Eine Publikation der Swissprofessionalmedia AG
Ausgabe 05/2018, 07.05.2018

Messtechnische Lösungen für ein Molkereiprojekt

Milei 2.0 steht für das neue Werk der gleichnamigen, global aktiven Molkerei Milei im deutschen Leutkirch im Allgäu. Im Vorfeld barg das Projekt einige Herausforderungen. Heute liefern über 2500 Messstellen zuverlässige Messwerte – rund um die Uhr.

Autor: Tim Schrodt, Branchenmanager Lebensmittel, Endress+Hauser

Auf über vierzig Jahre Produktionserfahrung kann man am Allgäuer Standort der Molkerei Milei bereits zurückblicken. Zu Beginn umfasste die Produktpalette Molkepulver und Lactose. Heute verlassen Nahrungsmittel für die Bereiche Clinical und Infant Nutrition sowie diätetische Produkte das Werk. Des Weiteren beziehen viele Kunden aus der Lebensmittel- und Getränkeindustrie Milei-Produkte, um Eigenschaften und Herstellung ihrer Produkte zu verbessern.

Das japanische Unternehmen Morinaga Milk übernahm nach jahrelanger erfolgreicher Beteiligung im Jahr 2012 zu 100 Prozent die Anteile an Milei. Um die Position von Milei als Global Player zu stärken, entschied man sich ein Jahr später für einen Neubau neben den bestehenden Anlagen.

Ziele von Milei 2.0

Neben der Verarbeitung von Molke sollen die Mengen für Milch deutlich erhöht werden. Ein weiteres Hauptziel ist die Verbesserung des produktionstechnischen Qualitätsstandards bei der Fraktionierung von Milch und Molke betreffend der Ausbeute und des Energieeinsatzes. Dazu wurde eine neue Kombination der verfahrenstechnischen Schritte entwickelt. Mit der Umsetzung wurde die Firma Tetra Pak betraut.

Endress+Hauser wurde schon vor Baubeginn mit in die Projektierungsphase involviert. Dadurch wollte Milei zum einen sicherstellen, dass in den hygienisch sensiblen Bereichen entsprechende messtechnische Lösungen zum Einsatz kommen. Zum anderen sollte die Messtechnik so weit wie möglich über alle Anlagengewerke standardisiert werden, um die Ersatzteilbevorratung auf ein Minimum zu beschränken. Für Gert Henke, Leiter der Technischen Abteilung und Mitglied des Managementteams, zählte unter anderem das vollständige Portfolio der Prozessparameter Durchfluss, Füllstand, Druck, Analyse und Registrierung, das Endress+Hauser sowohl für den hygienischen Prozessbereich, als auch für die Hilfs- und Versorgungsprozesse liefert.

Komplettlieferant als Bindeglied

Vor Baubeginn galt es, die Vorstellungen aller beteiligten Firmen in Einklang zu bringen. Bei der Komplexität des Projektes war dieses eine Herausforderung. Die Basisanforderungen für die Messtechnik erstreckten sich auf eine 4...20 mA/HART-Kommunikation und die Kennzeichnung mittels metallischem TAG-Nummernschild. Der für Milei zuständige Endress+Hauser-Vertriebsingenieur definierte nach Absprache mit dem jeweiligen Anlagenlieferant die beste messtechnische Lösung für die jeweilige Applikation. Hauptaugenmerk galt dem physikalischen Messprinzip, dem richtigen Prozessanschluss und dem optimalen Einbau. Im hygienischen Bereich wurde bevorzugt auf Varinline gesetzt, für Durchflussmessgeräte auf Schweissstutzen oder DIN 11864-Anschlüsse. Während der Inbetriebnahmephase zahlte sich der Support der Endress+Hauser-Servicetechniker aus, so etwa bei der schnellen Fehlerbeseitigung. Dadurch konnte der Projektzeitplan genau eingehalten werden.

Im Durchflussbereich werden die meisten Anwendungen mit dem magnetisch-induktiven Proline Promag H abgedeckt, der nach EHEDG hygienisch zertifiziert ist. Je nach Montageort und Medium kommen Kompakttransmitter der Serie Promag H 100, modular aufgebaute Transmitter, wie beim Promag 53H (die auch getrennt instrumentiert werden können) sowie für Medien mit hohen Feststoffgehalten der Promag 55H, zum Einsatz. Für Durchflussmessungen in den Hilfskreisläufen ist der Promag 53P gesetzt, der dank PTFE-Inliner hier alle Temperaturbereiche von -40 bis +180 °C abdecken kann. Dampfmengen erfasst der Wirbelzähler Prowirl F 200 und überwacht mit der Nassdampferkennung die Effizienz von Erhitzungsprozessen. Energiemengenrechner wie der EngyCal RH33 berechnen vor Ort eingesetzte Energiemengen und sind dank Ethernet oder Feldbus-Kommunikation fernauslesbar. Die Druckluftversorgung überwacht das thermische Massedurchflussmessgerät Proline t-mass A 150.

In der Bilanzierung der Stoffströme setzt Milei hochgenaue Coriolis-Massedurchflussmessgeräte vom Typ Promass 83F ein. Dieses Messprinzip liefert zusätzlich Informationen zur Mediumsdichte. Der Cerabar PMP55 mit Metallmembran ist als Absolut- oder Relativdruckmesszelle verfügbar und deckt dank vollständig geschweisstem Druckmittler alle Temperaturbereiche ab, auch bei hohen Drücken. Ferner zeichnet sich diese Bauform durch eine hohe Vibrationsunempfindlichkeit aus, eine wichtige Anforderung in Membran- und Erhitzeranlagen. Für die Produktsicherheit an den kritischen Kontrollpunkten in der Erhitzung sorgt neben der Druck- noch die Temperaturmessung mit dem iTherm-Sensor TM411. Der Pt100 ist direkt innen auf die Sensorspitze gelötet und bietet mit «QuickSens» einen T90-Wert von 0,75 Sekunden. Der Bildschirmschreiber Memograph dokumentiert alle relevanten Parameter in diesem Prozess. Die Prozesssicherheit in Applikationen mit Kondensatbildung, hervorgerufen durch gekühlte Produkte, meistert der Deltapilot mit der kondensatfesten Contite-Messzelle. Ihm obliegt die Aufgabe der hydrostatischen Füllstandmessung. Bei den Grenzstandmeldern vertraut Milei dem robusten und universellen Vibronik-Prinzip. Der Liquiphant ist in verschiedenen Varianten im Einsatz.

Fazit

Im Milei-2.0-Projekt liefern über 2500 Messstellen rund um die Uhr zuverlässige Messwerte. Durch eine stringente Strategie in der Gerätestandardisierung konnte die Vielfalt auf unter 50 Typen beschränkt werden. Dabei bewährte sich Endress+Hauser als Bindeglied zwischen Milei und den Anlagenbauern und half mit, alle Anforderungen und Lieferanten unter einen Hut zu bekommen.

Endress+Hauser (Schweiz) AG
www.ch.endress.com




Die Fliessgeschwindigkeiten im CIP-Prozess misst der Promag 53H. (Bilder: zvg)


Membranfiltrationsprozesse spielen die Hauptrolle bei der Fraktionierung von Milch und Molke: Druck und Temperatur überwachen Cerabar PMP55 und iTherm 411.


Energiemengenrechner haben die Effizienz der Prozesse fest im Blick: EngyCal RH33 stellt die Daten fernauslesbar zur Verfügung.