Eine Publikation der Swissprofessionalmedia AG
Ausgabe 03/2018, 06.03.2018

Gesundheit in der Flasche

Eigentlich weiss es jedes Kind: Man soll möglichst viel Gemüse essen. Aber das ist oft leichter gesagt als getan. Zum Glück gibts Gemüse auch in flüssiger Form. Doch trotz dem Trend hin zu gesunder Ernährung bleiben Gemüsesäfte ein Nischenprodukt. Immer beliebter werden Mischsäfte mit Früchten und Gemüse.

Autor: Helen Weiss

Es gibt sie mit Rüebli, Randen und Rettich, gemischt mit Früchten oder pur, in Literflaschen abgefüllt und als Takeaway: Gemüsesäfte und -smoothies boomen in den USA und in Grossbritannien schon lange. Mit gehöriger Verspätung hat der Trend auch das europäische Festland erreicht: als Alternative zum Fruchtsaft – genauso gesund, aber mit weniger Kalorien. Laut dem Marktforschungsunternehmen Nielsen Switzerland ist der Markt für gekühlte Säfte und Smoothies im Jahr 2017 um knapp neun Prozent gewachsen. Dabei kann das Gemüse in Flaschen den Fruchtsäften nicht das Wasser reichen: Laut dem Fachbereich Marktanalyse des Bundesamts für Landwirtschaft stieg der Umsatz bei den Gemüsesäften in den letzten drei Jahren marginal um rund 200 000 Franken auf 8,24 Millionen Franken an. Zum Vergleich: Der jährliche Umsatz allein mit Blondorangensaft betrug im selben Zeitrahmen mehr als das Zehnfache.

Sellerie und Sauerkraut

«Gemüsegetränke sind im Saftmarkt nach wie vor ein Nischenprodukt», weiss Clemens Rüttimann, Geschäftsführer der Biotta AG. Das Unternehmen gilt als Schweizer Bio-Pionier in Sachen Frucht- und Gemüsesäfte und presste bereits vor über 60 Jahren Rüebli zu Saft. Mit 33 Millionen Franken Umsatz und einem Wachstum von sechs Prozent blickt das Unternehmen, das seit 2005 zur Thurella AG gehört, auf ein erfolgreiches Jahr zurück. «Wir konzentrieren uns auf unsere Pionierrolle und treiben mit Innovationen das Bio-Saftgeschäft voran», so Rüttimann. Dazu gehören etwa die Biotta Veggies, Smoothies in Geschmacksrichtungen wie Rüebli-Mango oder Grünkohl-Apfel, die seit 2014 im Handel sind. Daneben wird das umfangreiche Sortiment an naturbelassenen Gemüsesäften stetig erweitert: Neben Klassikern wie Rüebli und Randen finden sich heute auch Kartoffel-, Sauerkraut- und Selleriesaft im Verkaufsregal.

Gesunde Getränke im Trend

Auch innocent, der Marktführer bei gekühlten Säften, peppte in den letzten Jahren seine Frucht-Smoothies vermehrt mit Gemüse auf. Mit 315 Millionen Franken Umsatz europaweit und einem Smoothie-Marktanteil von 62 Prozent in der Schweiz ist das 1999 in Grossbritannien gegründete Unternehmen – seit 2013 besitzt Coca-Cola über 90 Prozent der Unternehmensanteile – sowohl in der Schweiz als auch in Europa Smoothie-Marktführer. «Die Schweizer Konsumentinnen und Konsumenten sind ernährungsbewusst und probieren gerne neue Produkte aus», weiss Valerie Knoll, Marketingverantwortliche für Österreich und die Schweiz. «Functional Food und Drinks sind Trends, genauso wie Superfood.» Von diesen beiden Entwicklungen habe sich innocent etwa für die «Super Juices» inspirieren lassen, die seit Februar diesen Jahres auf dem Markt sind. Jede Sorte besteht aus Fruchtsaft, Gemüsesaft und einem besonderen Extra wie Ingwer, Acerolakirsche oder Gojibeere.

Breites Kundensegment

Das bestätigt Andrea Bergmann, Mediensprecherin bei Coop: «Superfood-Produkte wie Säfte aus Ingwer oder Federkohl sind momentan äusserst beliebt.» Besonders der «Ingwer-Shot», eine Mischung aus Ingwersaft, Zitronen- oder Apfelsaft und Honig, liege zurzeit sehr im Trend. «Der Shot wird gerne zur Stärkung der Abwehrkräfte konsumiert und ist während der Grippesaison regelmässig ausverkauft.» Und das trotz des stolzen Preises von 2.50 Franken für ein 0,6 Deziliter-Fläschchen.

Klassiker wie Karotten- und Randensaft sind laut Bergmann ebenfalls nach wie vor beliebt. Der Rüeblisaft im Coop-Sortiment stammt von Biotta; Randensaft mit Birne, Tomatensaft sowie ein Gemüsesaft-Cocktail führt Coop hingegen unter der Eigenmarke Naturaplan. «Die Nachfrage bei den Gemüsesäften hat leicht abgenommen, ist bei den Gemüse-Smoothies jedoch stabil», sagt Bergmann. Immer beliebter würden Säfte und Smoothies, die aus einem Mix von Gemüse und Obst bestehen.

Schonende Produktion

In erster Linie seien Gemüsesäfte und -smoothies gefragt und bei Kundinnen und Kunden beliebt, die gesund konsumieren möchten und auf den Zuckergehalt achten würden, meint Martina Bosshard, Mediensprecherin vom Migros Genossenschaftsbund. Besonders im Trend bei Frucht-Gemüse-Mischgetränken liegen dabei Kale oder Spinat. Zwar stellen Gemüsesäfte punkto Logistik keine grösseren Herausforderungen als Fruchtsäfte dar, der Haltbarmachungsprozess ist jedoch aufwendiger. Bosshard: «Bei der Pasteurisation verändern die Gemüsesäfte oft die Farbe und werden braun.» Indem vermehrt auf Hochdruckpasteurisierung, auch High-Pressure-Processing (HPP) genannt, gesetzt wird, werden die Zutaten schonend verarbeitet und behalten ihre leuchtenden Farben – was die Kundschaft von einem Naturprodukt ja erwartet.



Traditioneller Saft: Biotta presste bereits vor über 60 Jahren Rüebli zu Saft. (Bilder: Biotta AG)


Während der Erntezeit liefern Bio-Bauern aus der Umgebung täglich frisch geerntetes Gemüse an, das bei Biotta umgehend verarbeitet wird.


Als Beigemüse beliebt, als purer Saft jedoch verschmäht: Reine Gemüsegetränke sind ein Nischenprodukt.