Eine Publikation der Swissprofessionalmedia AG
Verpacken: Ausgabe 09/2016, 05.09.2016

Weniger Gewicht in der Einkaufstasche

Viele Lebensmittel, wie beispielsweise Konfitüren und ähnliches, sind ohne Verpackung überhaupt nicht verkaufsfähig. Doch damit wachsen auch die Müllberge. Eine Lösung zur Reduzierung von Abfall sind materialoptimierte Verpackungen – auch bei Glas.

Autor: Redaktion l

Bilder: Bischofszell Nahrungsmittel AG (BINA)

Eines der vielen Privilegien reicher Länder, wie der Schweiz und anderer europäischer Staaten, ist der uneingeschränkte Konsum. Doch dieser Luxus hat auch eine Schattenseite – die der stetig wachsenden Müllberge. So produzierte 2014 die Schweizer Bevölkerung laut Statistik des Bundesamts für Umwelt BAFU 2 791 000 t Siedlungsabfälle. Das sind 339 kg pro Einwohner. Auch wenn die Schweiz bei der Mülltrennung und dem Recycling vorbildlich ist, ist die Forderung nach Reduzierung von Müll dringender denn je. Und das nicht nur, um die Umwelt zu entlasten, sondern auch um Ressourcen zu schonen.

Weniger ist mehr.

Eine Möglichkeit ist die Reduktion des Verpackungsmaterials. So sind Lebensmittelproduzenten bemüht, die schützende Hülle immer mehr zu optimieren und Material einzusparen, ohne jedoch die Multifunktionalität zu reduzieren. Auch die Bischofszell Nahrungsmittel AG, ein Unternehmen der Migros, hat sich ein verantwortungsvolles und nachhaltiges Handeln als Grundsatz gewählt. Ein wichtiger Punkt im Nachhaltigkeitsprogramm der ganzen M-Industrie ist die Reduktion von Verpackungsmaterial. So will BINA bis ins Jahr 2020 den Einsatz von Verpackungsmaterial um 10 Prozent senken. Die Business Unit Fruits will dieses Ziel mit der Einführung neuer Gläser unterstützen und rund 175 Tonnen Glas pro Jahr einsparen.

Auf die Form kommt es an.

Damit die Reduktion des Verpackungsmaterials nicht zu einer destabilisierten Verpackung, wie etwa schnell reissende Folie oder leicht brüchiges Glas führt, ist Know-how gefragt – ganz besonders bei so genannten Weithalsgläsern wie etwa für Marmelade und Konfitüre. Als Verpackungsentwickler bei BINA weiss Stefan Munz worauf es ankommt: «Bei Glasverpackungen existieren bestimmte Formen und Ausprägungen. Diese lassen sich mit Nacharbeiten optimieren, so dass wir mit einem geschickten Design im Bodenbereich oder in der Wandstärke Gewicht reduzieren können.» Damit sich durch Änderungen in Form und Ausprägung auch ein optimales Ergebnis erzielen lässt, hat die Nahrungsmittelspezialistin Profis ins Boot geholt. «Bei unserem Projekt haben wir uns die Unterstützung von Vetropack geholt, die im Bezug auf Glasformen,- und fertigungen sowie Optimierung kompetente Fachleute sind», erklärt Stefan Munz. Die neuen Gläser setzt die Konfitürenproduzentin für die Sorten der Marke Favorit, das Biosortiment, die Saisonkonfitüren sowie einige Spezialitäten, wie beispielsweise der Birnendicksaft oder der Erdbeerguss für Torten ein.

Easy to open.

Die Optimierung der Konfitürengläser hat bei BINA zu einer relativ schlichten, zylindrischen Form geführt, auf der auch der innovative «Easy-open-Verschluss» passt. «Die ‹twist-off-Mündungen› sind Normteile, so dass wir uns in diesem Zusammenhang bemüht haben, den «Easy-open-Verschluss» nutzen zu können. Da für diesen Verschluss aber nicht beliebige Durchmesser vorliegen, hatten wir bei unseren gewichtsreduzierten Gläsern bestimmte Einschränkungen und uns letztlich für die Durchmesser von 53, 63, 66, 70 und 82 mm entschieden. Es ist derzeit für uns kein Thema für alle Produkte ein Einheitsglas zu verwenden, da es auch nicht nötig ist. Denn bei Formen gibt es eine Formsprache, die einen bestimmten Wiedererkennungsnutzen erzeugt. So ist das auch bei unseren Glasformen», sagt der Fachmann.

Aus alt wird neu.

Ein Bestreben von Produzenten und auch von Lieferanten ist der geschlossene Werkstoffkreislauf. Bei Glas ist das noch relativ gut zu bewerkstelligen, da hier die Recyclingquote in der Schweiz mit 96 Prozent sehr gut ist. Je nach Sammelgüte und Qualität der Scherben lassen sich bis zu 50 Prozent von Weissaltglas wieder einsetzen. Die restlichen 50 Prozent sind dann neues Glas. Für die Weissglasherstellung ist das, laut Stefan Munz, eine übliche Menge und eine deutliche Verbesserung der Ökobilanz. Denkbar ist sogar eine Steigerung des Altglasanteils von bis zu 80 Prozent. Doch darüber hinaus wird es prozessbedingt schwierig. «Zudem ist es auch eine Frage der Farbreinheit. Bei Weissglas käme es bei mehr als 80 Prozent Recyclingglas zu optischen Einschränkungen. Bei Braunglas liesse sich einiges mehr machen. Aber bei sehr hohen Recyclinganteilen müssten Unternehmen und auch Konsumenten eine grössere Varianz des Farbtons in Kauf nehmen», erklärt der Verpackungsspezialist.

So ist die Optimierung der BINA-Konfitürengläser mit einer angepassten Form und der 50-zu-50-Mischung aus Recycling- und Neuglas eine «runde» Sache.


Weitere Informationen:
Bischofszell Nahrungsmittel AG (BINA)
www.bina.ch



Durch die materialreduzierten Konfitürengläser kann das Unternehmen bis zu 175 Tonnen Glas pro Jahr einsparen