Eine Publikation der Swissprofessionalmedia AG
Hygiene: Ausgabe 01-02/2017, 31.01.2017

Pflege ist auch für – rostfreien Edelstahl nötig

Die Silbe «Edel» im Wort Edelstahl impliziert wie bei Edelmetallen Unvergänglichkeit, Reinheit und dauerhaft saubere Oberflächen. Leider ist dem aber nicht so, im Gegenteil. Zur Vermeidung von Verunreinigungen gibt es eine innovative pH-neutrale Verfahrensweise.

Autor: Marc Vernier, Geschäftsführer Ateco, Andreas Zeiff, Redaktionsbüro

Bilder: bilder: Ateco Services AG

Für viele Bereiche der Industrie, in denen es auf Hygiene ankommt, bevorzugen Betriebe Edelstahloberflächen. Das widerstandsfähige Material trotzt Reinigungs- und Desinfektionsmitteln ebenso wie Dampfstrahlern, Heissdampf und aggressiven Reagenzien in der Anlage. Die optimale Schutzwirkung lässt sich durch eine geschlossene, chromoxidreiche Oberflächenschicht erreichen, der Passivschicht. Leider ist diese nicht dauerhaft stabil und auch nicht «von Haus aus» genügend stark ausgebildet. So müssen Fachleute diese bei Neuanlagen oder Umbauten erst erzeugen. Um den Betreibern solcher Anlagen einen optimalen Service rund um Inbetriebnahme, zyklische Wartung und gesetzliche Vorschriften zu bieten, erweiterten die Spezialisten von Ateco Services ihr Portfolio. Sie bieten die Grundreinigung für Neu- beziehungsweise umgebaute Anlagen mit Reinigungs-, Derouging-, und Passivierungstechnik in umweltschonenden, pH-neutralen Verfahrensweisen an.

«Porentief» rein.

Oberflächen im Hygienebereich sind im Allgemeinen glatt bearbeitet. Allerdings lagern sich während der Herstellung der Anlagen zahlreiche Fremdstoffe wie Abriebpartikel, Graphitstaub und Ölfilme auf den Edelstahlteilen ab. Diese müssen Fachleute zwingend vor einer weitergehenden Oberflächenkonditionierung durch eine Erstreinigung entfernen, um Verunreinigungen, eine mangelhafte Ausbildung der Passivierungsschicht, beziehungsweise den Nährboden für Biofilme zu vermeiden. Die Reinigungsspezialisten für Edelstahl bieten hierfür bewährte Verfahren an. Aus Umwelt- und Kostengründen kommen zunehmend pH-neutrale Reiniger zum Einsatz. Die Reinigung von Partikeln und Fetten, respektive einem Ölfilm findet dabei im neutralen Bereich um pH 7 statt. Komplexbildner und Additive arbeiten bei Temperaturen von über 50 °C am besten. Nach rund zwei Stunden sind alle Oberflächen metallisch blank und für die Passivierung vorbereitet. Nun lässt sich das ebenfalls pH-neutrale Passivierungsmittel auf Wasserstoffperoxidbasis direkt der Reinigungslösung zugeben. Eine zeitaufwendige Zwischenspülung entfällt. Die eigentliche Passivierung dauert dann noch etwa 45 bis 90 Minuten je nach der Oberflächengüte des behandelten Werkstoffes. Bei besonderen Voraussetzungen, wie zum Beispiel nicht elektropolierten Oberflächen, empfiehlt es sich einen Zwischenreinigungsschritt vor der Passivierung, mit dem ebenfalls pH-neutralen Diruneutra vorzusehen, um auch hier die optimale Oberfläche für die Schutzschichtausbildung zu erzielen. Der Zwischenschritt reinigt bis in die Tiefen und entfernt eventuell vorhandene Eisenoxide und -hydroxide. Das so verbesserte Cr/Fe-Verhältnis ergibt dann bei der folgenden «Versiegelung» eine verstärkte Passivschicht.

