Eine Publikation der Swissprofessionalmedia AG
Ausgabe 01-02/2018, 06.02.2018

Die LT vor dem Millennium – Ein Blick zurück

Ein halbes Jahrhundert ist eine lange Zeit, in der viel passiert. So auch bei der LT. Vieles hat sich seit dem Anfang als «Supplement zu LWT – Food Science and Technology», getan.

Autor: Prof. em. Felix Escher

Firma Internetadresse

Wer heute in einem öffentlichen Bibliothekskatalog den Zeitschriftentitel «Lebensmittel-Technologie» nachschlägt, findet als erstes Erscheinungsdatum das Jahr 1973. Es fragt sich deshalb, weshalb es denn gerechtfertigt ist, bereits 2018 das 50-Jahr-Jubiläum der Zeitschrift zu feiern. Zwei Hinweise im Katalog geben Antwort auf diese Frage. Zum einen ist notiert, dass es sich 1973 um den Jahrgang 6 der Zeitschrift handelt. Zum anderen findet man die Anmerkung «Supplement zu LWT – Food Science and Technology», das heisst zur wissenschaftlichen Zeitschrift, die 1968, also tatsächlich vor 50 Jahren gegründet wurde und 1973 als Jahrgang 6 erschien. Aus einer Ankündigung der LWT in diesem Jahrgang 6 geht auch hervor, dass die LT-Ausgaben zunächst als Sondernummern der LWT mit technisch-industrieller Ausrichtung konzipiert waren und erst in späteren Jahren zu einer wirklich eigenständigen Zeitschrift wurden. Das ist Grund genug, im Jubiläumsjahr der LT, zuerst auf die Anfänge der LWT zurückzublicken.

Wie alles begann.

Als sich in den Sechzigerjahren des letzten Jahrhunderts die Lebensmittelwissenschaft an der ETH Zürich als eigenständiger Fachbereich zu konsolidieren begann, packten die Professoren Hans Neukom (Agrikultur- und Lebensmittelchemie), Jürg Solms (Lebensmittel-Chemie und -Technologie) und Franz Emch (Lebensmittel-Verfahrenstechnik) zusammen mit dem in Zürich beheimateten initiativen Forster-Verlag die Gelegenheit, mit der Gründung der wissenschaftlichen Zeitschrift LWT die Entwicklung des Fachbereichs international sichtbar zu machen und zu unterstützen. Als Hauptschriftleiter konnten die Verantwortlichen Alfred Temperli, von der damaligen Eidgenössischen Forschungsanstalt Wädenswil, gewinnen. Der wissenschaftliche Beirat beschränkte sich in den Anfängen auf Europa, bevor dann auch Vertreter aus den anderen Kontinenten hinzukamen. Man muss sich schon vergegenwärtigen, dass die Schaffung einer internationalen wissenschaftlichen Zeitschrift für einen kleinen lokalen Verlag eine eigentliche Pioniertat, verbunden mit etwelchen Risiken war und auch einiges an Idealismus voraussetzte.

Aber die Zeit war offensichtlich reif für eine vor allem europaweit übergreifende Publikation, deren Titel dreisprachig gesetzt wurde und deren Logo auch heute noch der deutschen Abkürzung des Titels entspricht. Deutsche, englische und französische Manuskripte akzeptierte der Verleger in ihrer Originalsprache und veröffentlichte sie auch so. Das führte oft in einem einzelnen Heft zu einer durchaus gewünschten Mehrsprachigkeit, da Englisch erst nach und nach als unabdingbare lingua franca der Wissenschaft Fuss fasste. Es ist ja in diesem Zusammenhang heute kaum mehr vorstellbar, dass in den 1960er und 1970er Jahren die Besprechung europäischer Projekte der Lebensmittelforschung in Brüssel selbst unter Fachleuten den Einsatz von Simultanübersetzung erforderte.

Die LT – ein Novum.

Der erste Erfolg der LWT rechtfertigte dann sechs Jahre später die Lancierung der LT, um die Informationsbedürfnisse der schweizerischen Leserschaft aus der Praxis befriedigen zu können. Auch die LT war insofern wiederum ein Novum, als dass sie nicht wie die meisten anderen Fachzeitschriften jener Zeit einer einzelnen Branche, Technik oder Lebensmittelkategorie verpflichtet war, sondern die Lebensmitteltechnologie in der ganzen Breite behandelte. Die Praxis fühlte sich denn auch angesprochen, da damals Fachartikel und Notizen aller Art in gedruckten Fachzeitschriften wichtige Informationsquellen darstellten, sicher auch weil das schnelle Antippen von Stichwörtern auf dem PC, geschweige denn auf dem iPhone und das Surfen im Internet noch nicht möglich waren.

