Eine Publikation der Swissprofessionalmedia AG
Verpacken: Ausgabe 01-02/2017, 31.01.2017

Die Zeit ist reif für neue Ideen

Veränderte Kundenwünsche, kleiner werdende Losgrössen und das zunehmende Umweltbewusstsein von Verbrauchern, stellen an Produzenten grosse Anforderungen – auch bei der Verpackung. So sind innovative Entwicklungen auf dem Vormarsch.

Autor: Redaktion LT

Bilder: MARTIN BELTINGER, LT

Fleisch ist für viele Schweizerinnen und Schweizer ein unverzichtbarer Bestandteil ihrer Ernährung. Besonders Schweizer Fleisch erfreut sich grosser Beliebtheit. Die allgegenwärtigen Diskussionen um artgerechte Tierhaltung, Tierwohl und Umweltschutzgedanken führen bei vielen Verbrauchern zu einem Umdenken bei ihrem Fleischkonsum. So ist der Trend zu Bioprodukten ungebrochen und damit auch zu Biofleisch. Doch angesichts der stetig grösser werdenden Müllberge genügt vielen Konsumenten die biologische Produktion nicht mehr. So rückt auch die Verpackung vermehrt in den Fokus – besonders bei Produzenten, die den Wunsch der Verbraucher nach nachhaltig hergestellten Lebensmitteln und Verpackungen erkannt haben.

Platz für neue Ideen.

Der Migros-Genossenschafts-Bund (MGB) schreibt sich schon seit einigen Jahren selbstdefinierte Umweltziele auf die Fahne, die er sukzessive umsetzen will. So möchte der MGB beispielsweise bis 2020 den Anteil nachwachsender Rohstoffe bei Verpackungsmaterial um mindestens 10 Prozent erhöhen. Experten wie Roland Pfister, Kommunikationsleiter der Gruppe, sehen diese Vorgabe als Pflicht an und geben neuen Ideen eine Chance, um die Ziele auch zu erreichen. Im Rahmen der definierten Nachhaltigkeitsziele hat die Migros-Tochter Micarna seit Oktober 2016 eine ökologisch optimierte Verpackung für ihr Biofleischsortiment im Einsatz – und das mit Erfolg.

Sicher verpackt.

Um die bisher übliche Verpackung in PET-Tiefziehschalen durch eine Verpackung aus nachwachsenden Rohstoffen zu ersetzen, haben die Fleischexperten, zusammen mit Verpackungsspezialisten, in neun Monaten ein Konzept entwickelt. Das Resultat ist eine Verpackung aus beschichtetem und bedrucktem Karton als Träger, der mit einer polymeren Schutzschicht kaschiert ist. «Wir wollten bei der neuen Verpackung verschiedene Aspekte berücksichtigen. So war es uns wichtig, dass diese leicht zu öffnen ist, unseren Nachhaltigkeitszielen entspricht und wir durch eine schöne Optik die Transparenz für unsere Kunden erhöhen können. Da sich nach dem Öffnen die Trägerfolie mit wenig Kraft vom Karton trennen lässt, bleiben am Ende lediglich 6 Gramm Kunststofffolie für den Hausmüll übrig. Der Karton ist recyclierbar», erklärt Rico Ménard, Verpackungsentwickler bei Micarna.

Gewusst wie.

Der Schutz des Fleisches vor äusseren Einflüssen ist bei der neuen Verpackung genauso gut, wie bei der vorherigen PET-Verpackung. Doch dazu war Know-how gefragt. «Der Karton besteht aus Zellulose und ist damit hygroskopisch. Das bedeutet, dass er durch hohe Luftfeuchtigkeit Feuchte aufnimmt und seine Form sowie mechanische Eigenschaften verändert. Zudem ist noch eine Kunststoffschicht aufgebracht, die keine Feuchtigkeit aufnimmt und auch ihre physikalischen Eigenschaften kaum verändert. So neigte der Verbund zur Deformation. Durch die geschickte Wahl von Faserrichtung und Qualität des eingesetzten Kartons, als auch die richtig geführte Verarbeitung zu den Laminaten, konnten wir diese Effekte minimieren. Daher hinterlässt die Packung auch nach mehreren Tagen in den Verkaufsregalen immer noch einen sehr ansprechenden Eindruck. Die erfreulichen Verkaufszahlen aus den ersten Wochen seit der Einführung zeigen, dass der Kunde diese ökologisch sinnvolle Neuerung nicht nur akzeptiert, sondern gerne kauft», so der Verpackungsentwickler.

Moderne Technik im Einsatz.

Für die Einführung der neuen Verpackung haben die Fleischspezialisten derzeit eine gemietete Anlage im Einsatz. Doch für die Zukunft ist bereits der Kauf einer grösseren Verpackungsmaschine angedacht. Auch für die Etikettierung gibt es bereits konkrete Ideen. «Bei unserer Kartonverpackung arbeiten wir im Moment mit zwei Etiketten die wir auf der Vorder- und Rückseite in einem Arbeitsgang applizieren. Doch das Material Karton bietet wesentlich mehr Chancen als wir bisher nutzen.

Ein Vorteil wäre der direkte Druck mit einem digitalen Drucksystem. Damit liesse sich ein, wenn nicht sogar zwei, Etikett sparen und somit auch das entsprechende Material sowie die Komponenten wie Etikettenabwickler, -drucker und Applikator. Wenn wir die Gesamtrechnung betrachten, ist die Zeit für neue Entwicklungen reif. Der Digitaldruck ist so eine Innovation, die wir derzeit abklären», sagt der Verpackungsspezialist.

Vielversprechende Entwicklung.

Nach der erfolgreichen Einführung und einer Steigerung der Absatzmenge von rund 10 Prozent zeigt sich deutlich, dass es sich nicht nur um einen vorübergehenden Hype handelt, sondern um die Erfüllung von Konsumentenwünschen. Leichter zu öffnende und nachhaltig produzierte Verpackungen, die auch noch den Blick auf Entrecôte, Plätzli, Koteletten, Schweinsnierstücke und Saltimbocca frei geben, liegen im Trend. Die erheblich geringere Abfallmenge und der hohe Anteil nachwachsender Rohstoffe ist ein weiteres Argument für die Umsetzung neuer Ideen. So ist es auch denkbar, dass die ökologische Verpackung in näherer Zukunft nicht nur für die Biolinie von Micarna im Einsatz ist, sondern für breitere Teile des Frischfleisch-Sortiments.


Weitere Informationen:
Micarna SA
www.micarna.ch



Sicher Verpackt und dennoch leicht zu recyclen: Die innovative Verpackung besteht zu 70 Prozent aus nachwachsenden Rohstoffen und einer Kunststoffbeschichtung, die sich nach dem Gebrauch einfach vom Karton abziehen und im Hausmüll entsorgen lässt



Die von Hand aufgelegten Biofleischstücke sind in der neuen Verpackung optimal vor äusseren Einflüssen geschützt




Rico Ménard ist mit dem Ergebniss sehr zufrieden und hat bereits konkrete Pläne für eine grosse Verpackungsanlage