Eine Publikation der Swissprofessionalmedia AG
29.05.2016

Wechselkurse drücken Gewinn

Der konsolidierte Umsatz der Firmengruppe stieg 2015 um 6,5 Prozent auf über 2,1 Milliarden Euro. Wie Chief Financial Officer Luc Schultheiss ausführte, war das Wachstum von Wechselkurseffekten getrieben. «Alle wesentlichen Fremdwährungen haben gegenüber dem Euro an Wert gewonnen. In lokalen Währungen haben wir die Verkäufe lediglich um 0,7 Prozent gesteigert.» In Schweizer Franken, der eigentlichen Berichtswährung der Dachgesellschaft, sank der Umsatz sogar um 6,6 Prozent.

Bilder: Endress+Hauser

Das langsamere Wirtschaftswachstum in China sowie der Verfall der Rohstoffpreise und insbesondere des Ölpreises belasteten den Geschäftslauf. «Die geringere Nachfrage der chinesischen Wirtschaft nach Rohstoffen und Energie hat sich in vielen Ländern vom Pazifik über Südostasien bis Südamerika negativ ausgewirkt», erklärte CEO Matthias Altendorf bei der Präsentation der Bilanz in Basel. Politische Krisen und wirtschaftliche Unsicherheit hätten weltweit auf das Investitionsklima gedrückt.

Mit den USA und China waren laut Chief Operating Officer Michael Ziesemer gleich zwei grosse Märkte im Minus. Deutschland, für Endress+Hauser der grösste Markt, bewegte sich im Plus, verfehlte aber  das Ziel deutlich. Europa (+1,9 Prozent) entwickelte sich robust. Das Wachstum in Amerika (+7,3 Prozent) und Asien (+13,8 Prozent) reflektiert hauptsächlich Währungseffekte, trotz der Dynamik in Indien. Die Umsätze in Afrika und Nahost (+13,1 Prozent) zeugen dagegen von tatsächlicher Dynamik.
Die Freigabe des Frankenkurses Anfang 2015 bewältigten die Schweizer Gruppenfirmen auf Kosten der Marge. «Das war nur möglich, weil wir aus einer Position der finanziellen Stärke agieren», sagte CFO Luc Schultheiss. Die höheren Produktionskosten liessen sich nur teilweise durch günstigere Beschaffung kompensieren. Mit höherer Effizienz will das Unternehmen den Standortnachteil nach und nach wettmachen.

Gut entwickelt haben sich 2015 dem Firmenchef zufolge konsumnahe und nicht-zyklische Branchen wie Lebensmittel, Wasser/Abwasser und Life Sciences. Hohe Zuwächse verzeichnete das Geschäft mit Dienstleistungen und umfassenden Automatisierungslösungen. Auch im Bereich Analyse ist Endress+ Hauser überdurchschnittlich gewachsen.
Die Laboranalyse-Tochter Analytik Jena wuchs im Kerngeschäft mit analytischen Instrumenten und bioanalytischen Systemen. Ein Grossprojekt in Russland sorgte jedoch erneut für ein tiefrotes Ergebnis. In Kanada, Südkorea und der Schweiz baute das Unternehmen eigene Vertriebsstrukturen auf.

Als Folge der überproportional gewachsenen Kosten gab das Betriebsergebnis (EBIT) der Gruppe um 6,3 Prozent auf 251,3 Millionen Euro nach. Das Finanzergebnis war negativ; eine Auswirkung der Währungsverluste sowie geringerer Erträge auf Kapitalanlagen. Dies zeigt sich im Ergebnis vor Steuern (EBT), das um 14,7 Prozent auf 234,2 Millionen Euro sank. Trotz etwas niedrigerer Steuerquote ging auch das Ergebnis nach Steuern um 14,1 Prozent auf 164,7 Millionen Euro zurück.
Entsprechend verringerte sich die Profitabilität. Die Umsatzrendite (ROS) gab um 2,7 Punkte auf 10,9 Prozent nach.

«Das vergangene Jahr hat uns gezeigt, wie wichtig die richtige Unternehmensstrategie ist», sagte der CEO. Die weltweite Präsenz mit Vertrieb und Produktion, die breite Abstützung über unterschiedliche Branchen und das umfassende Portfolio an Produkten, Lösungen und Dienstleistungen hätten im schwierigen Umfeld 2015 geholfen. Diesen Weg will Endress+Hauser mit der neuen Strategie 2020+ konsequent weiterverfolgen. Der Aufbau digitaler Kompetenz bildet dabei einen weiteren Schwerpunkt.
2016 ist Matthias Altendorf zufolge «noch schwieriger» als das vergangene Jahr. Endress+Hauser hat sich einstelliges Wachstum vorgenommen und will den Gewinn auf ähnlichem Niveau halten wie 2015.



Endress+Hauser ist ein international führender Anbieter von Messgeräten, Dienstleistungen und Lösungen für die industrielle Verfahrenstechnik


Im vergangenen Geschäftsjahr haben sich die nicht-zyklischen Branchen wie Lebensmittel, Wasser/Abwasser und Life Sciences gut entwickelt


Das executive Board von Endress+Hauser will 2016 mit der neuen Strategie 2020+ ein einstelliges Wachstum erreichen und den Gewinn auf ähnlichem Niveau halten wie 2015