Eine Publikation der Swissprofessionalmedia AG
Ausgabe 03/2018, 06.03.2018

Herausforderung Formatvielfalt

Bei der Brauerei Schützengarten in St. Gallen werden auf engstem Raum viele verschiedene Flaschen- und Endverpackungsformate verarbeitet. Bewältigen kann das Unternehmen diese Vielfalt dank einer neuen Linie mit modernem Trockenteil.

Autor: Anuga FoodTec Gerhard Schubert GmbH Halle 8.1, Stand D080/E089 KHS GmbH Halle 8.1, Stand A060/A068 Halle 10.1, Stand E020/F029

Die Brauerei Schützengarten ist wegen ihrer Bierspezialitäten bekannt. Neben zahlreichen verschiedenen Gebinden, Gebindegrössen und Verpackungsformen bietet das Unternehmen auch Individualflaschen und spezielle Flaschenformen mit Prägung an. Obwohl die 1779 gegründete Brauerei Schützengarten die älteste Brauerei der Schweiz ist, nutzt das Unternehmen moderne Technologie, um ihre Produkte herzustellen. Das Sortiment umfasst viele Bierspezialitäten; je nach Biersorte kommen auch exotischere Zutaten zum Einsatz. Dem Brown Ale etwa verleiht Wacholder ein besonderes Aroma. Den Löwenanteil am Umsatz erzielt aber nach wie vor das Traditionsbier Schützengarten Lager Hell.

Seit der Gründung ist Schützengarten eigenständig und beschäftigt aktuell rund 220 Mitarbeiter. Die jährlich erzeugten rund 175 000 Hektoliter verschiedener Biersorten fliessen zu einem grossen Teil ins Gastgewerbe. Hinzu kommen 130 000 Hektoliter an Handelsprodukten von Wasser über Qualitätsweine bis hin zu Champagner.

Wachsende Kundenansprüche

Ebenso vielseitig sind die Endverpackungen: Neben Vierer-, Sechser- und Achterpacks sind auf dem Schweizer Markt 10er und 18er-Packs gefragt. Für spezielle Aktionen mit einzelnen Handelsketten werden auch Zwölfer- oder 15er-Kartons produziert. Der klassische Bierkasten steht natürlich auch auf dem Programm. «Die Zahl der Verpackungsvarianten ist in den letzten Jahren förmlich explodiert – wir können uns den Zwängen des Marktes nicht entziehen», erklärt Dr. Martin Ketterer, Technischer Direktor und Mitglied der Geschäftsleitung bei Schützengarten.

Der auf die Abfüllanlage folgende Trockenteil ist von besonderer Bedeutung dafür, derartig komplexe Verpackungsaufgaben erfüllen zu können – hier werden die Flaschen gruppiert und verpackt, hier erhält das besondere Angebot durch die Endverpackung sein individuelles Gesicht. Deshalb investierte das Unternehmen in eine neue Linie mit einem modernen Trockenteil: eine von KHS und Schubert entwickelte multifunktionale Anlage, bestehend aus einem KHS-Einpacker und einer TLM-Anlage von Schubert.

Der Auftrag der Brauerei umfasste neben einem Aus- und Einpacker einen Binder und Entbinder sowie eine kombinierte Be- und Entpalettierung und einen Neuglasabräumer. Teil der Linie sind ausserdem ein Palettenwickler, eine Kastenwaschanlage sowie ein automatisiertes Kastenmagazin zur Pufferung von Kunststoffkästen. Die neue Anlage erreicht eine Leistung von 25 000 bis 35 000 Flaschen in der Stunde. Und auch die Formatvielfalt ist gegeben: Neben sechs verschiedenen Kunststoffkisten für die Mehrwegflaschen verpackt Schützengarten auf der neuen Anlage verschiedene Kartonformate mit Mengen von sechs bis achtzehn Flaschen.

