Eine Publikation der Swissprofessionalmedia AG
Hygiene: Ausgabe 05/2017, 09.05.2017

Neue Wege in der Behälterreinigung

Reinigungsprozesse von Produktionsanlagen stellen einen elementaren Verfahrensschritt dar. Dabei steigen die Anforderungen an das Reinigungsergebnis stetig. Innovative Entwicklungen helfen die Reinigungszeit zu verkürzen und Abwassermengen zu reduzieren.

Autor: Andreas Stöppler Trinox Engineering

Bilder: Moog Cleaning Systems AG

Klassische CIP-Anlagen bewähren sich in der Getränkeindustrie für die innere Nassreinigung schon seit Langem. Dagegen sind andere Bereiche der Lebensmittelindustrie noch auf der Suche nach einem geeigneten, reproduzierbaren Reinigungsverfahren für ihre Prozessanlagen – die Rahmenbedingungen sind hier produkt- und prozessbedingt zum Teil wesentlich anspruchsvoller. Eine CIP-Reinigung ist nur nach manueller Vorreinigung machbar, sodass Betriebe in vielen Fällen auf eine automatisierte Reinigung verzichten.

Mit einer wirksamen Vorreinigung lässt sich jedoch schon viel erreichen. Bereits heute schalten Produzenten für die Innenreinigung von Rohrleitungen bei viskosen, stark anhaftenden Medien der CIP-Reinigung einen Molchprozess vor, um den grösstmöglichen Anteil an Produktresten vor der Reinigung aus dem Rohrleitungssystem zu entfernen.

Neue Lösungsansätze für die Behälterreinigung.

Bei der Behälterinnenreinigung fehlen heute, insbesondere in Fällen von komplexen Tankgeometrien kombiniert mit schwer abzureinigenden Produkten, erprobte Lösungen. Klassische Reinigungsdüsen für hohe Hygieneansprüche erbringen hier nicht den gewünschten Erfolg. Das Ingenieurbüro für Anlagenbau Trinox Engineering suchte intensiv nach einer Reinigungslösung mit hoher Reproduzierbarkeit, die ein verbessertes Reinigungsergebnis bei gleichzeitig geringeren Abwassermengen und kürzeren Reinigungszeiten aufweist. Ein Anschwemmen der Behälter bei laufendem Rührwerk mit Trinkwasser, wie es derzeit in vielen Branchen üblich ist, wollten die Experten jedoch vermeiden.

Innovative Kombination von Hoch- und Niederdruck.

Ähnlich der Rohrinnenreinigung sollte der CIP-Reinigung eine vollautomatische Grobreinigung vorgeschaltet werden, um die Prozessanlage für eine effiziente Reinigung vorzubereiten. Der Spezialist für Reinigungssyteme Moog Cleaning Systems verfügt über Hochdruckreinigungsköpfe, die gerade bei viskosen, stark anhaftenden Medien eine hohe Reinigungsleistung zeigen – vom Abreinigen von Weinstein bis zu Lacken oder Beton. Diese Reinigungsköpfe waren allerdings nicht für den Einsatz in der Lebensmittelindustrie gedacht und erfüllten nicht alle Anforderungen an ein hygienegerechtes Produktdesign.

In enger Zusammenarbeit entwickelten Trinox und Moog einen bestehenden Hochdruckreinigungskopf gemäss den Designempfehlungen der EHEDG weiter. Der neue Reinigungskopf RH erfüllt die speziellen Anforderungen an hygienegerechtes Design und ist nach erfolgreichem Pilottest ab Juni mit verschiedenen Antrieben und Schaftlängen von 180 bis 2000 mm verfügbar.

Vollständige automatische Reinigung.

Eine Kombination der Moog-Hochdruckköpfe mit bewährten Niederdruckdüsen erbrachte eine deutliche Verbesserung des Reinigungsergebnisses. Da die Behälter nach der Vorreinigung CIP geeignet sind, konnten die Fachleute bei diesem Reinigungsschritt auf bestehende Erfahrungswerte zurückgreifen. Durch die Integration der neuen Reinigungsköpfe in die Reinigungsschritte der CIP-Anlage konnte Trinox den Wasserverbrauch und somit auch die Abwassermengen signifikant senken. Der Zeitbedarf für die Vorreinigung liess sich ebenfalls reduzieren.

In Tanks mit Rührwerken und anderen schwer zu reinigenden Einbauten entsteht beim Einsatz von Hochdruckdüsen ein positiver Nebeneffekt. Die Intensität von reflektierten Hochdruckwasserstrahlen ist je nach Auftreffwinkel so hoch, dass auch an schwer zu erreichenden Stellen, die der direkte Vollstrahl nicht erreicht, noch eine Entfernung der Verschmutzung stattfindet. Dies ist zum Beispiel bei der Reinigung von Rührwerken mit Schabereinbauten vorteilhaft.

Nicht nur für Neuanlagen geeignet.

Die speziellen RH Reinigungsköpfe lassen sich jederzeit nachträglich in einen bestehenden Behälter integrieren. Ein geeigneter Einbauort wie auch die richtige Anzahl an Hochdruckköpfen sind im Einzelfall mittels 3D-Analyse festzulegen.

Die Grundvoraussetzungen für einen sauberen Tank sind abhängig von Art, Menge und Zustand der Verschmutzung unter der Berücksichtigung des Sinnerschen Kreises Chemie, Mechanik, Temperatur und Zeit. Einen wirksamen mechanischen Beitrag leistet hierbei der Einsatz der Hochdruckreinigungsköpfe auf Grund der physikalischen Aufprallkraft des Wasserstrahls auf Behälterwänden und Rührwerk.

Reinigungsschritte und Prozessparameter lassen sich danach entsprechend optimieren, eine manuelle Vorreinigung wird in den meisten Fällen überflüssig. Damit verbessert sich nicht nur die Reproduzierbarkeit des Reinigungsergebnisses, ein verbesserter Arbeitsschutz und Lohnkosteneinsparungen sind wichtige Zusatzeffekte.

Piloteinsatz im Backbereich.

Trinox setzt die neue Reinigungstechnik erstmalig bei Anlagen zur Teigbearbeitung in Grossbäckereien ein. Die gestiegenen hygienischen Anforderungen bei der Reinigung derartiger Anlagen machten einen neuen Ansatz erforderlich. Die innovative Kombination von Hoch- und Niederdruckreinigung, mit verbesserten Reinigungsergebnissen, bei verkürzter Reinigungsdauer und geringerer Abwassermenge verschafft dem Anwender im wahrsten Sinne des Wortes einen sauberen Vorteil.

 


Weitere Informationen:
Moog Cleaning Systems AG
www.moog.ch

 






Der neu entwickelte Reinigungskopf entspricht den Designempfehlungen der EHEDG und erfüllt die speziellen Hygieneanforderungen der Lebensmittelindustrie