegend zu verändern, aber auch neue Kontrollstrategien zu entwickeln. Führt dies zu einer grösseren Lebensmittelsicherheit oder handeln wir uns damit neue Risiken ein?

Philippe Ramseier, Unternehmer und Managing Partner von Autexis Holding befasst sich mit «Industrie 4.0 in der Schweiz – Lebensmittel aus der Smart Factory».

Der Fachmann sieht im Zusammenhang mit Industrie 4.0 zwei extreme Positionen: Auf der einen Seite wird sie schlicht als Utopie abgetan, auf der anderen Seite steht der Begriff Industrie 4.0 für die nächste industrielle Revolution, welche die globale Wirtschaft und damit auch den Werkplatz Schweiz nachhaltig umwälzen wird.

Die Relevanz des Themas ist unbestritten. Dies gilt insbesondere für kleine und mittelgrosse Betriebe, die entweder wenig Affinität zum Thema haben oder das Potenzial für Lösungen im eigenen Betrieb noch nicht erkannt haben. Qualifizierte Mitarbeiter, eine hohe Innovationskraft und moderne Technologie mögen Pluspunkte von Schweizer Unternehmen im internationalen Umfeld sein. Sie reichen aber langfristig kaum aus, um im Preiskampf bestehen zu können. Um die Konkurrenzfähigkeit zu steigern, gilt es die Flexibilität zu erhöhen, die Effizienz zu steigern, die «time to market» zu verkürzen und sich dank intelligenten Produkten und Services mit den Kunden und Partnern besser und unternehmensübergreifend zu vernetzen. Der Referent zeigt in seinem Vortrag ein praxisnahes Framework und praktische Schritte auf dem Weg zu Industrie 4.0. Diese logisch strukturierten Grundlagen verhelfen den Unternehmen rasch zur gewünschten Orientierung und Potenzialanalyse und erlauben einen reibungslosen Einstieg.

Peter Schafroth, Amt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen Kanton Basel-Landschaft, arbeitet als Lebensmittelinspektor und zeigt in seinem Vortrag die

«Umsetzung der gesetzlichen Qualitätssicherung in der Lebensmittelproduktion – Erfahrungsbericht aus dem amtlichen Vollzug».

Lebensmittelbetriebe müssen über eine dem Betrieb angepasste Qualitätssicherung verfügen. Die Vollzugsorgane der Lebensmittelgesetzgebung überprüfen die Qualitätssicherung anlässlich von Inspektionen. Während die Industrie meistens nach internationalen Standards arbeitet, bereitet die Umsetzung in mittleren und Kleinbetrieben Mühe. Mängel bei der Umsetzung der Selbstkontrolle oder fehlende Konzepte sind die meisten Beanstandungen bei dieser Betriebsart.

Sebastian Wünscher, Analytik Jena, ist promovierter Chemieingenieur und als Applikationsspezialist ICP-MS tätig. Mit seinem Vortrag geht der Spezialist den «Herausforderungen und Möglichkeiten der modernen Lebensmittelanalytik» nach.

Die Untersuchung von Lebensmitteln, Nahrungsergänzungsmitteln aber auch deren Verpackungen intensivieren Fachleute seit Jahren. Da die Ergebnisse der Forschung stets neue Zusammenhänge zwischen den enthaltenen Verbindungen und Elementen mit essentiellen metabolischen Prozessen einerseits, aber andererseits auch toxischer Wirkung aufzeigen, wächst der analytische Bedarf stetig.

Die Wahl der geeigneten Analysetechnik hängt dabei von zahlreichen Faktoren ab. Der Chemieingenieur erläutert in seinem Vortrag die Funktionsweisen der Techniken der Element- analytik HR-CS AAS, ICP-OES und ICP-MS anhand der grundlegenden Bauteile der Instrumente ContrAA 800, PlasmaQuant 9000 und PlasmaQuant MS. Auch zahlreiche Praxisbeispiele sind Bestandteile des Referats.

Betriebsrundgang.

Am Ende der Veranstaltung haben Interessierte die Gelegenheit, beim Betriebsrundgang von Endress+Hauser Flowtec teilzunehmen.

In Kürze:

Datum:

2. November 2016

Ort:

Endress+Hauser, Reinach

Anmeldung:

www.lebensmittel-technologie.ch




Udo Bosch, Endress+Hauser


Corinne Gantenbein-Demarchi, ZHAW


Philippe Ramseier, Autexis


Sebastian Wünscher, Analytik Jena


Peter Schafroth, Amt für Lebensmittel-sicherheit und Veterinärwesen