Eine Publikation der Swissprofessionalmedia AG
Materialfluss und Logistik: Ausgabe 05/2017, 08.05.2017

Sicherheit ist machbar

Unfälle im Arbeitsumfeld sind bedauerlicherweise keine Seltenheit, wie die statistischen Zahlen der Suva belegen. Oft genügen schon wenige Massnahmen, um Unfälle wirkungsvoll zu vermindern.

Bilder: Suva

In Zusammenhang mit dem innerbetrieblichen Verkehr und der Lagerung ereignen sich in der Schweiz rund 70 000 Unfälle pro Jahr. Diese machen knapp 30 Prozent aller überhaupt gemeldeten Berufsunfälle aus und verursachen fast 40 Prozent aller durch Berufsunfälle bedingten Kosten. Diese statistischen Zahlen der Suva zeigen, dass Unfälle beim innerbetrieblichen Verkehr und bei der Lagerung also überdurchschnittlich schwer sind.

Verkehrswege sind oft mangelhaft gesichert.

Über 30 000 Unfälle pro Jahr ereignen sich allein beim Stehen und Umhergehen in den Betrieben. Mitarbeitende können beispielsweise über Gegenstände stolpern, auf glatten Böden ausgleiten, ihre Köpfe anstossen oder von Fahrzeugen angefahren werden. Ursachen für diese Unfälle sind oft mangelhafte Planung und Sicherung der Verkehrswege, eingeschränkte Sicht, fehlende Beleuchtung und ungenügender Unterhalt. Als Verkehrswege gelten alle Bereiche, die für den innerbetrieblichen Fussgänger- und Fahrzeugverkehr bestimmt sind. Zum Beispiel: Werkstrassen, Ein- und Ausgänge (von Gebäuden oder Räumen), Korridore, Treppen oder ortsfeste Leitern.

Sorgen Sie für sichere Verkehrswege und Lager.

Beachten Betriebsleiter, Sicherheitsbeauftragte oder Vorgesetzte wichtige Regeln, können sie ihre Mitarbeitenden vor schweren Unfällen bewahren. Sichere Verkehrswege beginnen schon bei der Planung und Dimensionierung. Dazu ist vorgängig die Ermittlung beispielsweise der Verkehrsfrequenz, Abmessungen von Fahrzeugen oder den Produkten nötig. Auch die richtige Ausführung der Verkehrswege bezüglich Bodenbelastung, Rutschsicherheit, Geländerkonstruktion, Beleuchtung, Markierung und Signalisation sind wichtig. Zudem ist der korrekte Unterhalt durch Reparatur und Reinigung sicherzustellen. Auch die Trennung der Verkehrswege für Personen und Transportmittel schützt vor Unfällen, soweit sich die Wege sinnvoll trennen lassen.

Wichtig zu beachten: Verkehrswege dürfen nicht zum Lagern von Waren missbraucht werden.

Mit Geländern Absturzstellen sichern.

Zur Unfallprävention rät die Suva ausserdem potenzielle Absturzstellen mit stabilen Geländern zu sichern. An maschinellen Anlagen ist ab einer Absturzhöhe von 0,5 m ein Geländer nötig, an Gebäuden ab einer Absturzhöhe von 1,0 m. Beispiele für mögliche Absturzstellen auf Verkehrswegen sind tiefliegende Fenster, Wand- und Bodenöffnungen, nicht umwandete Treppen und Podeste, Galerien, Brücken, Laufstege, Plattformen, hochliegende Arbeitsplätze, offene Kanäle oder Behälter. Nur wenn es für Transporte oder Produktionsvorgänge notwendig ist und Betriebe eine gleichwertige andere Schutzmassnahme getroffen haben, können sie auf Abschrankungen oder Geländer verzichten oder ihre Höhe verringern.

Sichere Treppen für Gebäude und maschinelle Anlagen.

Treppen und Stufen gehören zu den häufigsten Stolperstellen. Mitarbeiter müssen Treppen immer gefahrlos begehen können. Betriebe sind daher verpflichtet, umwandete Treppen mindestens mit einem Handlauf zu versehen, wobei die genauen Anforderungen an Treppen immer vom Einsatzort abhängen.

Leitern wenn möglich vermeiden.