Modularer Aufbau im Block

Bereits in der Vergangenheit hat KHS klassische Produktionslinien zur Verarbeitung von Baskets und/oder Clusterpacks angeboten. Hier wurden einzelne Maschinen durch Transporteure miteinander verbunden. Bei der neuen Blocklösung mit der Bezeichnung Innopack TLM werden die einzelnen Module ohne zusätzliche Transporteinheiten zusammengefügt und bilden eine kompakte Einheit. Die Innopack TLM erlaubt dank ihres modularen Aufbaus jene Flexibilität, die zur Bewältigung der Produktvielfalt erforderlich ist. «Wir bieten platzsparende Lösungen, die sich flexibel erweitern lassen, wenn die Produktion gesteigert wird oder die Formate und Produktzusammenstellungen sich ändern sollten. Damit können die Kunden schnell auf sich verändernde Anfragen reagieren, ohne gleich in eine neue Linie investieren zu müssen», erklärt Peter Gabriel, Geschäftsführer der Gerhard Schubert GmbH Verpackungsmaschinen, der für die strategische Planung der Kooperation verantwortlich zeichnet. Derzeit werden auf der geblockten Anlage elf verschiedene Flaschenformate verpackt, davon sieben Mehrweg- und vier Einwegflaschenformate.

Schnelle Verbindung auf Schienen

Die mechanische Verbindung zwischen dem Einpacker von KHS und den Modulen von Schubert wird in diesem Fall über den Transportroboter Transmodul hergestellt. Das Transmodul fährt in die Einpackmaschine von KHS. Dank induktiver Energieversorgung und der Übertragung von Daten und Signalen mittels Funk kann sich das Transmodul frei bewegen. «Ohne das Transmodul wäre das Verschmelzen unserer Anlagen nicht machbar», erläutert Kanellos Tzinieris, der Fachmann für die Getränkeindustrie im Vertrieb von Schubert.

Im ersten TLM-Modul werden die Kartonagen aufgerichtet, verklebt und auf dem Transmodul abgesetzt. Der Transportroboter befördert diese dann in das Packmodul von KHS. Hier werden die Flaschen in der jeweils benötigten Menge automatisch in die Kartons eingesetzt. Anschliessend gelangen die Kartons auf dem Transmodul zu den TLM-Verschliessmodulen, in der F2-Roboter sie verschliessen. «Die Verblockung der Komponenten von KHS und Schubert macht lange Transportstrecken und eigene Ein- und Auslaufstrecken überflüssig», beschreibt Lutz Müller, bei KHS Sales Manager für die Schweiz, die kompakte Bauweise der Maschine: «Dadurch reduzieren sich Wartung, Verschleiss und Energieverbrauch. Ausserdem kann ein einzelner Angestellter diese kompakte Anlage bedienen.» Für einfache Bedienbarkeit sorgen die austauschbaren Formatwerkzeuge, die es erlauben, immer mit den gleichen Einstellungen zu produzieren. Das verkürzt die Umstellzeiten auf weniger als 15 Minuten.

Dank dieser Lösung kann Schützengarten nun bei engsten Raumverhältnissen die volle Kapazität seines Füllers nutzen. Die Linienleistung wurde im Vergleich zu der bisher eingesetzten Verpackungslösung nahezu verdoppelt. Die Verpackungsanlage kann sowohl Kisten als auch künftig Baskets, Cluster und weitere Kartonage-Varianten packen. «Der Verpackungsblock eröffnet uns viele neue Möglichkeiten. Wir sind für die Zukunft bestens aufgestellt und haben dabei etablierte Partner an Bord», so Dr. Martin Ketterer.

Gerhard Schubert GmbH Verpackungsmaschinen www.gerhard-schubert.de KHS GmbH www.khs.com



Produktschonendes Handling ist bei empfindlichen Produkten und Verpackungen wichtig – die Roboter sind durch ihre Greiftechnik für diese Aufgaben ausgelegt. (Bilder: Gerhard Schubert GmbH)


Kartonagen sorgen durch ihre Aufmachung für einen Hingucker im Verkaufsregal.


Schachteln aufrichten, befüllen, verschliessen, das übernimmt Schubert. Mit der KHS-Abfüllanlage entsteht eine geschlossene Gesamtlösung.

Kooperation von KHS und Schubert

Die gemeinsam entwickelte Blocklösung von KHS und Schubert steht für Flexibilität und eine kompakte Bauweise. In herkömmlichen Produktionslinien für das Verpacken von Getränkeflaschen in Baskets oder Clusterpacks werden einzelne Maschinen durch Transporteinheiten miteinander verbunden. Innopack TLM verbindet die Maschinen von Schubert und KHS inline, indem die einzelnen Module zu einer kompakten und damit platzsparenden Einheit zusammengesetzt werden. Zusätzliche Transporteinheiten sind nicht mehr erforderlich. Die mechanische Verbindung wird in Form von Transportbändern von KHS, die die Flaschen in die TLM-Anlagen befördern, oder dem Transmodul von Schubert hergestellt.