Eine Publikation der Swissprofessionalmedia AG
Ausgabe 10/2017, 02.10.2017

Fachkongress Swiss Ento Food

Um die rasch wachsende Weltbevölkerung auch in Zukunft sicher ernähren zu können, sind in jüngster Zeit Insekten als potenzielle Nahrungsquellen in den Fokus der Wissenschaft gerückt. Der Fachkongress Swiss Ento Food an der ZHAW beleuchtete dieses spannende Thema von verschiedenen Seiten.

Autor: Jürg Grunder Leiter Forschungsgruppe Phytomedizin, Institut für Umwelt und Natürliche Ressourcen, ZHAW / Wädenswil

Neue Entwicklungen in der Erforschung und Produktion von essbaren Insekten sowie ein Insektenschmaus zum Lunch standen im Zentrum des Fachkongresses Swiss Ento Food an der ZHAW in Wädenswil. Bis die Insekten wirklich in aller Munde sind, wird es aber noch einige Zeit dauern. Auch wenn die Schweiz mit der kürzlichen Zulassung von drei Arten – Heuschrecken, Grillen und Mehlwürmer – nach Holland und Belgien eine Vorreiterrolle in Europa einnimmt. Der Kongress Swiss Ento Food vom 31. August 2017 beleuchtete das Thema «essbare Insekten» aus wissenschaftlicher, marketingtechnischer, rechtlicher und aus Konsumentensicht.

Pionier für essbare Insekten.

Keynote Speaker und Insektenforscher Arnold van Huis, von der Universität Wageningen in Holland, gilt als Pionier für essbare Insekten in Europa. Sein erfolgreiches Kochbuch von 2014 und seine wissenschaftlichen Publikationen über Insekten als Lebensmittel und Futtermittel hatten einen massgeblichen Einfluss auf die Entwicklung in Europa. Unterstützung erhält er auch durch die FAO (Uno-Organisation für Ernährung und Landwirtschaft), die in Insektenspeisen weltweit ein grosses Potenzial sieht. Alexander Mathys von der ETH Zürich sprach über seine neuen Analysemethoden zur Insektenzucht. Mit diesen Untersuchungen kann er aufzeigen, wie effizient eine Insektenproduktion wirklich ist und wieviel effizienter Insektenspeisen gegenüber der traditionellen Fleischproduktion sind. Ein weiterer Vortrag der Mikrobiologin Leen van Campenhout von der Universität Leuven, Belgien, beleuchtete mikrobiologische Fragen in Bezug auf essbare Insekten. Hier zeigte sich, dass es noch an einheitlichen Standardtests fehlt, wie sie zum Beispiel bei Hackfleisch oder Würsten zur Anwendung kommen. Diesbezüglich hat die Wissenschaft noch grossen Nachholbedarf.

Sind wir den Insekten etwas schuldig?

Diese und weitere Fragen stellte der Ethiker Thomas Potthast von der Universität Tübingen. In seinem Vortrag beleuchtete er den ethischen Umgang mit den Insekten. Vor allem hat er den Tötungsprozess der Insekten genauer untersucht. Derzeit verwenden die meisten Produzenten essbarer Insekten die Methode des Einfrierens. Dies ist ein Verfahren, das auch aus Tierschutzsicht akzeptierbar ist und kein Verstoss gegen das Tierwohl bedeutet.

Vertreter der Bundesbehörden (vom Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen BLV und vom Bundesamt für Landwirtschaft BLW) zeigten in zwei Vorträgen die aktuelle rechtliche Situation für essbare Insekten als Lebensmittel und Futtermittel auf und erläuterten den Spielraum für Wirtschaft und Wissenschaft. Die Schlussfolgerung war auch hier wie in anderen Referaten, dass eine wechselseitige Kommunikation zwischen Behörden, Produzenten, Handel und Wissenschaft als sehr wichtig beurteilt wird.

Insektenausstellung als Anziehungspunkt.

Zwischen den Vorträgen präsentierte eine Ausstellung des Insektenspezialisten Daniel Ambühl essbare Insekten aus der ganzen Welt, die Besucherinnen und Besucher denn auch interessiert begutachteten. Auch die beiden Schweizer Firmen Entomos und Essento informierten vor Ort über ihre Produkte und ihre Aktivitäten. Für das Mittagsbuffet hatte Essento zwei der Produkte mitgebracht. Die Teilnehmenden konnten sich überzeugen, dass der Heuschreckenspiess und auch die Mehlwurmbällchen wunderbar schmeckten.

Die Schweizer Ernährungswissenschaftlerin Deborah Beyli stellte fest, dass die Bereitschaft, Insekten zu essen und in einen Menüplan aufzunehmen, grundsätzlich vorhanden ist. Voraussetzung ist jedoch, dass noch sehr viel Aufklärungsarbeit geleistet wird. Dazu gehören zum Beispiel entsprechende Empfehlungen von fachlicher Seite für die Verwendung von Insekten in unserer traditionellen Küche. Der Insektenspezialist Daniel Ambühl zeigte einen spannenden Einblick in ein afrikanisches Projekt im Kongo, das essbare Insekten mit Aufforstung kombiniert, traditionelles Wissen einsetzt und konsequenterweise auch der drohenden Landflucht entgegenwirkt.