Eine Publikation der Swissprofessionalmedia AG
Ausgabe 04/2017, 03.04.2017

Bekämpfung von Produktfälschungen

Verschnittenes Olivenöl und gepanschter Alkohol sind nur zwei Beispiele für Produktfälschungen, die erheblichen Schaden anrichten können. Um sich vor Betrügereien zu schützen, gibt es Kennzeichnungslösungen die helfen, kriminelle Aktionen schnell aufzudecken.

Autor: Chirag Sheth Global Marketing Manager

Bilder: Videojet

Produktfälschungen sind ein allgegenwärtiges Problem und keineswegs selten. Welches Ausmass die Fälschungen in der globalen Getränkeindustrie haben, zeigen einige Zahlen eindrucksvoll: Anfang des Jahres 2016 gab Interpol bekannt, dass Beamte im Rahmen von Operation V eine Million Liter an illegalen Getränken in 57 Ländern beschlagnahmt haben. Rund 10 000 Liter an gefälschtem oder gepanschtem Alkohol stellten Polizeibeamte im Vereinigten Königreich sicher und 36 000 Liter in Burundi. Das zeigt, dass Fälschungen sowohl in entwickelten als auch in unterentwickelten Ländern verbreitet sind.

Keine Spezialisierung.

Alle Bereiche der Getränkeindustrie sind von Fälschungen betroffen. So haben beispielsweise diverse Betriebe Energy-Drinks wie 5-Hour Energy gefälscht, woraufhin drei Angeklagte kürzlich zur Zahlung von insgesamt mehr als 20 Millionen $ an das geschädigte Unternehmen verurteilt wurden. Einem Getränkehändler aus Louisiana hingegen brachte der Verkauf eines gefälschten Softdrinks als vermeintliche Coca-Cola einige Klagen ein. Sogar Wasser, unser lebensnotwendigstes Gut, ist unter den gefälschten Produkten. Aufgrund der höheren Kosten (Produkt plus Stempelsteuer) ist es aber Alkohol, der am häufigsten gefälscht und abgezweigt wird.

Die menschliche Komponente.

Anders als bei gefälschten Elektronikartikeln, Luxus-Accessoires oder Kleidungsstücken gibt es bei gefälschten Getränken hohe menschliche Kosten, da wir das Produkt konsumieren. Neben Umsatzeinbussen und Rufschäden für die Marken haben gefälschte Getränke auch schon zum Tod von Menschen und zu Verkrüppelungen geführt. Es hat sich herausgestellt, dass gefälschter Alkohol einige gefährliche Substanzen enthält, darunter gefährliche Chemikalien wie Chloroform, Frostschutzmittel und Nagellackentferner.

Kurz vor Sylvester letzten Jahres schrieb The Mirror im Vereinigten Königreich, dass Beamten der Handelsaufsichtsbehörde in Grossbritannien Tausende von Litern an gefälschtem Wodka in einer Fabrik in Wigan beschlagnahmten. Die gefälschten Spirituosen hatten nicht nur 1,7 Millionen £ an unbezahlten Steuern zur Folge. Der Verzehr des Getränks hätte auch zum Erblinden, zu einem Koma oder zum Tod führen können. Es kann nicht oft genug betont werden, wie wichtig es ist, zu verhindern, dass derartige Produkte in die Einzelhandelslieferkette gelangen.

Das Problem der Abzweigung.

Fälscher bringen ihre Produkte auf illegalem Wege auf den Markt. Die Folge: Umsatzeinbussen für die Hersteller aufgrund nicht verkaufter Originalprodukte und entgangene Steuern für Behörden, die normalerweise für diese Produkte zu entrichten sind. Mit Abzweigung ist die Überführung von Originalware an nicht vorgesehene Umschlagpunkte gemeint. Diese Produkte lagern unter unangemessenen Bedingungen und werden oftmals manipuliert und mit anderen Zutaten vermischt. Die Manipulation von Produkten kann dieselben negativen Folgen haben wie Fälschungen, allerdings sind manipulierte Produkte schwerer zu erkennen, da bei der Abzweigung anders als beim Fälschen die Originalverpackung verwendet wird.

Fälscher können abgezweigte Produkte auch verwenden, um Etiketten und einfache Sicherheitsetiketten zu kopieren. Wenn Sie keine starken Sendungsverfolgungslösungen für Ihre Produkte verwenden, lässt sich jede einfache Sicherheitsmassnahme mühelos duplizieren oder replizieren. Und das erlaubt es Fälschern, gefälschte Produkte als echte Produkte zu verkaufen.

