Eine Publikation der Swissprofessionalmedia AG
Ausgabe 09/2017, 04.09.2017

Das sollten Sie für den Export in die USA wissen

In den USA gilt seit Januar 2011 das neue Lebensmittelgesetz «Food Saftey Modernization Act». Dieses schreibt genau vor, was Produzenten tun müssen, um die Sicherheit ihrer Lebensmittel und Getränke zu garantieren. Doch diese Vorschriften gelten nicht nur für amerikanische Unternehmen, sondern für alle, die in die USA exportieren wollen. Eine zentrale Rolle nimmt dabei der Qualitätsverantwortliche ein.

Autor: Redaktion

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Amerika, das Land der unbegrenzten Möglichkeiten, hat in den letzten Jahren zunehmend an Bedeutung als Exportland Schweizer Firmen gewonnen. Damit es aber mit dem Export klappt, müssen heimische Unternehmen der amerikanischen Gesetzgebung Rechnung tragen, die es jedoch in sich hat. Seit dem 4. Januar 2011 gilt der Food Safety Modernization Act, der die Lebensmittelsicherheit garantieren soll. «In der Vergangenheit hatte sich Amerika bei der Entwicklung einer neuen Regulation für Lebensmittelsicherheit schwer getan. Rückrufe und wiederholte Salmonellenausbrüche zeigten, dass der von 1929 stammende Drug and Cosmetic Aspect dringend modernisiert werden sollte. Das hatte zur Folge, dass das Landwirtschaftsministerium der Vereinigten Statten, USDA und die Food and Drug Administration, FDA eine Gesetzgebung herausgaben, die die Lebensmittelsicherheit jetzt streng regelt. Das Resultat ist der Food Safety Modernization Act (FSMA)», erklärt Rainer Perren, CEO von RPN Excellence.

In den USA streng geregelt.

Der FSMA geht relativ weit, da auch Standards, die grosse Zertifizierungsfirmen wie FSSC oder IFS herausgeben, ins Gesetz geschrieben sind. Damit sind diese Standards keine freiwilligen Massnahmen mehr, sondern gesetzlich verbindlich. Darin enthalten sind vorbeugende Massnahmen bei biologisch, chemisch und physikalisch potenziellen Gefährdungen. «Diese ‹preventive controls› beziehen sich auf Prozesse und enthalten vorbeugende Massnahmen, um potenzielle Gefahren erkennen zu können und auszuschalten. Damit ist es aber noch nicht getan. Es gibt auch preventive controls, die sich auf die Supply Chain beziehen und Handlungen erfordern, die ausserhalb der Produktion und damit bei Zulieferbetrieben erfolgen müssen. Nicht zu vergessen sind die sanitation preventive controls. Diese hygienisierenden Massnahmen sind dann spannend, wenn die Prävention über die gute Herstellungspraxis hinausgeht», so der Experte.

In erster Linie ist die Gesetzgebung immer für das jeweilige Land bindend, das Verordnungen und entsprechende Massnahmen festgelegt hat. Im Falle des Food Safety Mondernization Act betrifft es aber nicht nur Amerika, sondern auch ausländische Unternehmen, die nach Amerika exportieren wollen. «Verantwortliche bei der USDA und der FDA haben festgestellt, dass ein sicheres amerikanisches Lebensmittelsystem aber auch ausländische Produkte betrifft, da nur etwa 1/3 aller Produkte ausschliesslich aus den USA stammen. Demzufolge importiert die amerikanische Lebensmittelindustrie rund 2/3 aller Produkte aus dem Ausland. Das hat jetzt zur Folge, dass auch ausländische Hersteller mit einbezogen werden müssen. So unterliegen alle Produkte, die in die USA verkauft werden dem Food Safety Modernization Act», so Perren.

Auswirkungen auf die Schweiz.

