Eine Publikation der Swissprofessionalmedia AG
Ausgabe 11/2017, 07.11.2017

Innovation mit Herzblut

Die St. Galler Brauerei Schützengarten steht für alte Schweizer Braukunst und meistert den schwierigen Spagat zwischen Tradition und Moderne. In Zukunft hilft ihr dabei ein Verpackungsblock.

Autor: Christian Wopen Redakteur Sputnik

Bilder: KHS GmbH

Der Schützengarten ist für Martin Ketterer in vielerlei Hinsicht eine besondere Brauerei. Ketterer, seit 2009 technischer Direktor des Unternehmens, bringt es auf den Punkt: «Obwohl wir eine der ältesten Brauereien der Schweiz sind, nutzen wir moderne Technik, um charaktervolle Produkte herzustellen, deren Qualität internationales Spitzenniveau hat.» Eine Voraussetzung dafür ist die sorgfältige Rohstoffwahl. Dabei geht es nicht nur um Spezialmalze und spezielle Hopfensorten, die Schützengarten für seine Biere teils aus exklusiven Direktkontrakten mit Bauern bezieht. Je nach Biertyp oder -sorte kommen auch exotischere Zutaten zum Einsatz. «Heute könnten wir uns als eine Craft-Brauerei bezeichnen», erklärt Ketterer. «Mit einem Unterschied: Anders als bei vielen Craft-Brauereien, bei denen Quereinsteiger zum Brauen kommen, sind bei uns ausschliesslich ausgewiesene Fachleute am Start, angefangen bei unseren insgesamt sieben Braumeistern – zwei davon übrigens Frauen – bis hin zu jedem einzelnen Mitarbeiter in der Produktion, die alle entweder Brauer oder Lebensmitteltechnologen sind.»

Zu den Anforderungen des Marktes, die die Brauerei bedienen muss, gehört neben einer breiten Produktpalette auch eine Vielfalt an Gebinden, Gebindegrössen und Verpackungsformen. Zu der Individualflasche für ihr Produkt Gallus 612, ein Old Style Ale, hat die Brauerei auch eine spezielle Flaschenform mit Prägung für das Stout und IPA entwickelt. Das übrige Sortiment bietet das Unternehmen in 330- und 500-Milliliter-Einweg- oder Mehrweg-Glasflaschen mit Kronkorken oder in Bügelflaschen sowie in Halbliter-Dosen an. Für zusätzliche Komplexität in der Produktion sorgt die Umverpackung: Zwar gibt es Vierer-, Sechser- und Achterpacks, die wichtigste Gebindegrösse im schweizerischen Markt allerdings ist der Zehnerpack, gefolgt vom 18er-Pack, «den speziell die Studentenhaushalte bevorzugen», wie Ketterer schmunzelnd anmerkt. Für spezielle Aktionen mit einzelnen Handelsketten hat die Brauerei auch 12er- oder 15er-Kartons im Angebot. Parallel dazu packen die Bierspezialisten die Flaschen auch in Kästen. «Natürlich ist es aus technischer Sicht nicht das Ziel, eine zu grosse Vielfalt zu produzieren», betont der Fachmann. «Wir wollen ja unsere Produktion nicht abwürgen, indem wir ununterbrochen umstellen. Aber die Zahl der Verpackungsvarianten ist in den letzten Jahren förmlich explodiert – und wir können uns den Zwängen des Marktes nicht entziehen.»

