Eine Publikation der Swissprofessionalmedia AG
Ausgabe 01-02/2018, 06.02.2018

Bio kann wichtigen Beitrag zur Welternährung leisten

Eine Studie der Forschungsanstalt für biologischen Landbau FiBL befasste sich mit den Auswirkungen des biologischen Landbaus. Das Resultat zeigt, dass eine weltweite Umstellung auf biologischen Landbau zu einem umfassend nachhaltigen Ernährungssystem beitragen kann, wenn sie mit weiteren Massnahmen kombiniert wird.

Autor: Adrian Müller Hauptautor der Studie, Departement für Sozioökonomie, FiBL Christian Schader Departement für Sozioökonomie Leiter Nachhaltigkeit, FiBL et. al.

Bilder: Franziska Hämmerli, fibl

Verschiedene Szenarien zeigen, dass die negativen Auswirkungen der Landwirtschaft auf die Umwelt bis ins Jahr 2050 weiter drastisch zunehmen, sollten sich die Prognosen der Welternährungsorganisation FAO bewahrheiten. Diese geht von einer Bevölkerung von über 9 Milliarden Menschen aus und von der Zunahme von Ernährungsgewohnheiten, die viele Ressourcen wie Wasser, Energie und Land verbrauchen, wie beispielsweise ein hoher Fleischkonsum.

Umstellung auf biologischen Landbau als Lösung?

Die Umstellung auf biologischen Landbau mit seinem schonenderen Umgang mit Umwelt und Ressourcen wird deshalb oft als Lösungsweg vorgeschlagen, um den negativen Entwicklungen entgegenwirken zu können. Andererseits betonen Kritiker, dass diese Umstellung zu viel höherem Landverbrauch führen würde und deshalb keine gangbare Alternative sei.

Wir brauchen mehrere Strategien, um die Welt nachhaltig zu ernähren.

Die neue Studie zeigt, dass in Kombination mit dem Verzicht auf Kraftfutter, einer entsprechenden Reduktion des Konsums tierischer Produkte und mit der Reduktion von Nahrungsmittelabfällen, der Biolandbau eine wichtige Rolle in einem nachhaltigen Ernährungssystem spielen kann. Dabei wäre die Ernährung der Weltbevölkerung auch bei über 9 Milliarden im Jahre 2050 gesichert, der Landverbrauch würde nicht zunehmen, die Treibhausgasemissionen würden vermindert und die negativen Auswirkungen des heutigen intensiven Ernährungssystems wie grosse Stickstoffüberschüsse oder hohe Pestizidbelastung liessen sich stark reduzieren. Die Umstellung auf Biolandbau bei sonst gleichbleibenden Konsummustern würde hingegen zu einem erhöhten Flächenverbrauch führen.

Zielkonflikte.

Nachhaltige Ernährungssicherung kann Zielkonflikte nicht vermeiden. Doch der Biolandbau hat grosse Vorteile betreffend vieler zentraler Umweltwirkungen, wie die der Stickstoff- und Pestizidproblematik. Andererseits hat er aber einen höheren Landverbrauch, da seine tendenziell extensivere Bewirtschaftungsweise im Schnitt tiefere Erträge aufweist als der konventionelle Anbau. Die Vorteile kraftfutterfreier graslandbasierter Tierproduktion liegen darin, dass Weideflächen, die nicht für den Anbau von Kulturen geeignet sind, zur Ernährungssicherung nutzbar sind. Diese Vorteile werden aber mit erhöhten Treibhausgasemissioneån pro Kilogramm Fleisch und Milch erkauft. Die Vorteile reduzierter Nahrungsmittelabfälle sind offensichtlich, da eine solche Reduktion direkt zu weniger Produktion führt.

Optimale Kombination verschiedener Strategien.

Die neue Studie zeigt nun auf, wie sich diese verschiedenen Strategien optimal kombinieren lassen, um mit diesen Zielkonflikten umzugehen. Selbst wenn man die Landwirtschaft zu 60 Prozent auf Bio umstellen würde, und die Kraftfuttergaben und den Abfall um die Hälfte reduzierte, dann würde dies schon ein Ernährungssystem mit signifikant geringeren Umweltwirkungen und kaum erhöhtem Landverbrauch bedeuten. Ein solches Ernährungssystem wäre auch klimafreundlich, da sich insbesondere die totalen Treibhausgasemissionen verringern.

Der Konsum tierischer Produkte würde dabei um gut ein Drittel zurückgehen, da weniger Futtermittel zur Verfügung stünden. Nachhaltige Landwirtschaft ist demnach nur machbar, wenn sie in Kombination mit dem Konsum einhergeht – dann aber eröffnen sich vielversprechende Chancen. Der biologische Landbau kann dabei eine zentrale Rolle spielen.

Die Studie ist in Zusammenarbeit mit Wissenschaftlern der Welternährungsorganisation FAO, der Universität Aberdeen, der Alpen-Adria Universität Klagenfurt und der ETH Zürich durchgeführt und kürzlich in der Fachzeitschrift «Nature Communications» publiziert.