Eine Publikation der Swissprofessionalmedia AG
Materialfluss und Logistik: Ausgabe 01-02/2017, 31.01.2017

Moderne Lagertechnik schafft Platz für mehr

Vegane Produkte erfreuen sich wachsender Beliebtheit. Um mit diesem Trend Schritt zu halten, hat ein veganer Grosshandel ein neues Logistikzentrum gebaut und mit innovativer Intralogistik und Lagerhaltung ausgestattet.

Autor: Peter Kerth Leiter Produktmanagement

Bilder: bild: BITO-Lagertechnik

Deutschlandweit verzichten derzeit etwa 900 000 Menschen komplett auf tierische Produkte, das sind knapp 1,1 Prozent der Bevölkerung. Und die Zahl der Veganer wächst – pro Jahr um stattliche 20 bis 30 Prozent. «Wir bieten ein vielseitiges Sortiment an schmackhaften Fleisch-, Wurst- und appetitlichen Käsealternativen», zählt Jörg Kerber auf. Er ist Logistik- und IT-Leiter sowie strategischer Berater der Geschäftsleitung bei AVE, Europas erstem veganen Grosshändler. «Dazu kommen viele weitere Leckereien wie Milchalternativen, Pflanzendrinks, vegane Getränkepulver, herzhafte Brotaufstriche, Schokolade und natürlich Soja und Tofu.»

Seit der Gründung verzeichnet das Unternehmen ein kontinuierliches Wachstum. So bietet es mittlerweile über 800 Artikel für den Handel an und versorgt damit den Gross- und Lebensmitteleinzelhandel, die Hotellerie, Gastronomen und Restaurants, Cafés, Bioläden und Reformhäuser sowie alle Händler, die ihr Sortiment um diese Lebensmittel erweitern möchten. Dazu kommen mehr als 2000 Produkte im Online-Shop. Endverbraucher können dort aus einem sich ständig erweiternden rein pflanzlichen Sortiment wählen.

Reibungslose Warenflüsse erforderlich.

Um die Auslieferung zu keinem Zeitpunkt unterbrechen zu müssen, benötigte das Unternehmen dringend eine neue Logistikhalle. In drei Etappen baute das Unternehmen zwar immer wieder auf dem vorhandenen Grundstück an und mietete darüber hinaus weitere Stellflächen in anderen Lagern. Seit Juni 2015 befindet sich der neue Unternehmensstandort im Nabburger Gewerbegebiet auf 7500 Quadratmeter Grundstücks-fläche, die Logistikhalle nimmt davon etwa 2500 Quadratmeter ein.

Im Vergleich zu einem reinen Online-Supermarkt dient das Lager sowohl zur Kommissionierung der B2B-Aufträge als auch für die Bestellungen von Endkunden aus dem Online-Shop. «Wir müssen umfangreichere Grosshandelsaufträge genauso sicher handhaben wie Kleinbestellungen», erklärt Kerber. An die Intralogistik sind daher ganz besondere Herausforderungen gestellt. «Bei diesem Multichanneling bedarf es unterschiedlicher Lagerungsarten», verdeutlicht der Logistikleiter: «Das umfangreichere Produktsortiment aus dem Online-Shop müssen wir in kleineren Verpackungseinheiten bereitstellen, die Grossmengen und Schnelldreher für den Handel auf Paletten. Die Produkte lagern wir in zwei Temperaturzonen. Es gibt ein Lager für das Trockensortiment und ein thermisch davon abgetrenntes Frischelager für Waren, die wir unter acht Grad Celsius aufbewahren. Damit nichts verdirbt, ist das Prinzip «First-in-first-out» konsequent einzuhalten. Die Distribution der Waren ist zeitlich genau auf Lagerbestände sowie nach Restlaufzeiten bis zum Mindesthaltbarkeitsdatum zu kontrollieren. Dazu kommen die unterschiedlichen Auftragsstrukturen und -anzahlen in den jeweiligen Channels.» Beim veganen Grosshändler gehen täglich bis zu 2000 Paketaufträge über den Online-Shop ein und bis zu 150 Grosshandelsaufträge – diese liefert er als Paket, Palette oder als Komplettladung aus.