Die Breite des Informationsanspruchs machte die Mitarbeit in der LT-Redaktionskommission zu einer interessanten Tätigkeit. Die Kommission entstand 1982 und setzte sich aus Vertretern der SGLWT und des ETH-Instituts für Lebensmittelwissenschaft zusammen, die der Verlag zur Unterstützung des Schriftleiters Alfred Temperli bildete. Immer war auch etwas zeitliche Anspannung dabei. Definierte Erscheinungsdaten der einzelnen Hefte und damit fixe Termine für die Abschlussredaktion setzten Druck auf, besonders da die Produktionstechnik noch langsamer war als heute. Die elektronische Übermittlung druckfertiger Manuskripte gab es noch nicht. So fand die Übermittlung der Korrekturabzüge von Artikeln per Post zwischen Verlag und Autor statt; wenn es schnell gehen musste, stand wenigsten die Kommunikation per Fax zur Verfügung.

Der neue Verlag.

Mit dem Übergang der LT vom Forster-Verlag an den von Eva und Werner Frieden gegründeten Frieden-Verlag im Jahre 1985 und zwei Jahre später mit der Übergabe der Schriftleitung von Alfred Temperli an Eva Frieden, intensivierte sich das Engagement der Redaktionskommission. Sie war oft im Produktionsprozess für ein einzelnes Heft involviert, der Austausch zwischen einzelnen Mitgliedern und dem Verlag erfolgte manchmal zum Redaktionsschluss hin fast täglich. Besondere Anstrengungen im positiven Sinn waren hie und da für die Gestaltung der Titelseite einer Ausgabe nötig, auf denen Kunden im Prinzip ab 1988 Werbeinserate schalten konnten. Gelang dem Verlag der Verkauf der Titelseite nicht, kamen kostenlos Sujets einer wissenschaftlichen Arbeit aus der ETH zum Zug, was ein attraktives Informationsfenster aus der Hochschule in die Praxis darstellte. Schön war auch über einige Jahre der Brauch, dass die Redaktionskommission die Titelseite des Dezember-Heftes mit einem Lebensmittel-Thema zu Weihnachten oder zum Jahreswechsel bildlich zusammen mit einem Editorial gestalten durfte.

Ausgesuchte Fachartikel.

Was die sogenannten Fachartikel betraf, war die Redaktionskommission völlig frei im Akzeptieren oder Ablehnen von eingesandten Manuskripten, in der Anfrage an potentielle Autoren für Arbeiten zu einem bestimmten Thema oder in selteneren Fällen in der Übernahme von Originalpublikationen aus anderen Zeitschriften, zu denen die Leserschaft der LT kaum Zugang hatte. Die Artikel waren in jener Zeit in der Regel von ansehnlicher Länge, allerdings doch kürzer als in den Anfängen der LT. Erschien doch im Heft 2 des ersten selbständigen Jahrgangs 1973 ein zwölfseitiger reich bebilderter Beitrag über Vorverpacken, Transport und Verkauf von frischem Obst und Gemüse und im Heft 2 von 1976 eine sechs eng bedruckte Seiten umfassende Darstellung der Nahrungsmittelversorgung der Schweiz und ihre Abhängigkeit vom Ausland. Als dann anfangs der 1990er Jahre verschiedene Fachjournale die Meinung vertraten, längere Artikel würden von der Leserschaft in der Praxis aus Rationalisierungs- und Zeitgründen nicht mehr goutiert, deshalb enge Limiten der Textlänge vorgaben und zum Beispiel Literaturverzeichnisse nicht mehr abdruckten, blieb die LT offen für ausführliche Publikationen in der ganzen Länge. Heute erlaubt das Internet natürlich eine sinnvolle Arbeitsteilung, indem eine Fachzeitschrift ergänzend zu einem kürzeren gedruckten Artikel auf ausführliche Informationen, eben etwa auf die Literatur oder auf Tabellen und Abbildungen zu diesem Beitrag im Internet verweisen kann.

Auf zu neuen Ufern.

Eva und Werner Frieden verkauften 1996 die LT an den Binkert-Verlag in Laufenburg/AG. Das war die Gelegenheit, dass sich die Redaktionskommission nach einer spannenden und erfüllten Periode ihrem Wunsch entsprechend entlasten und die weitere Entwicklung der Zeitschrift wieder in der üblichen, weniger intensiven Rolle eines fachlichen Beirats begleiten konnte.

Zum Schluss nochmals zur LWT. Sie ist heute im alleinigen Besitz des grossen internationalen Verlagshauses Elsevier. Die Hauptschriftleitung, die nach der Wädenswiler Zeit an die Forschungsanstalt Liebefeld/Bern und dann an die ETH wechselte, ist vor drei Jahren ins Ausland gewandert. Auch im Beirat ist keine der schweizerischen lebensmittelwissenschaftlichen Forschungsinstitutionen mehr vertreten. Wenigstens erinnert die auf der Titelseite vermerkte Tatsache, dass die Zeitschrift nach wie vor eine offizielle Publikation der SGLWT ist, noch an ihre lokalen Anfänge. Und es ist erfreulich festzustellen, dass auch die LWT so wie die LT gut aufgestellt in das Jubiläumsjahr starten kann.




Die Erstausgabe der Lebenmittel-Technologie 1968.


Eine rasante Entwicklung vom Supplement der LWT zur LT.