Wie können Kennzeichnung und Markierung bei diesen Problemen helfen?

Die diesbezüglichen Gesetze und Strafverfolgungsmöglichkeiten sind oft langwierig, kostspielig und schwer umzusetzen. Vorgedruckte Sicherheitsverpackungen sind in der Regel mit hohen Investitionen verbunden und lassen sich dann oft doch entschlüsseln und kopieren. Fortschrittliche digitale Kennzeichnungslösungen in Kombination mit integrierter Trackingsoftware erlauben tägliche Einblicke in die Lieferkette und erlauben es so, Fälschungen und Abzweigungen nachzuverfolgen.

Wir empfehlen Herstellern, einen mehrschichtigen Ansatz zu verfolgen, bei dem intelligente Kennzeichnungstechniken zusammen mit sichtbaren oder unsichtbaren Kennzeichnungen zum Einsatz kommen. Die intelligente Kennzeichnung verbessert eine grundlegende Los- oder Chargenkennzeichnung, indem spezifische Zeichen darin mittels algorithmischer Software geändert und geprüft werden. Das einfache Weglassen des zentralen Tintenpunkts eines «X» beispielsweise macht es für Unbefugte bereits bedeutend schwerer, Ihre Kennzeichnungen zu kopieren.

Sichtbare Kennzeichnungen – zum Beispiel per Laser sind permanent, daher ist es für Dritte nahezu unmöglich, sie zu entfernen. Unsichtbare Kennzeichnungen hingegen sind für alle ausser autorisierten Vertriebspartnern verborgen. Sowohl UV- als auch Infrarottinten lassen sich mit der Continuous Ink Jet- oder Thermal Ink Jet-Technologie anwenden. Diese unsichtbaren Kennzeichnungen können Unternehmen dann mittels verfügbarer Sichttechnologien ablesen.

Auf Versandkartonebene können Betriebe mithilfe von Grossschrift-Tintenstrahldruckern (Large Character Marking, LCM) qualitativ hochwertige Bilder und Kennzeichnungen, wie beispielsweise Barcodes, direkt auf den Karton drucken. Bei Kombination mit der entsprechenden Software erfasst der Einzelhändler den Warenerhalt durch Scannen des Barcodes elektronisch. Durch das Hinzufügen von intelligenten Kennzeichnungen über den gesamten Prozess hinweg – von der Packungs- bis hin zur Versandkartonebene – sind Produkte überprüfbar, ohne dass der Karton selbst geöffnet werden muss. Sämtliche Informationen sind in dieser finalen Kennzeichnung gespeichert. Dieser Aggregationsprozess ist von entscheidender Bedeutung, wenn es darum geht, Lieferketten zu sichern und für dringend notwendige Transparenz zu sorgen.

Blick in die Zukunft.

Anfang des Jahres gab die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) bekannt, dass der Handel mit gefälschter Ware in den letzten fünf Jahren um über 80 Prozent gestiegen ist; ein Trend, der sich Erwartungen zufolge fortsetzen soll. Globale Marken sind dadurch zunehmend bedroht und für Verbraucher steigt das Risiko, gefälschte Produkte zu konsumieren. In bestimmten Branchen wie zum Beispiel in der Pharmaindustrie haben Behörden Sendungsverfolgungs- und Serialisierungsinitiativen gestartet, um Abzweigungen und Fälschungen zu minimieren. Kennzeichnungs- und Markierungslösungen sind essenzielle Hilfsmittel für Pharmahersteller, um diesen Initiativen gerecht werden zu können.

In der Getränkeindustrie gibt es zwar keine derartigen gesetzlichen Anforderungen, doch Hersteller können durch Kennzeichnung und Markierung die Wahrscheinlichkeit senken, dass ihre Produkte abgezweigt oder gefälscht werden.

Das zu tun, obwohl das Gesetz es noch nicht verlangt, bietet klare Vorteile: Unternehmen verringern nicht nur das Risiko von Gewinneinbussen, sondern tragen auch zur Sicherheit von denjenigen bei, die am wichtigsten sind – nämlich die Verbraucher, die die Produkte kaufen.


Weitere Informationen:
Videojet Technologies Suisse
www.videojet.ch




Die Kennzeichnung von Dosen ist dank moderner Technik kein Problem