Mit dem richtigen Partner zur passenden Lösung.

Für die Einrichtung der neuen Logistikhalle stand nur sehr wenig Zeit zur Verfügung. Deshalb war ein Partner gefragt, der in der Lage ist, die vorhandene Planung und die Vorgaben kurzfristig umzusetzen. Den Auftrag bekam Bito-Lagertechnik. Der Komplettanbieter für Lagertechnik lieferte eine zweigeschossige Stückgutdurchlaufregalanlage (SDS) für das Trockenlager. Dazu integrierten die Experten eine Stahlbaubühne sowie eine Fördertechnik, die die Kommissionierbehälter vom zweiten Geschoss nach unten zum Versand führt. Die Grundfläche beträgt 300 Quadratmeter, die Höhe der Anlage insgesamt etwa sieben Meter. Die Stückgutdurchlaufregale werden von der einen Seite mit den Waren, die sich in Kartons befinden, bestückt. Diese rollen dann automatisch nach vorn, wo der Mitarbeiter die benötigten Artikel entnimmt. So können Kommissionierer und Warenbereitsteller voneinander ungestört arbeiten. Die Umsetzung des FiFo-Prinzips in dieser Kommissionieranlage stellt zudem sicher, dass die zuerst eingelagerten Artikel auch zuerst das Lager wieder verlassen. Damit lässt sich das Mindesthaltbarkeitsdatum einhalten. Im Trockenlager befinden sich zudem eine Doppel- und eine Einfachpalettenregalreihe für Artikel mit hohem Umschlag. Dazu kommt eine Regalreihe für das Verpackungsmaterial. Im Frischebereich haben die Fachleute ebenfalls Palettenregale installiert. Sie statteten eine Doppelreihe in dem unteren Bereich mit Stückgutdurchlaufebenen aus, was so für eine kompakte Bereitstellung von vielen verschiedenen Artikeln in kleinerer Menge sorgt. Die Palettenplätze oberhalb der Durchlaufebenen unterstützen als Puffer. Zusätzlich dient eine einzelne Regalzeile mit Palettenplätzen für die Schnelldreher. In der kompletten Anlage kann der Grosshändler etwa 3000 unterschiedliche Artikel lagern.

Immer im Fluss.

Am Tag kommen etwa vier bis fünf Lkw am Wareneingang an. Entladen werden diese – je nach Frische- oder Trockenprodukt – über zwei Tore. «Wir haben eine neue ERP- und Lagerverwaltungssoftware im Einsatz», sagt Kerber. «Damit wissen wir zu jedem Zeitpunkt, wann die Ware ihr Haltbarkeitsdatum überschreitet und welche Mengen von welchem Produkt sich im Lager befinden.» Entsprechend lagern die Mitarbeiter die Produkte als Puffer auf Paletten, oder sie stehen sofort für die Kommissionierung bereit. Damit ist die Ware stets im Fluss. Das neue Logistikzentrum dient dazu, sowohl B2B- Aufträge, als auch B2C-Aufträge im Endkundengeschäft zu kommissionieren. Je nach Vertriebskanal erfolgt das ganz unterschiedlich. Für Kleinaufträge, also für Endkunden, die online bestellen, entnimmt der Mitarbeiter die jeweiligen Artikel aus dem SDS und dem Palettenregal und legt sie in Bitoboxen MB. Produkte aus dem Frischebereich kommen in Behälter, die mit Kühlinlays ausgestattet sind. Um die Aufträge für den Versand bereitzustellen, führen Mitarbeiter sie anschliessend zusammen, kontrollieren und – je nachdem ob Klein- oder Grossauftrag – verpacken diese als Paket oder auf Paletten. Waren aus dem Frischelager, die auf Paletten gestapelt sind, verlassen das Logistikzentrum nur über temperaturgeführte Lkw.


Weitere Informationen:
BITO-Lagertechnik
www.bito.ch