Die Vorteile

des neuen, umweltschonenden Verfahrens überzeugten schon namhafte Kunden aus der Chemie- und Pharmaziebranche. So zum Beispiel das Unternehmen Hof Sonderanlagenbau, die Gefriertrocknungssysteme herstellen. Die Experten beschäftigen sich schon seit Jahren mit dem Thema «Grundreinigung, Derouging und Passivierung» ihrer Anlagen.

In dem zur Zeit angewendeten «pH-neutralen Verfahren» ist nach Meinung der Fachleute ein Optimum in Effizienz, Anwendung und Umweltverträglichkeit erreicht: «Wir führen diese Reinigungs- und Passivierungsmassnahmen mit eigenem Fachpersonal und der Unterstützung der Ateco-Experten aus. Die Erfahrung der letzten Jahre zeigte, dass wir ein recht zufriedenstellendes Ergebnis erreichen», erklärt Hans-Georg Hof, Geschäftsführer der Hof Sonderanlagenbau.

Als Hauptvorteile führen die Fachleute dabei allgemein die niedrige Chemikalienkonzentration bei optimaler Passivierung an. Die geringe Menge an Chemikalien zusammen mit dem pH-neutralen Arbeitsbereich senkt auch die Folgekosten, da Unternehmen die gebrauchte Lösung direkt ins Abwasser entsorgen können. Hinzu kommt das geringe Gefahrenpotential bei einer Havarie; gerade bei Neuanlagen sind Betreiber trotz aller Kontrollen lieber vorsichtiger. Die Passivierung lässt sich sozusagen als Kontrolllauf für die Anlage sehen. Die deutlich kürzere Prozesszeit und die fehlende Zwischenspülung, gegenüber den älteren Verfahren, senken zudem die Kosten für die Inbetriebnahme neuer Anlagen oder nachgerüsteter Komponenten. So lässt sich beispielsweise ein neues WFI-Verteilsystem mit Lagertank mit dem innovativen Verfahren in einem Arbeitstag reinigen und passivieren.

Nach Bedarf oder «all inclusive».

Die Schweizer Spezialisten beraten den Anwender, um die jeweils optimale Lösung zu finden. Neben den zertifizierten Reinigungschemikalien sind auch die Durchführbedingungen, sprich Konzentration des Reinigers, Temperatur der Lösung und Einwirkzeit wichtig. Die Parameter stimmen Labormitarbeiter auf die beim Kunden vorkommenden Prozessverunreinigungen ab. Um alle Oberflächen auch in grossen Autoklaven, Ansatz-, Produktions- und Lagerbehälter produktionssicher zu benetzen, verwenden die Spezialisten statische, rotierende und auch orbitale Sprühköpfe für die Verteilung der Vorspülung, der Reinigungslösung und zum Nachspülen.

Naturgemäss sind die Anforderungen an Reinigungs- und Passivierungsintervalle so unterschiedlich wie die Anlagen und Branchen, in denen die Edelstahlkomponenten im Einsatz sind. Auch ist die Infrastruktur vor Ort nicht einheitlich. So kann unter Umständen nicht jeder Anwender alle Zertifizierungsvoraussetzungen nahtlos erfüllen. Aus diesem Grund bieten die Spezialisten auch einen skalierbaren Service an.

Regelmässige Pflege

der Anlagenteile aus Edelstahl sichert eine reibungslose Produktion auf hohem Qualitätsniveau. Je nach den Anforderungen der Anlage beziehungsweise des Betreibers müssen diese dabei unterschiedliche gesetzliche Vorgaben beachten. Hier hilft ein Rundumservice weiter. Alle Arbeiten und Dokumentationen stellt ein Ansprechpartner bereit. Das spart Zeit und Kosten. Wer Erstreinigung oder Derouging in eigener Verantwortung durchführen möchte, bekommt alle nötigen Chemikalien in zertifizierter Ausführung und eine Anleitung geliefert.


Weitere Informationen:
Ateco Services AG
www.ateco.ch

Mitarbeiter bei dem Chemikalienansatz für die Passivierung


Rouging im Edelstahlrohr einer Reinstwasserleitung