Eine Publikation der Swissprofessionalmedia AG
Branchenfokus: Ausgabe 09/2016, 05.09.2016

Hanföl – ein Fest für die Sinne

Cannabis gilt landläufig als Pflanze, aus der sich Rauschmittel herstellen lassen. Doch Hanf hat auch eine wohlschmeckende und gesundheitsfördernde Wirkung. Es ist reich an ungesättigten Fettsäuren, die es zu einem der besten Speiseöle machen.

Autor: Redaktion l

Bilder: Pflanzenoel.ch AG

Eine uralte Kulturpflanze begleitet die Menschheit schon seit Jahrhunderten und hat in früheren Zeiten gute Dienste als Faserlieferant für Seile, Stricke und ähnliches geleistet. Doch die Pflanze ist auch in Verruf geraten, da sie als Grundlage für Rauschmittel dient. Sie hat aber sehr viel mehr zu bieten und zwar lässt sich daraus eines der besten Speiseöle gewinnen – das Hanföl. Es enthält – ganz im Gegensatz zum ätherischen Öl des Hanfs, das durch Destillation aus Blättern und Blüten gewonnen wird – keine nennenswerten Mengen an Tetrahydrocannabinol (THC).

Gefahrloser Anbau.

Aufgrund der Rauschwirkung der Hanfpflanze war der Anbau in vielen Ländern verboten und ist es teilweise heute noch. Doch für die industrielle Nutzung gibt es Pflanzen, die dennoch angebaut werden dürfen. So sind in den EU-Staaten nur 41 Hanfsorten zugelassen, deren THC-Gehalt unter 0,3 Prozent liegt. Für die Schweiz war jedoch der Hanfanbau nie ein Problem. «Der Anbau von Hanf ist in der Schweiz völlig frei und durch die Verwendung der THC-armen Sorten ist das ohnehin kein Problem. Damit das auch so bleibt, arbeiten wir seit Jahren eng mit den Behörden zusammen. Wir teilen ihnen mit, wann und wo wir welche Hanfsorte anbauen und wann wir ernten. So hat die Abteilung für Betäubungsmittel der Kantonspolizei die Möglichkeit, Stichproben zu nehmen und den THC-Gehalt zu prüfen», erklärt Markus Deppeler, Landwirt der Oelmühle Hardhof.

Genuss mit Mehrwert.

Dass Hanf aber noch viel mehr zu bieten hat, zeigt ein Blick auf die Zusammensetzung des Öls. So sind in 100 ml Hanföl über 71 Prozent mehrfach ungesättigte Fettsäuren enthalten. Dabei liegt das Omega-6 zu Omega-3-Verhältnis bei rund 3,4:1 und ist damit sehr gut.

Qualität von Anfang an.

Um Öl der Spitzenklasse herstellen zu können, beginnt die Qualitätskontrolle bereits beim Samen. «Wir bauen den Hanf selber an und können uns daher das Saatgut aussuchen. Wir wählen entsprechende Sorten aus, die in der europäischen Saatgutliste aufgeführt sind. Dann spielt auch die Bodenqualität eine grosse Rolle. Auf unserem Betrieb haben wir uns für eine 10-Jahres-Fruchtfolge entschieden. Beim Hanf machen wir einen 8-Jahres-Schritt. Damit nutzen wir nur alle 8 Jahre ein Feld für den Hanfanbau. So verhindern wir ein Auslaugen der Böden und können die Biodiversität der Natur erhalten», sagt der Ölspezialist.

Hinzu kommen die sorgfältige Pflege und Ernte, wobei letzteres eine Herausforderung sein kann. Die Faserpflanze lässt sich prinzipiell mechanisch nur schlecht ernten. Dazu sind spezielle oder optimierte Maschinen nötig. Darum hat der Landwirt seinen Mähdrescher entsprechend optimiert.

Spröde Schale — wertvoller Samen.

Die feste Schale schützt den Samen vor Umwelteinflüssen wie Sauerstoff und Sonnenlicht. Doch um daraus Öl zu gewinnen, sind moderne Ölpressen erforderlich. Für das hitzeempfindliche Hanföl ist die Kaltpressung am besten geeignet. Hier liegen die Presstemperaturen zwischen 40 und 60 °C. Damit werden die wertvollen Inhaltsstoffe wie Tocopherol (Vitamin E), Carotinoide und die mehrfach ungesättigten Fettsäuren nicht durch Hitze geschädigt.

«Coole» Anwendung.

Aufgrund seines nussig-krautigen Geschmacks und der einzigartigen Fettsäurenstruktur, ist Hanföl nicht für alle Anwendungen geeignet. Es sollte nicht erhitzt werden, darum sind alle gekochten Gerichte bereits ausgeschlossen. Doch in der kalten Küche lässt sich das breite Spektrum des Hanföls voll ausschöpfen. Es verfeinert beispielsweise Salatsaucen, Müesli oder Joghurt und ist auch als «Topping» etwa für Kartoffelstock eine gute Wahl. Luftdicht verschlossen und gekühlt gelagert, ist Hanföl rund ein Jahr haltbar.

So ist die alte Kulturpflanze zu Recht eine wertvolle Nutzpflanze, die weit mehr zu bieten hat als THC, das als Grundlage für Haschisch oder Marihuana dient. Die wertvollen Inhaltsstoffe des Öls sind ernährungsphysiologisch und medizinisch eine echte Unterstützung für die Aufrechterhaltung des Wohlbefindens und damit eine Degustation wert.


Weitere Informationen:
Pflanzenoel.ch AG
www.pflanzenoel.ch