Eine Publikation der Swissprofessionalmedia AG
03.04.2017

WWF-Rating der Schweizerischen Lebensmittelindustrie

Der WWF Schweiz hat zusammen mit der Nachhaltigkeits-Ratingagentur Inrate das ökologische Engagement der 15 grössten in der Schweiz und Liechtenstein beheimateten Lebensmittelverarbeiter unter die Lupe genommen. Dabei bewerteten die Experten insbesondere die Nachhaltigkeitsstrategie, das betriebliche Umweltmanagement, die Investitionen, die Produktentwicklung, die Rohstoffproduktion und die Zulieferketten, die Einbindung der Angestellten und der Geschäftspartner sowie das Engagement in der Politik und in Brancheninitiativen.

Autor: Thomas Baumgartner, Jennifer Zimmermann (WWF Schweiz ), Bettina Rüegge, Gina Spescha (Inrate)

Bilder: WWF Schweiz / Inrate

In jedem dieser Bereiche zeigt das Rating auf, wo die Unternehmen heute stehen, wo ihre Stärken und Herausforderungen liegen und wie sie sich in Zukunft weiterentwickeln können, um ihre Umweltauswirkungen zu reduzieren und den Grenzen der ökologischen Belastbarkeit unseres Planeten auszurichten.
Die Betrachtung der ökologischen Lösungsansätze der untersuchten Lebensmittelverarbeiter zeigt auf, dass zurzeit für die meisten Akteure Lösungen im Vordergrund stehen, die in ihrem direkten Einflussbereich liegen. Ihre Zielsetzungen richten sich nach den aus heutiger Sicht als machbar und wirtschaftlich erachteten Massnahmen und der Fokus liegt auf einer schrittweisen Reduktion der Umweltbelastungen ausgehend vom aktuellen Zustand. Ziele, die sich auf die aus wissenschaftlicher Sicht notwendigen Veränderungen für ein Wirtschaften innerhalb der ökologischen Belastungsgrenzen unseres Planeten beziehen und solche, die über den eigenen Geschäftsbereich hinausgehen, kommen erst vereinzelt vor. Diese spielen jedoch eine wichtige Rolle für die nachhaltige Entwicklung der Lebensmittelindustrie. Aus dem vorliegenden Rating lassen sich insgesamt für die Branche folgende Empfehlungen ableiten: Relevanzanalysen, Umweltstrategien und -ziele sollten auf Basis von wissenschaftlichen Konzepten festgelegt werden und sich an der Tragfähigkeit des Planeten ausrichten. Auch sollten sie vermehrt über das eigene Unternehmen hinausgehen und Akteure entlang der gesamten Wertschöpfungskette mit einbeziehen. Zudem sollen Unternehmen ihre ökologische Verantwortung in ihrem gesamten Einflussbereich wahrnehmen, insbesondere auch im Auslandgeschäft, bei ihren Investitionen (zum Beispiel in Kapitalgüter und Pensionskassen) und in politischen Prozessen (zum Beispiel in ihren Verbänden oder durch direkte Stellungsnahmen).
Zusammenfassend lässt sich festhalten, dass sich die meisten der bewerteten Unternehmen der Umweltproblematik bewusst sind und auch grösstenteils schon heute ökologische Verantwortung übernehmen. Vor allem in der Schweiz verfolgen viele Lebensmittelverarbeiter gezielt Ressourceneffizienz-Strategien im eigenen Betrieb und konnten damit in den vergangenen Jahren den Verbrauch von Energie, Wasser und Packungsmaterial zum Teil erheblich reduzieren. Die Tatsache, dass heute in den meisten Unternehmen auf strategischer Ebene relevante Strukturen, Policies und Zielsetzungen vorhanden sind, gibt Anlass zu einem vorsichtigen Optimismus für die zukünftige ökologische Entwicklung der Schweizerischen Lebensmittelindustrie. Eine transparentere öffentliche Berichterstattung würde den Anspruchsgruppen erlauben, diese Entwicklung besser verfolgen und mit gestalten zu können. Allerdings lässt sich auch feststellen, dass wichtige Einflussbereiche im gegenwärtigen Nachhaltigkeitsverständnis und in den Zielsetzungen der bewerteten Unternehmen noch nicht ausreichend berücksichtigt werden. Dies trifft besonders auf die Rohstoffproduktion im Ausland, die Energieversorgung sowie auf die Pensionskassen zu. Auch gibt es weiterhin Unternehmen, die zwar aktiv an Umweltthemen arbeiten, viele relevante Geschäftsbereiche und grosse ökologische Auswirkungen und Hebel jedoch weitgehend unberührt lassen.

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Der WWF hat für das Rating 15 Schweizer Lebensmittelverarbeiter genauer unter die Lupe genommen