Leitern bergen ebenfalls ein hohes Gefahrenpotenzial. Ein Sturz hat meist schwerwiegende Folgen. So sollten tragbare Leitern immer nur dann zum Einsatz kommen, wenn es keine sicherere Alternative dazu gibt. Ortsfeste Leitern sind nur erlaubt, wenn das Personal sie selten begehen muss (etwa einmal im Monat) oder – bei häufigerer Begehung – wenn sie nur einen geringeren Höhenunterschied (höchstens 2 m) überbrücken müssen. Sie sind so zu gestalten und anzuordnen, dass Mitarbeitende sie sicher begehen können. Bei grosser Sturzhöhe müssen sie mit einem Rückenschutz und, wenn nötig, mit Zwischenpodesten oder mit einem Steigschutz gesichert sein.

Sichere Laderampen für den Warenumschlag.

Laderampen sind beim Güterumschlag unerlässlich. Sie bilden die Schnittstelle zwischen den Fahrzeugen des Strassen- und Schienenverkehrs und dem innerbetrieblichen Verkehr. Doch die Gefahren sind erheblich und es treten immer wieder schwere, zum Teil tödliche Unfälle auf. Zu den Hauptgefahren zählen Stolpern und Ausrutschen, Stürze von der Laderampe und Angefahrenwerden von Personen durch Fahrzeuge. Laderampen müssen daher mindestens einen sicheren Abgang haben. Zudem ist es wichtig, dass Mitarbeitende den Fahrzeugen auf Laderampen und Rampenauffahrten ausweichen können.

Sicherheitsanforderungen an Türen und Tore.

Die Gefahren, die von Türen und Toren ausgehen, unterschätzten Betriebe oft. So sind Einklemmen von Körperteilen, Erschlagenwerden von einem abstürzendem Tor oder Verletzwerden bei der Störungsbehebung und Instandhaltung wiederkehrende Gefahren. Damit Personen sicher durch Tore und Türen gehen können, muss deren lichte Höhe mindestens 2,0 m betragen. Einflügelige Türen sollten mindestens 0,90 m breit sein. Türen aus Glas oder ähnlichem Material sind so zu sichern, dass bei einem Bruch keine Personen verletzt werden. Durchsichtige Türen sind so zu gestalten oder zu kennzeichnen, dass sie deutlich erkennbar sind.

Fluchtwege – jederzeit offen und hindernisfrei.

Wege und Ausgänge sind Mitarbeitenden im Alltag bestens bekannt. Doch wie sieht es aus, wenn ein Feuer ausbricht, starke Rauchentwicklung die Sicht einschränkt oder bei Stromausfall die damit einhergehende Dunkelheit zum Verlust der Orientierung führt? Damit in solchen Situationen Mitarbeitende nicht zu Schaden kommen, sind Fluchtwege unabdingbar. Arbeitsplätze, Räume, Gebäude und Betriebsgelände müssen bei Gefahr jederzeit rasch und sicher verlassen werden können. Halten Sie deshalb alle Verkehrswege frei, die bei Gefahr als Fluchtwege dienen und kennzeichnen Sie diese Bereiche zweckmässig. Türen auf Fluchtwegen müssen jederzeit erkannt, in Fluchtrichtung ohne Hilfsmittel rasch zu öffnen und sicher benutzbar sein.

Instandhaltung kann Leben retten.

Verkehrswege dienen in erster Linie dem Transport. Doch Schäden und unsaubere Böden sind beachtliche Gefahrenquellen. Daher rät die Suva Verkehrswege im Betrieb in einem sauberen und betriebssicheren Zustand zu halten. Auch so lässt sich vermeiden, dass Leben und Gesundheit der Mitarbeitenden auf den Verkehrswegen gefährdet sind. Beschädigte Böden, Laufflächen, Fahrwege oder Trittflächen von Treppen sollten Fachleute gleich reparieren. Auch abgenützte Rutschsicherungen und undeutliche Markierungen sollten erneuert werden. Stark verschmutzte, glitschige Stellen auf Verkehrswegen sind möglichst sofort zu reinigen oder abzuschranken beziehungsweise zu signalisieren. Für die notwendigen Instandhaltungs- und Reinigungsarbeiten müssen Betriebe jeweils alle erforderlichen Schutzmassnahmen treffen.

So trivial solche Massnahmen auch erscheinen mögen, so wirkungsvoll sind sie dennoch in der Unfallprävention. Und die erschreckend hohen Unfallzahlen zeigen, dass kleine Ursachen eine grosse Wirkung haben können. Schnell ist durch Unachtsamkeit oder mangelnde Sorgfalt ein Unfall passiert, der im schlimmsten Fall tödlich enden kann. Daher sind die von der Suva ausgearbeiteten Sicherheitsmassnahmen der beste Schutz vor Unfällen.


Weitere Informationen:
Suva
www.suva.ch