Neue Technik auf engem Raum. Von entsprechend grosser Bedeutung war deshalb die Entscheidung von Schützengarten, den Trockenteil seiner Flaschenfüllerei neu aufzustellen. Die Investition in eine kombinierte Packmaschine für Wrap-Around-Kartonagen und Kunststoffkisten umfasste einen Aus- und Einpacker, einen Be- und Entbinder, eine kombinierte Be- und Entpalettierung sowie einen Neuglasabräumer. Teil der Anlage sind ausserdem ein Palettenwickler, ein Kastenwascher sowie ein komplett automatisiertes Kastenmagazin zur Pufferung von Kunststoffkästen. Uwe Müller, Technical Sales Manager bei KHS, erläutert die besondere Herausforderung des Projekts: «Die grösste Herausforderung ist die räumliche Enge. Erschwerend kommen bestehende Verbindungen im Gebäude hinzu, die nicht verändert werden können, sowie Aufzüge und ein Pasteur für alkoholfreies Bier, der an seinem Platz stehen bleiben muss. Auch die Deckenhöhe ist vergleichsweise gering. Um den vorhandenen Platz optimal auszuschöpfen, nutzen wir die mit unserem Kooperationspartner Schubert entwickelte multifunktionale, verblockte Anlage, die hier erstmals zum Einsatz kommt. Wir mussten die Maschinen buchstäblich wie mit dem Schuhlöffel einpassen». Dabei half ein 3D-Anlagenmodell, das die Experten in einen dreidimensionalen Scan des vorhandenen Raumes einfügten und dabei auch noch einen kleinen Vorsprung oder Deckenträger berücksichtigten. Für den technischen Direktor ist es einer der grössten Vorteile der Anlage, dass sie sowohl Kisten als auch Kartons kombinieren und in nur einem gemeinsamen Maschinenblock verarbeiten können. Dieser übernimmt auch noch die Pufferung im Kastenmagazin.

Enorme Flexibilität. «Die Verblockung der Komponenten macht lange Transportstrecken und die sonst erforderlichen jeweils eigenen Ein- und Auslaufstrecken überflüssig», beschreibt Lutz Müller, Sales Manager bei KHS, die kompakte Bauweise der Maschine. «Dadurch reduzieren sich Wartung, Verschleiss und Energieverbrauch. Zudem lässt sich die platzsparende Lösung von nur einem Operator bedienen.» Aus Kundensicht fast am wichtigsten ist jedoch die Flexibilität, mit der die Maschine die Produkt- und Verpackungsvielfalt von Schützengarten bewältigt. «Wir haben bei der Formatumstellung eine hohe Reproduzierbarkeit. Es ist keine Feinjustierung mehr nötig, sondern es gibt definierte Formate, die Mitarbeiter wechseln und die es erlauben, immer mit den gleichen Einstellungen zu produzieren. Das verkürzt die Umstellzeiten auf weniger als 15 Minuten.

Dank ihres modularen Aufbaus ist die Anlage zukünftig auch für die Verarbeitung von neuen Verpackungsarten wie Cluster Packs oder Baskets erweiterbar.» Durch das neue innovative Anlagenkonzept kann die Brauerei die Linienleistung der Einwegverpackungen annähernd verdoppeln.

Im Verlauf der flexiblen Planung flossen auf Wunsch von Schützengarten viele Änderungen und Anpassungen ein, die sich für die Brauerei als wertvoll erwiesen. Sowohl Ketterer als auch Müller sind sich einig, dass es gut war, der Feinplanung so viel Raum zu geben – so konnte die Auftragsklärung im Prinzip vor der Auftragsvergabe erfolgen.

Im Vorfeld haben die Experten zudem den Montageablauf detailliert geplant, denn die Verantwortlichen haben die Maschinen nicht ebenerdig aufstellen lassen, sondern mit einem Kran ins Obergeschoss bringen und innerhalb kurzer Zeit an der optimalen Stelle platziert. Da Schützengarten aufgrund seiner geringen Lagerkapazität kaum Chancen hatte, grosse Mengen vorzuproduzieren, musste innerhalb von nur drei Wochen das erste verkaufsfertige Produkt aus der Maschine laufen  – üblicherweise planen Fachleute bei solchen Gegebenheiten ein Zeitfenster von mindestens fünf bis sechs Wochen ein. Spannend war die Inbetriebnahme insbesondere für Ketterer. «Bei der Wiederaufnahme der Produktion geht es bei so einer Anlage ja nicht nur um mechanische Details, sondern vor allem darum, ob alle Schnittstellen funktionieren. Da gibt es schon den Moment, wo ich die Luft anhalte.» Aber wenn dann alles reibungslos läuft, weiss auch Ketterer, warum er und sein Team seit 21 Jahren auf die Zusammenarbeit mit KHS vertrauen.


Weitere Informationen:
KHS GmbH
www.khs.com

 




In der St. Galler Brauerei sind ausschliesslich ausgewiesene Fachleute für die Biere verantwortlich.