Eine Publikation der Swissprofessionalmedia AG
Ausgabe 06/2018, 11.06.2018

Damit drin ist, was draufsteht

Convenience-Produkte erleichtern den Kochalltag. Doch die Gefahr, dass fixfertige Erzeugnisse auch andere als die angegebenen Inhaltsstoffe enthalten, ist gross. Deshalb sind Kontrollen auf verschiedenen Ebenen nötig.

Autor: Julia Konstantinidis

Fehlt die Zeit zum Kochen, greifen wir gerne zu Fertigprodukten. Zwar spart dies Zeit für Menüplanung und Zubereitung. Aber um den genauen Inhalt des Convenience-Produkts zu erfahren, ist meist ein eingehendes Studium der Deklaration notwendig.

Besonders genau hat 2017 das Kantonslabor Basel-Stadt die Zusammensetzung von 21 Saucen und neun Suppen unter die Lupe genommen. Untersucht wurde einerseits, ob alle erforderlichen Kennzeichnungselemente auf der Verpackung aufgeführt sind und ob gentechnisch veränderte Organismen (GVO) enthalten sind. Diese konnten nicht nachgewiesen werden.

Andererseits wurden die Produkte auf diverse Allergene wie Gluten, Zwiebeln und Knoblauch untersucht, falls diese Bestandteile nicht in der Zutatenliste aufgeführt waren.

Schwellenwert nur in der Schweiz

Das Resultat der Analyse ergab, dass sämtliche untersuchten Allergene entweder nicht, nur in kleinsten Mengen oder nur bei entsprechender Kennzeichnung als Zutat oder mögliche Kontamination nachgewiesen wurden. «Das heisst, es gab keine Deklarationsmängel, welche die Gesundheit in Gefahr bringen. Allerdings haben wir in einem Produkt Senf gefunden und in zwei anderen Milchspuren», erklärt die für die Analyse verantwortliche Lebensmittelchemikerin Evelyn Ilg Hampe. Die gefundenen Mengen hätten die Deklarationslimite für allergene Verunreinigungen jedoch nicht überschritten. Dieser Schwellenwert, der pro Kilo ein Gramm beträgt, existiert nur im schweizerischen Lebensmittelgesetz. Obwohl offizielle Beanstandungen also nicht nötig gewesen seien, habe man die von den Verunreinigungen betroffenen Produzenten beziehungsweise Importeure auf die Resultate hingewiesen, so Ilg Hampe.

Wertvolle Hinweise

In der Untersuchung des Kantonslabors Basel-Stadt wurde zwar kein Produkt des Berner Unternehmens HACO AG analysiert. Doch die Qualitätsverantwortlichen sind mit der von Ilg Hampe angesprochenen Praxis vertraut: «Hinweise über geringfügige Kreuzkontaminationen sind für uns wertvoll. So können wir rechtzeitig Massnahmen ergreifen», erklärt David Oberholzer, Verantwortlicher für die Qualitätssicherung. Die HACO stellt rund 1500 Produkte her – vom Instantkaffee und Getreideriegel über Würzmischungen bis zu Trockensuppen, Bouillon und Fertigsaucen. Auch den Schwellenwert empfindet man laut Marianne Hartmann, Verantwortliche für das Qualitätsmanagement, als hilfreich: «Dadurch wissen wir genau, was wir deklarieren müssen. Wir würden uns wünschen, dass es eine ähnliche Regelung auch in anderen europäischen Ländern gäbe.» Denn die meisten Rohstoffe wiesen bereits unvermeidbare Kreuzkontaminationen auf, wenn sie beim Produzenten ankommen.

Wenn nötig Handarbeit

Da auf den Anlagen der HACO AG verschiedene Produkte hergestellt werden, müsse die Reinigung der Maschinen je nach Anforderung angepasst werden: «Stellen wir etwa ein allergenfreies Produkt her, werden die Anlagen meist nass gereinigt und teilweise vor der Produktion auf Rückstände kontrolliert. Je nach Herstellungsprozess wird auf Handarbeit umgestellt, um Verunreinigungen durch Allergene zu vermeiden», so Oberholzer. Ausserdem werde jedes Halbfabrikat und jede erste Packung des fertigen Produkts im betriebsinternen Labor auf Allergene überprüft. Oberholzer: «Erst wenn diese Resultate in Ordnung sind, wird das Produkt freigegeben.» Seien Kreuzkontaminationen unumgänglich, würden entsprechende Spurenhinweise deklariert.

Mehr Sorgfalt bei Kennzeichnung

Evelyn Ilg Hampe ist grundsätzlich erfreut über die Resultate ihrer Produkteanalyse: «Ich bin froh, dass keine Gesundheitsgefährdung aufgrund von nicht deklarierten, allergenen Verunreinigungen oder Zutaten aufgetreten ist.» Dennoch musste sie bei zwölf der 30 Produkte Deklarationsmängel beanstanden. Dabei handle es sich um formale Fehler, etwa dass allergene Inhaltsstoffe auf der Verpackung nicht fett gedruckt wurden. Bei den Fertigsuppen und -saucen existiere jedoch ein grosses Sortiment, bei dem etliche Produkte aus dem fernen Ausland kämen. Dabei sei die Inhaltsdeklaration ursprünglich in einer anderen Sprache aufgedruckt und müsse übersetzt werden. Bei diesem Prozess oder auch aus anderen Gründen könnten Zusatzinfos und dergleichen verloren gehen. «Manchmal würde ich mir etwas mehr Sorgfalt und Seriosität bei der Deklaration wünschen», so Ilg Hampe mit Blick auf die Beanstandungsquote von 40 Prozent. Aber generell sei das Niveau in der Schweiz hoch.

HACO AG www.haco.ch Kantonales Laboratorium Basel-Stadt www.kantonslabor.bs.ch



Die HACO AG in Bern hat ein ausgeklügeltes System entwickelt, um die Sicherheit der Produkte zu gewährleisten. (Bild: HACO AG)