Eine Publikation der Swissprofessionalmedia AG
Ausgabe 04/2018, 03.04.2018

Inspektionssysteme helfen mit, teure Rückrufe zu vermeiden

Die Schreckensvorstellung vieler Lebensmittelhersteller: Ein Kunde findet in seinem Produkt einen Fremdkörper und verletzt sich daran. Oder ein Allergiker nimmt ein falsch ausgezeichnetes Produkt zu sich und erkrankt schwer. Wichtig ist daher ein gutes Qualitätsmanagement – und Prozesse und Anlagen, die Fremdkörper und Fehletikettierungen aufspüren.

Autor: Dieter Conzelmann, CEO Bizerba Busch AG

Unabhängig von der Ursache: jeder Rückruf schadet dem Markenimage. Darüber hinaus müssen Umsatzverluste auf Produktionsseite in Kauf genommen werden und Händler müssen verpasste Verkaufschancen wegstecken. Neben dem Produktionsausfall entstehen zudem ungeplante, zusätzliche Kosten – etwa Aufwendungen für Anwälte, Transportkosten im Rahmen des Rückrufs, Kosten für Entschädigungen und gegebenenfalls die Entsorgung der Produkte. Hinzu kommen in allen Fällen Investitionen in Marketingaktionen zur Wiederherstellung von Reputation und Vertrauen. Unannehmlichkeiten und Auseinandersetzungen mit verärgerten Verbrauchern bilden dabei nur die Spitze des Eisbergs. Zwar lassen sich solche Risiken durch gutes Qualitätsmanagement verringern, endgültige Sicherheit bringen jedoch nur Prozesse und Anlagen, die Fremdkörper und Fehletikettierungen zuverlässig aufspüren. Hierzu gibt es verschiedene Lösungsansätze.

Integrierte Systeme

Laut Fertigpackungsverordnung (FPV) müssen Lebensmittelhersteller alle verpackten und egalisierten Produkte, die in den Handel gelangen, auf korrekten und vollständigen Inhalt prüfen. Dabei darf die Füllmenge den Sollwert nicht unter- oder überschreiten, was es in der Produktion lückenlos zu dokumentieren gilt. Automatische Kontrollwaagen sichern die FPV und eignen sich zur Füllmengenkontrolle und Prozessregelung. Eine Feedbackfunktion verhindert, dass zu viel Ware in der Packung ist und damit Produkt-Give-Aways entstehen. Das spart wertvolle Rohmaterialien und steigert den Gewinn des Herstellers.

Ein integriertes Metalldetektionssystem wie zum Beispiel Varicon+ von Bizerba detektiert das Produkt parallel zur Füllmengenkontrolle auf eingeschlossene Verunreinigungen. Flexibel im Trocken- oder Nassbereich einsetzbar, erzielt ein solches System mit seiner Multi-Simultanfrequenz-Technik gute Ergebnisse: Es prüft verpackte Produkte zeitgleich mit mindestens zwei Frequenzen auf Stahl, Edelstahl, Eisen oder Nichteisenmetall.

Keine Chance für Glas, Plastik & Co.

Mit Röntgengeräten lassen sich selbst kleinste Metallpartikel, aber auch Steine finden. Sogar Gläser und Konservendosen mit einer Wanddicke von bis zu drei Millimetern können auf Fremdkörper überprüft werden. Das Prinzip: Inspektionssysteme wie zum Beispiel das XRE_2 fangen die Strahlung auf und erzeugen daraus ein Graubild. Sind im Lebensmittel Fremdkörper vorhanden, so erscheinen diese wegen ihrer höheren Dichte als schwarze Flecken auf dem digitalen Bild. Moderne Röntgendetektoren sind in der Lage, ein Bild innerhalb von Millisekunden auszuwerten. Dabei kann das Förderband mit einer Geschwindigkeit von 60 Metern pro Minute durch das Gerät laufen. Das entspricht einer Überprüfung von rund 200 Packungen in der Minute.  

Vision-Systeme

Neben dem geprüften Inhalt müssen auch Verpackung und Etikett stimmen. Die Lebensmittel-Informationsverordnung LMIV legt eindeutig fest, welche Produktangaben zusätzlich auszuweisen und auf dem Etikett abzubilden sind. Verstossen die Lebensmittelproduzenten gegen eine Regel und stellen Inhaltsstoffe zum Beispiel kleiner als in der vorgegebenen Mindestschriftgrösse dar, müssen sie mit Strafzahlungen rechnen. Optische Kontrollsysteme wie das BVS-L können hier für Sicherheit sorgen, indem sie Fehler auf der Verpackung zuverlässig aufspüren.