Für amerikanische Unternehmen, die Waren aus dem Ausland importieren, besteht daher die Verpflichtung, die Sicherheit dieser Roh-, Halb- und Fertigprodukte zu garantieren. Deshalb enthält die FSMA noch weitere Gesetze wie beispielsweise die Foreign Supplier Verification Programs (FSVP). In dieser Gesetzgebung gibt der Importeur die Verpflichtung zur Lebensmittelsicherheit an seine Lieferanten weiter. Für Schweizer Unternehmen, die ihre Produkte in die USA liefern ergibt sich daraus, dass sie sich an die amerikanische Gesetzgebung halten müssen und bereits in der Schweiz nach den amerikanischen Standards produzieren müssen. «Viele Betriebe in der Schweiz und der EU halten neben den gesetzlichen Vorgaben auch die Normen ISO 22 000 und FSSC 22 000 als auch die privaten Standards wie BRC und IFS ein. Grundsätzlich haben wir eine HACCP-Gesetzgebung, die aber nicht im Detail dargestellt ist. Da auch die privaten Standards gesetzlich nicht verpflichtend sind, gelten in Amerika Produkte aus dem Ausland nicht zwingend als sicher, auch wenn unsere Standards und das Lebensmittelgesetzt im Prinzip dem Food Safety Modernization Act weitestgehend entsprechen. Da die Anforderungen im europäischen Lebensmittelgesetz nicht so deutlich hervorgehoben sind wie in Amerika, haben FDA und USDA beschlossen, bei Zuliefererprüfungen der verschiedenen Gesetzgebungen von unterschiedlichen Staaten relativ streng zu sein. Zudem sieht das amerikanische Lebensmittelgesetz vor, dass jedes Unternehmen einen Spezialisten haben muss, der einen Food Safety Plan, gemäss den Vorgaben aufstellen und umsetzen kann. Dieser Fachmann ist ein sogenannter Preventive Controls Qualified Individual, kurz PCQI», erläutert der Spezialist.

PCQI – amerikanisch für Qualitätsverantwortlicher.

Ein PCQI nimmt eine Schlüsselrolle ein, denn sie oder er sind für die Einhaltung des amerikanischen Lebensmittelgesetzes verantwortlich. Um diese Aufgabe erfüllen zu können, ist die Kenntnis des FSMA erforderlich. Um diese zu erlangen, empfiehlt es sich einen Kurs bei einer von der FDA autorisierten Person zu machen. Doch dazu ist keine Reise in die USA nötig. Solche Kurse gibt es auch in der Schweiz – bei Rainer Perren. «Für den PCQI gibt es eine minimale Anforderung von 20 Stunden. Diese Zeit reicht aus, um sich mit dem Food Safety Modernization Act vertraut zu machen. Nach Ende des Kurses gibt es ein Zertifikat, mit dem Absolvierende automatisch bei der FDA registriert sind», erklärt Perren.

Die Gültigkeit des Zertifikats ist derzeit unbegrenzt. Zudem sind auch keine Auffrischungskurse nötig. Letztlich geht es darum einen Weg aufzuzeigen, wie sich die amerikanischen Vorgaben umsetzen lassen. Doch gemäss des Experten sind für Schweizer Qualitätsverantwortliche rund 95 Prozent des Kursinhaltes schon bekannt. Das Zertifikat liefert den sichtbaren Beweis, dass auch ausländische Unternehmen das amerikanische Lebensmittelgesetz kennen und in der Lage sind dieses entsprechend umzusetzen. Zudem ist es wichtig zu wissen, welche Verantwortung eine Person übernimmt und was sie zu tun hat, wenn es zu Problemen kommt. Der Kurs vermittelt alle relevanten Informationen und zeigt auf, wo und wie ein Schweizer Lebensmittelproduzent Unterstützung bekommt, wenn es nötig wird.




PCQI-Kurs der SGLWT für Schweizer Qualitätsverantwortliche

Datum: Ort: Kursleiter: Teilnahmegebühr: Zusätzliche Kosten: Anmeldung:

Datum: 4. bis 6. Oktober 2017 (Beginn jeweils um 8.15 Uhr)

Ort: Zürich (genauer Ort wird noch bekannt gegeben)

Kursleiter: Rainer Perren, Lead Instructor für die FSPCA

Teilnahmegebühr: SGLWT-Mitglieder CHF 990.– Nicht-Mitglieder CHF 1350.–

Achtung: LT-Leser, die nicht Mitglied in der SGLWT sind, können sich unter LT@LT-Magazin.ch zu einem reduzierten Preis von CHF 1200,– für den Kurs anmelden.

Zusätzliche Kosten: Kursunterlagen CHF 100.–, Zertifikat der AFDO und FSPA CHF 50.–

Anmeldung:  www.sglwt.ch

Die Teilnehmerzahl ist beschränkt. Bei weniger als 7 Teilnehmer wird der Kurs gegebenenfalls verschoben. Dieser Entscheid fällt spätestens 2 Wochen vor dem Kurs. Bei einer Abmeldung weniger als 7 Tage vor der Kursdurchführung wird der volle Betrag fällit. Es besteht jedoch die Möglichkeit eine Ersatzperson zu schicken.