Die dafür verwendeten Kamera-Kontrollsysteme sind darauf ausgelegt, anhand von Referenzbildern Fehler in der Etikettierung zu finden. Zu den Aufgaben des so genannten Vision-Systems gehört eine Überprüfung des Mindesthaltbarkeitsdatums, der Lesbarkeit von Inhaltsstoffen und Allergenen, der Position des Etiketts sowie ein Check, ob die Barcodes funktionieren und an der richtigen Stelle angebracht sind. Ausserdem überprüft es, ob die Verpackungsmaschine die richtige Folie beim Verpacken verwendet hat, um eine ansprechende Wirkung des Produkts zu erzielen. Die Überprüfung erfolgt innerhalb von Millisekunden. Zwei fest installierte Kameras fotografieren dazu das Produkt mit einer Fehlauslesungsrate im Promillebereich. Stellt das System eine Abweichung zum Referenzbild fest, wird das fehlerhafte Produkt ausgesondert.

Alles noch ganz dicht?

Im Rahmen des Verpackungsprozesses wird die Naht der Packungen in so genannten Thermo-Forming-Maschinen unter Einfluss von Wärme versiegelt. Das Überprüfen, ob eine Verpackung richtig verschlossen, die Etikettenposition stimmig und der Inhalt fehlerfrei ist, kann ebenfalls mit Vision-Systemen erfolgen. Die Lösung ThermoSecure von Bizerba Luceo lässt sich beispielsweise nach den Wäge- und Metalldetektions-Stationen am Ende der Linie installieren, um die Produkte zu identifizieren, zu inspizieren und zu kontrollieren. Packungen, die eine unsaubere Siegelnaht aufweisen oder nicht den optischen Anforderungen entsprechen, werden aus der Produktion ausgeschieden. Diese Funktionalität steht auch als integrierte Lösung für Verpackungsmaschinen bereit. Dazu wird eine Kameralösung in die Thermo-Forming-Maschine eingebaut, um mittels Sensoren die Siegelnähte direkt zu kon-trollieren. Das hat den Vorteil, dass Fehler besser sichtbar sind, wenn die befüllten, versiegelten und noch nicht vereinzelten Packungen mit straffen, sauberen Oberflächen in der Verpackungsmaschine liegen. Sind die Packungen schon geschnitten, ist insbesondere bei flexiblen Produkten die Siegelnaht oft wellig oder leicht nach oben verzogen, was eine optische Inspektion erschwert.

Etiketten und Qualitätssicherung

Die Etiketten selbst spielen eine zentrale Rolle beim Thema Qualitätssicherung. Etiketten dürfen sich nicht vom Produkt oder der Verpackung ablösen – egal, welchen Umwelteinflüssen und Temperaturen sie ausgesetzt sind. Denn auch fehlende Labels können zu Rückrufaktionen führen. Bizerba entwickelt und produziert dazu ein eigenes Laminat.

Der Leim ist dabei von zentraler Bedeutung, damit die Etiketten im Verpackungsprozess oder später im Handel nicht abfallen: Die verwendete Menge muss immer im Einklang mit der Applikation stehen, da das Etikett sonst möglicherweise nicht haftet. Wird ein Produkt beispielsweise tiefgekühlt, ist der Anspruch an den Klebstoff ein anderer, als wenn das Etikett auf einem Lebensmittel haften muss, das bei Raumtemperatur gelagert wird.

Um durchgängig sichere Waren garantieren zu können, reicht es also nicht, nur auf das Produkt, dessen Herkunft und Herstellung zu achten. Auch die Produktion von Verpackung und Etikett wird eine immer grössere Rolle im Ringen um Qualität und Sicherheit spielen.

Software: Lückenlos dokumentiert

Um ein funktionierendes Herstellungs- und Kontrollsystem zu etablieren, gehört zu modernen Hardwarelösungen auch die passende Software. Die voll integrierte Software-Familie BRAIN2 etwa versetzt Hersteller in die Lage, alle Vision- und Röntgen-Bilder sowie Datensätze der Metalldetektoren für die Dauer der Haltbarkeit des Produkts zu speichern. So lässt sich beweisen, dass die Packung bei Auslieferung fehlerfrei war und der Tatsache vorbeugen, dass Verbraucher das Vertrauen missbrauchen und Produkte manipulieren.

Statistikprogramme und Warenwirtschaftssysteme erleichtern es den Produzenten, Fehler zu erkennen, um dann ihre Fremdkörpermanagement-Prozesse zu optimieren.

Bizerba Busch AG www.bizerbabusch.ch




CWFmaxx mit Varicon. (Bilder: Bizerba)


Das Inspektionssystem XRE_2.


Das Vision-Inspektionssystem SealSecure.